Inklusion, Aktion Mensch-Blog

„Jetzt könnte es gefährlich werden“

von Marcel Wienands

Schlagworte:
Freizeit,
Sport

Marcel Wienands ist BVB-Fan. In diesem Jahr war er Besucher des Supercups. Bereits letztes Jahr hat der 22-Jährige genau diese Partie im Stadion erlebt – damals noch sehend. Jetzt hörte er zum ersten Mal die Blindenreportage im Stadion seiner Lieblingsmannschaft. Ein Erfahrungsbericht.

Marcel Wienands im Stadion

Die Vorfreude auf das hochbrisante Duell zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund ist mir auch dieses Mal vor dem Supercup-Finale deutlich anzumerken. Seit ich denken kann, schlägt mein Herz für den BVB und für mich ist es fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden meinen Verein mehrmals pro Saison im Stadion anzufeuern. Dabei kam für mich eigentlich nie etwas anderes in Frage als Europas größte Stehplatztribüne, die Südtribüne. So auch bei meinem bislang letzten Stadionbesuch im vorherigen Jahr zu genau dem gleichen Spiel, dem Supercup-Finale der beiden Teams. Seitdem hat sich jedoch einiges geändert und ich feuere heute zum ersten Mal meine Mannschaft von speziell für Sehbehinderte eingerichteten Plätzen an. Mein Gefühl der Vorfreude mischt sich mit leichten Zweifeln, ob ich das Spiel überhaupt genießen kann, wenn ich ihm nicht wie gewohnt mit meinen eigenen Augen – und dazu noch abseits der Südtribüne – folge.

Stadion-Erinnerung

In Dortmund angekommen steigt die Spannung weiter und neben all den Dortmund-Fans fühle ich mich sehr vertraut. Besonders unmittelbar am Stadiongelände stellt die Menschenmenge jedoch ein großes Hindernis für mich dar, wobei ich mich in diesem Fall auf meine Begleitung verlassen kann. Der Block für Sehbehinderte befindet sich am Ende der Osttribüne direkt vor der Südtribüne. Das wird unmissverständlich deutlich, denn gerade am Platz angekommen, empfangen die Fans der Südtribüne die sich warmmachenden Spieler aus München mit einem lauten Pfeifkonzert. Die Stimmung und der Ablauf im Vorfeld des Spiels sind mir bekannt. Es ist schön wieder im Stadion zu sein, auch wenn es komisch ist, die Fans nicht sehen zu können. Ich stelle mir ein Bild des Stadions und der Fans so vor, wie ich es aus meinen Erinnerungen kenne. Ebenso versuche ich die vom Reporter beschriebenen Spielsituationen vor meinem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Von Vorteil ist es, dass ich die Spieler und deren Positionen gut kenne, wodurch ich in der Lage bin, das Spielgeschehen besser zu orten.

Als blinder Fußballfan seine Lieblingsmannschaft zu besuchen und dem Spiel folgen zu können, wie es für Sehende problemlos möglich ist, war bis vor einigen Jahren so nicht denkbar. Dank der Blindenkommentatoren, welche ähnlich wie im Radio mit genauen Spielbeschreibungen das Spiel für Nichtsehende über Kopfhörer greifbar machen, stellt ein Stadionbesuch für sehbehinderte Menschen heute kein Problem mehr dar. Ich persönlich finde es besser, die Kopfhörer nur einseitig zu tragen, damit ich mit dem freien Ohr die Stimmung, die von der Südtribüne ausgeht, besser genießen kann. Spannende Angriffe – häufig vom Reporter mit „Jetzt könnte es gefährlich werden“ eingeleitet – sorgen dafür, dass der Geräuschpegel so laut wird, dass ich mit der Lautstärke spielen muss, um dem Spielgeschehen weiter folgen zu können. Oft nehmen mir die anderen Fans die Antwort des Kommentars zum Spielgeschehen vorweg. Ein lautes Raunen oder sogar der Torjubel, zum Beispiel beim zweiten Tor, sind deutlich vor der entscheidenden Antwort des Kommentators wahrzunehmen.

Gänsehaut-Feeling

Der Schlusspfiff – und der Sieg – wird von den Dortmund-Fans von großem Jubel begleitet, der bei mir genau wie das Lied „You'll never walk alone“ vor dem Spiel Gänsehaut auslöst. Meine Euphorie wird zwar ein wenig getrübt, dadurch dass ich die Spieler bei der Ehrenrunde nicht sehe – aber an meinem äußerst positiven Gesamteindruck ändert das nichts. Mir hat die für Blinde zugeschnittene Reportage im Stadion wirklich sehr gefallen – was natürlich auch an der atemberaubender Kulisse lag. Ein wirklich besonderes Erlebnis!


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