Aktion Mensch-Blog

Humor und Behinderung

von Franz-Josef Hanke

Cartoon: Phil Hubbe

„Warum haben Blinde immer einen weißen Langstock dabei?“ Die Antwort ist bitterböse: Damit man sie leichter unter dem Auto hervorziehen kann!

Ist das nicht geschmacklos? Darf man solche Witze über Menschen mit Behinderung machen? Diesen Witz hat mir ein Blinder erzählt. Darf man ihm verbieten, Witze über seine Situation zu machen? Humor funktioniert oft durch den Bruch von Tabus. Indem man etwas völlig Unerwartetes aufscheinen lässt, löst man bei Zuhörenden Erstaunen und sogar Heiterkeit aus. Humor hat eine befreiende Funktion: Indem man über die eigene Lage witzelt, stellt man sich selber darüber. So gewinnt man die nötige Kraft, mit den Widrigkeiten des Lebens besser zurechtzukommen.
Nicht ohne Grund zirkulieren die besten politischen Witze in diktatorischen Regimes. Werner Finck traf voll ins Schwarze - oder besser Braune - mit seinem Vergleich der Nazi-Diktatur mit einer Straßenbahn: "Vorne steht der Führer; und wer nicht hinter ihm steht, muss sitzen!" Sicherlich konnten die Nazis darüber gar nicht lachen. Und sicherlich ist es heutzutage auch äußerst problematisch, über Hitler Witze zu machen. Denn es gibt auch beim Humor Grenzen des guten Geschmacks. "Witze" über Gaskammern verbieten sich von selbst. Wer andere Menschen herabwürdigt und in ihrer persönlichen Integrität angreift, der beweist damit nicht Humor, sondern die eigene Unmenschlichkeit.

Darf man dann aber als Nichtbehinderter Witze über Menschen mit Behinderung machen? Würdigt man sie damit nicht vielleicht herab oder kränkt sie?

Vielleicht mag mancher Mensch nicht gut damit umgehen können, wenn über seine Behinderung Späße gemacht werden. Das gilt umso mehr, je weniger er die eigene Situation verwunden hat. Fingerspitzengefühl ist also notwendig. Wo hört der Spaß auf? Wo fängt die Beleidigung an? Die Grenzen des guten Geschmacks wird wahrscheinlich jeder anders definieren. Grundsätzlich hängt das von der Situation ab, in der entweder Heiterkeit vereint oder aber polemische Schärfe trennend wirkt.
Ein völliger Verzicht auf Behindertenwitze oder gar ein Verbot wären gewiss eine humorlose Diskriminierung. Wenn man über andere Witze erzählt, dann muss das auch über Menschen mti Behinderung möglich sein!
Beim Besuch einer Journalistengruppe beim Deutschen Presserat in Bonn stellte Geschäftsführer Lutz Tillmanns eine Karikatur vor, über die sich ein Zeitungsleser beschwert hatte. Sie zeigte drei Bettler, die nebeneinander am Wegesrand saßen. Der erste hatte nur ein Bein. Der zweite war blind. Im Hut des ersten lagen einige kleine Münzen. Der Hut des Zweiten war sichtbar voller. Der dritte Bettler war blind, hatte nur einen Arm und ein Bein. Sein Hut quoll über vor Münzen und Scheinen. Unter dem Bild stand: "So hart ist inzwischen der Konkurrenzkampf unter Behinderten."
War diese Karikatur nun eine Diskriminierung von Behinderten? Der Presserat hat diese Frage zu Recht mit "Nein" beantwortet. Vielmehr hat diese Karikatur sogar auf eindringliche Weise auf die Unmenschlichkeit der Lebensbedingungen aufmerksam gemacht.

Dass Lachen gesund ist, ist inzwischen auch medizinisch-physiologisch nachgewiesen. Gönnen wir uns also genügend gesunden Humor!

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