Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Ist die Leichte Sprache auch gut?

An der Uni Hildesheim nehmen Forscher die Regeln der Leichten Sprache unter die Lupe – und bieten Beratung und Schulung für Privatleute und Behörden an.

Inclusion-Europe-Signet für Texte in Leichter Sprache Quelle: Inclusion Europe

Eine Sprache, die Menschen sich ausgedacht haben. Mit Regeln, die aufgestellt wurden, weil sie schlüssig erschienen. Das ist die Leichte Sprache. Ein Phänomen, genau wie Esperanto – und für Sprachwissenschaftler höchst interessant. Deshalb gibt es an der Uni Hildesheim seit einigen Monaten eine „Forschungsstelle Leichte Sprache“, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation angesiedelt ist. Aber: Braucht die Leichte Sprache denn umgekehrt die wissenschaftliche Beobachtung?

Ein klares Ja kommt dazu von Prof. Dr. Christiane Maaß, die die Forschungsstelle leitet: „Das Netzwerk Mensch Zuerst hat mit dem Aufbau der Leichten Sprache absolute Pionierarbeit geleistet. Nun fragen wir: Sind diese Regeln gut? Machen sie das Lesen und Schreiben wirklich leichter – oder müssen wir sie vielleicht verbessern?“

Nicht zu bildhaft werden

Eine dieser Regeln ist, Metaphern zu vermeiden. Denn bildhafte Ausdrücke wie „Rabeneltern“ oder „einen Bären aufbinden“ könnten Menschen mit Lernschwierigkeiten wörtlich nehmen – und missverstehen. Doch: Auch das Wort „Netzwerk“ ist eine Metapher – und den allermeisten Menschen mit Behinderung vertraut.

Ein zweites Beispiel: Auch Negationen sind in der Leichten Sprache unerwünscht, weil das Wörtchen „nicht“ oft den Lesefluss stoppt oder schlicht überlesen wird. Besser als „Peter ist nicht gesund“ wäre also: „Peter ist krank“. Bei Gesetzestexten allerdings sind negative Formulierungen zuweilen unverzichtbar, um einen Sachverhalte korrekt und präzise zu beschreiben. „Die Regeln sind von der Idee richtig. Aber wir müssen genauer fassen, wann sie sinnvoll sind und wann nicht“, erläutert Maaß.

Regeln und Wortschatz

Die Regeln der Leichten Sprache sind ein Schwerpunkt der Forschungsstelle – ein anderer ist der Wortschatz: Gemeinsam mit Informatikern bauen Christiane Maaß und ihr Team eine Art elektronisches Wörterbuch auf, das Übersetzungslösungen speichert. Das Ziel: Wer in Leichte Sprache übersetzt, kann künftig auf bewährte Begriffe oder Umschreibungen zurückgreifen – so dass identische Inhalte in Schwerer Sprache nicht immer wieder anders in Leichte Sprache übersetzt werden.

Sensibilisierung für alle

Die Forschungsstelle ist übrigens auch Anlaufstelle für Leute, die Beratung und Schulung in Einfacher Sprache brauchen. Regelmäßig laufen dort Workshops für Einsteiger und Fortgeschrittene – auch Mitarbeiter vom Landessozialamt und dem Justizministerium in Niedersachsen wurden dort bereits für die Leichte Sprache und die Tücken ihrer Regeln sensibilisiert.


Linktipps:
Die „Forschungsstelle Leichte Sprache“ an der Uni Hildesheim
Mehr Informationen zur Leichten Sprache vom Verein „Mensch zuerst –
Netzwerk People First Deutschland“

Das Netzwerk Leichte Sprache
Mehr Leichte Sprache! Ein Blogbeitrag von Stefanie Wulff über die Ausbildung von Prüfern für Texte in Leichter Sprache – mit einer Übersetzung in Leichter Sprache
Wissenschaft für alle. Ein Interview im Blog von Stefanie Wulff mit Herausgeberin Simone Seitz über das erste wissenschaftliche Buch in Leichter Sprache
„Das Wunder von Bern“ in Einfacher Sprache. Ein Blogbeitrag von Laura Merken über ein Buch in Einfacher Sprache über die deutsche Fußball-Weltmeisterschaft-Mannschaft von 1954

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