Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Inklusive Reisen mit Sterntal

Inklusive Jugendreisen sind anders – und auch wieder nicht. Ein Anbieter aus Berlin schickt Jugendliche gemeinsam in die Welt.

Inklusive Jugendreise von Sterntal: Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind häufig Thema

Urlaub bedeutet: raus aus dem Alltag. Urlaub bedeutet auch: etwas anderes sehen, andere Menschen treffen. Wer eine inklusive Reise bucht, hat all das automatisch im Programm. Und damit wohl das Gegenteil dessen, was die All-Inclusive-Urlaube bieten (die gerne mal komplett am Club-Pool verbracht werden). Zwischen all den All-Inclusive-Lockangeboten im Internet sind die Anbieter von Inklusionsreisen übrigens gar nicht so leicht zu finden – aber es gibt sie. Sterntal in Berlin ist einer von ihnen: Gut 20 Reiseziele im In- oder Ausland sind insgesamt im Katalog, ein Drittel davon ist als inklusive Reise angelegt.

Treffen und Gespräche im Vorfeld der Reise

Die Kinder und Jugendlichen, die sich anmelden, treffen aber nicht erstmals im Bus oder im Flugzeug auf "die anderen". Es gibt ein Vortreffen, und es gibt Gespräche mit den Eltern, um allen das Ziel und die Besonderheit einer inklusiven Reise bewusst zu machen. Bei Teilnehmern mit Behinderung machen die Sterntal-Reisebetreuer zudem Hausbesuche, um spezielle Bedürfnisse oder Verhaltensweisen zu ergründen.

"Diese Vorbereitung ist für alle wichtig", sagt Kathrin Schultz, die seit 10 Jahren als Betreuerin mit auf Reisen geht. Teil-ehrenamtlich, also gegen kleine Entlohnung – im Hauptberuf nämlich leitet sie ein Jugendzentrum. Schließlich könne man nicht einfach davon ausgehen, dass alle Jugendlichen sich von Anfang an verstehen, zumal wenn die einen eine körperliche oder geistige Behinderung haben und die anderen eventuell aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. Und auch das Alter spielt eine Rolle: "Jugendliche in der Pubertät sind oft genug schon überfordert von der Welt – und dann sollen sie sich auch noch auf andere Jugendliche einlassen ...", beschreibt Schultz die Herausforderung inklusiver Jugendreisen.

Inklusion nicht um jeden Preis

Sie weiß mittlerweile, dass Inklusion nicht um jeden Preis geht. Dass sie Jungs, die vor Energie fast platzen, nicht zu einem Fußball-Spiel mit körperlich oder geistig eingeschränkten Altersgenossen zwingen kann – die müssen ihre Kräfte auch einmal untereinander messen. Sie hat erlebt, wie Sprüche, die ein Junge unbedacht kloppt, ein Mädchen mit Down-Syndrom verletzen können. Und sie würde ein Mädchen, das nachts viel weint und schreit, nicht in einem großen, gemischten Zimmer unterbringen – das bringt Unruhe und müde Gesichter, aber wenig fürs Miteinander.

Solche Momente sind für sie aber keine Katastrophen, sondern Gesprächsanlässe. Und auch das weiß Kathrin Schultz mittlerweile: "Teilnehmer aus prekären Elternhäusern brauchen oft genauso viel Aufmerksamkeit und Zuwendung wie die Teilnehmer mit Behinderung." Kein Wunder also, dass auf einer Reise mit 22 Kindern 8 Betreuer im Team sind!

Toleranz, Rücksichtnahme und ein selbstverständliches Miteinander lernen

Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die Bedeutung von Toleranz und Rücksichtnahme sind häufig Thema auf einer inklusiven Reise, ebenso die Sprache: "Die Jugendlichen sollen lernen, dass es einen Unterschied macht zu sagen, dass man jemanden 'füttert' oder ihm das Essen 'anreicht'", gibt Kathrin Schultz ein Beispiel. Oder dass jemand, der sich beim Sprechen schwer tut, im Kopf völlig klar sein kann – und man deswegen nicht herablassend, sondern ganz selbstverständlich mit ihm reden sollte. Oder kicken oder baden oder reiten oder wandern. Was man im Urlaub halt so macht!


Linktipps:
Der inklusive Jugendreisen-Anbieter Sterntal
Der Familienratgeber über Urlaubsreisen für Menschen mit Behinderung
"Nix Besonderes". Ein Blogbeitrag von Stefanie Wulff über Inklusion bei den Pfadfindern
Inklusive Ferienfreizeiten mit Disco und Gebet. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Ferienangebote der ZWST für Jugendliche mit Behinderung
Reisen mit allen Sinnen. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über ein Reiseunternehmen, das gemeinsame Touren für blinde, sehbehinderte und sehende Reisegäste veranstaltet

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