Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Inklusion bei Jauch

Carina Kühne diskutierte in der TV-Talkshow von Günther Jauch mit anderen Experten

Carina Kühne in den Medien (hier mit HR-Moderatorin Britta Wiegand): „Expertin in eigener Sache“ Foto: HR

Als ich am letzten Mittwoch meine Mails anschaute, staunte ich nicht schlecht über die Anfrage, ob ich Lust hätte, als „Expertin in eigener Sache“ in einer Sendung zum Thema Inklusion bei Günther Jauch mitzudiskutieren. Da ich ja schon im Juni 2013 bei WESTART Talk in einer Live-Sendung zu diesem Thema teilgenommen hatte, freute ich mich über die Gelegenheit, mich bei einem großen Publikum für die Inklusion einsetzen zu können und von meinen Erfahrungen zu berichten.
Es gefiel mir sehr gut dort. Die Atmosphäre war auch vor der Sendung sehr entspannt. Günther Jauch lernte ich in einem kurzen Gespräch vorher kennen, die anderen Gäste erst während der Sendung.

Henri soll auf ein Gymnasium

Frau Ehrhardt setzt sich dafür ein, dass ihr elfjähriger Sohn Henri mit Down-Syndrom ein Gymnasium besuchen kann. Das finde ich sehr mutig. Leider wird der Junge dort abgelehnt. Sicher ist das nicht richtig, weil Inklusion ja nicht bedeutet, dass Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf das Klassenziel erreichen müssen. Für die anderen Kinder gilt der Lehrplan natürlich weiter. Henry lernt nach seinen Fähigkeiten. Trotzdem finde ich es bedenklich, dass seine Mutter die Inklusion an einer Gemeinschaftsschule ablehnt. Wenn sie es gegen alle Widerstände schaffen sollte, ihn im Gymnasium einzuschulen, wird er vielleicht gemobbt und verliert seine Fröhlichkeit. Deshalb würde ich lieber eine Schule besuchen, die dazu bereit ist und dahinter steht. Sicher wäre es schöner, gemeinsam mit seinen Klassenkameraden aus der Grundschule in eine Schule zu kommen; ich hatte diese Möglichkeit leider auch nicht. Aber ich bin sehr kontaktfreudig und bekam schnell Anschluss.

Inklusion leben: nicht „ob“ sondern „wie“

Die Einstellung von Herrn Kraus, dem Chef des Deutschen Lehrerverbandes, macht mich schon sehr betroffen und traurig. Deutschland hat doch 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben, und deshalb sollte man sich doch nun damit beschäftigen, wie man sie umsetzen kann, und nicht damit, warum Menschen angeblich nicht inkludierbar sind.

Der Sonderschullehrer Herr Klinge berichtete ja von seinen Inklusionserfahrungen und sprach sich auch dafür aus. Trotzdem wunderte es mich, dass er nach meiner Meinung nicht wirklich dahinter stand. Besonders ärgert es mich, dass er mehrmals von „Schmuddelkindern“ geredet hat. So etwas sagt man nicht! Kinder sind Kinder, egal ob mit oder ohne Behinderung, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, ob arm oder reich oder sozial schwach.

Versäumnisse und Lichtblicke

In Inklusionsklassen sind auch weniger Schüler als in Regelklassen. Deshalb wunderte ich mich schon sehr, dass er manchmal von 25 Schülern und dann auch von 29 Schülern in seiner Klasse gesprochen hat. Und komisch finde ich auch, dass er z. B. darüber gesprochen hat, dass Regelschüler ein Problem damit hätten, wenn Kinder im Rollstuhl nicht den Klassenraum ausfegen könnten, und es auch als ungerecht empfinden, wenn Kinder mit Förderbedarf eine bessere Note für schlechtere Leistung bekommen. Vielleicht haben die Lehrer da etwas versäumt.

Der einzige Lichtblick war eigentlich Frau Dreyer, die Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz. Sie hat sich doch dafür eingesetzt, die Inklusion umzusetzen, und darüber bin ich sehr froh! Nach der Sendung bekam ich von ihr auch ein Lob.

Ich mache weiter!

Diese Sendung von Herrn Jauch haben 4,28 Millionen Zuschauer gesehen, und das finde ich sehr gut, weil viele von ihnen sich normalerweise gar nicht mit diesem Thema auseinandersetzen. Die Menschen werden aufmerksamer. Ich wurde schon mehrfach von wildfremden Leuten in der Öffentlichkeit angesprochen, die diese Sendung gesehen haben. Vielleicht werden auch einige Menschen etwas nachdenklicher und ändern ihre bisherige Meinung wenigstens teilweise. Bestätigung habe ich durch unendlich viele positive Rückmeldungen bekommen, und deshalb werde ich mich auch weiter für Inklusion einsetzen.


Linktipps:
Die TV-Talkshow „Günther Jauch“ zum Thema „Mit Down-Syndrom aufs Gymnasium - freie Schulwahl für behinderte Kinder?“ in der ARD-Mediathek
Gut gedacht, doch schlecht gemacht? – Kann Inklusion funktionieren? Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über ihre Teilnahme an der TV-Sendung „WESTART Talk“ mit dem Thema „Kann Inklusion funktionieren?“
Weg mit den Floskeln! Ein Blogbeitrag von Katja Hanke über eine Diskussion zur Darstellung von Inklusion in den Medien
Normalität in Film und Fernsehen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Menschen mit Behinderung in den Medien

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