Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Inklusion leicht gemacht?

Pünktlich zum Schulanfang schon eine erste Erfolgsgeschichte: Eine Mutter und eine Lehrerin haben sich zusammengetan und es geschafft, dass sich ein traditionelles Gymnasium zu einer inklusiven Schule entwickelt. Wie? Ganz einfach und doch ziemlich schwer: Mit sehr viel Engagement, Optimismus, Überredungskünsten und der Unterstützung lokaler Politiker.

Die Tochter von Christina Haartje-Graalfs hat das Down-Syndrom, geht aber auf eine ganz "normale" Grundschule. So sollte es auch weitergehen. Hanna sollte ab der Fünften eine Regelschule besuchen. Die freie Schulwahl ist zwar grundgesetzlich verankert, die Verantwortlichen können den Besuch allerdings ablehnen, wenn räumliche, personelle oder finanzielle Gründe dagegen sprechen. Genau dies waren auch die Gründe, die Christina Haartje-Graalfs bei ihrer Bewerbungstour mitgeteilt bekam.

Für viele Eltern wäre an der Stelle schon Schluss gewesen. Sie hätten ihr Kind dann in die nächstgelegene Förderschule schicken müssen, die meist nicht nah am Wohnort liegt und in der ausschließlich Kinder mit Behinderung lernen. Was dazu führt, die Grenze von Kindern mit und ohne Behinderung zu verstärken und zwei Welten entstehen lässt, die im Erwachsenenalter schwer wieder zusammenfinden.

Christina Haartje-Graalfs weiß das. Sie ist nicht nur die Mutter von Hanna, sondern auch Sozial- und Heilpädagogin. Sie kennt sich mit seelischen Prozessen und mit kommunalen Strukturen bestens aus. Deshalb hat sie sich von den Absagen auch nicht entmutigen lassen, sondern weiter gemacht und den Kontakt zur lokalen Politik gesucht. Gemeinsam mit der Stadt organisierte sie eine Podiumsdiskussion zum Thema Inklusion – und die gab tatsächlich den Startschuss dafür, dass Hanna und ein weiteres Mädchen mit Down-Syndrom seit dem 1. August 2011 das alteingesessene Mariengymnasium in Jever besuchen.

Auslöser für diesen Wendepunkt war das persönliche Engagement einer Lehrerin, die sich bereit erklärte, Hanna den Schulbesuch zu ermöglichen. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. Für Mutter und Lehrerin begann ein Behörden- und Formularmarathon. Dazu kamen die persönlichen Gespräche mit dem Lehrerkollegium, der Schülerschaft, dem Elternbeirat und dem Vorstand. Alle mussten der geplanten Veränderung zustimmen.

Fragt man Christina Haartje-Graalfs heute wie sie sich nach fast drei Jahren Engagement fühlt, sagt sie: "Es ist ein bisschen wie im Bahnhof angekommen zu sein und sich nicht mehr auf der Durchreise zu befinden."
Trotz des Erfolges oder gerade aufgrund ihrer Erfahrungen sieht sie das Thema Inklusion und das, was dahinter steckt, allerdings eher kritisch: "Wir stehen noch ganz am Anfang. Der Begriff Inklusion löst oft einfach nur den Begriff Integration ab. Dass Inklusion aber viel weiter geht, ist den Wenigsten bewusst."

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