Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Inklusion und Hochbegabung

Weiterbildung „Inklusive Hochbegabtenförderung in Kita und Grundschule“ an der Uni Rostock

Weiterbildungsleiter Perleth: „Allen Stärken und Schwächen gerecht werden“ Uni Rostock

Dass bei Kindern mit Lernschwierigkeiten sowohl an Defiziten als auch an Potenzialen gearbeitet werden muss, ist den meisten Leuten klar. Doch beim Reden über inklusive Schule wird oft vergessen, dass auch hochbegabte Kinder besondere Aufmerksamkeit und Förderung brauchen.

Genau deshalb schult die Uni Rostock derzeit 20 Erzieher, Lehrer und Sozialpädagogen in „Inklusiver Hochbegabtenförderung“. Über vier Semester erstreckt sich diese berufsbegleitende Weiterbildung, die auch Interessenten ohne Abitur offen steht. Die Erzieherin ohne Abitur, die Kindheitspädagogin mit FH-Studium und die an einer Universität ausgebildete Grundschullehrerin lernen gemeinsam, wie sie die Fähigkeiten und Interessen hochbegabter Kinder erkennen und fördern – und auf Schwierigkeiten reagieren, die manchmal mit einer Hochbegabung einher gehen.

In Zukunft: Teamarbeit

Gemeinsam ist den Teilnehmern, dass sie aus „ganz normalen“ Kitas, Horten oder Schulen kommen, Orte also, wo nicht überdurchschnittlich viele hochbegabte Kinder zu finden sind. Die meisten besuchen den Kurs aus persönlichem Interesse am Thema, aber alle in Abstimmung mit ihren Vorgesetzten. Diese wissen, dass sie solches Fachwissen in Zukunft brauchen werden. „Es ist schließlich eine Illusion zu glauben, dass ein Erzieher oder ein Lehrer sich in allen Angelegenheiten auskennt – in der Förderung von Kindern mit Behinderung oder Hochbegabung, im Umgang mit kulturellen Unterschieden und Verwaltungsaufgaben“, sagt Prof. Dr. Christoph Perleth, der die Weiterbildung leitet: „In den Teams der Zukunft wirken im Idealfall mehrere Mitarbeiter mit verschiedenen inhaltlichen Spezialisierungen zusammen.“

Einer von ihnen ist der Erzieher Hannes Rahn (27), der in einem Rostocker Hort für 180 Kinder arbeitet – bei so vielen Kindern ist Heterogenität zwangsläufig, einige von ihnen sind hochbegabt. Manche, so erzählt Rahn, fordern in der Hausaufgabenbetreuung zusätzliche Aufgaben ein, weil sie das mathematische Denken eben lieben. Andere aber wollen nicht auch nach der Schule noch rechnen. „Wir sind ein Hort – und Hort ist eben auch ein Ort der Freizeit und Entspannung.“ Was nicht heißt, dass man die Kinder da nicht fördern könnte – bei Experimenten in der Küche oder beim Bauen in der Werkstatt zum Beispiel.

Mögliche Ansätze lernen die Teilnehmer im Kurs kennen – nach den theoretischen Grundlagen und nach Unterrichtsstunden zu Aussagekraft und Nutzen von diagnostischen Verfahren. Der Kurs schließt mit einem Projekt an der eigenen Einrichtung, bei dem die Teilnehmer das Erlernte – von der Beobachtung eines Kindes bis zum Erarbeiten eines Förderplanes – umsetzen müssen.

Über den Arbeitsalltag und die Lerninhalte tauschen Rahn und seine „Mitschüler“ sich während der Präsenzphasen (nämlich 4 x 1,5 Tage pro Semester) aus. Ebenso in den Selbstlernphasen auf den monatlichen Treffen der Intervisionsgruppe, in der sich die Teilnehmer zusammen schließen, die nahe beieinander wohnen. Die Teilnehmer kommen nämlich aus dem ganzen Land – und es waren mehr als es Plätze gab. Die Uni Rostock kann sich vorstellen, eine weitere Runde der Weiterbildung zu starten, um die von der Karg-Stiftung für Hochbegabte stammenden Lehrinhalte weiter zu entwickeln. Die Entscheidung über einen nächsten Kurs steht allerdings noch aus, ebenso wie die mögliche Form der weiteren Finanzierung. Aktuell läuft der Kurs im Rahmen des Projekts KOSMOS im Rahmen des BMBF-EU-Programms "Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen".

Kein Elite-Denken

Wichtig bei all dem Bemühen um hochbegabte Kinder ist Prof. Perleth die Zielrichtung: „Es geht nicht darum, dass wir hochbegabte Kinder identifizieren, um sie anschließend zu Hochleistungen anzuspornen. Sondern darum, ihnen mit all ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden.“ Auch Rahn will aus seinem Hort keine Elite-Stätte machen. Er will etwas Selbstverständliches, nämlich „als kompetenter Ratgeber auftreten können – auch im Gespräch mit den Eltern.“


Linktipps:
Die berufsbegleitenden Weiterbildung „Inklusive Hochbegabtenförderung in Kita und Grundschule“ an der Uni Rostock
Die Karg-Stiftung für Hochbegabte
Das Handlungsfeld "In der Schule" der Aktion Mensch
Master of Inklusion? Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Aus- und Weiterbildungsangeboten zum Thema Inklusion
Inklusion studieren: Übersicht der Universitäten und Fachhochschulen, die Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema Inklusion anbieten

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