Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Hemdless – Mode für alle

Schick statt praktisch, Schnitt statt Gummizug: Zwei junge Münchener Designer entwerfen ansehnliche Blusen und Hemden für Menschen mit Down-Syndrom. Aber nicht nur für sie ...

Models mit Hemdless-Kollektion: „Inklusives Hemd“ für alle Fotograf: Phil Pham, Visagistin: Janine Loring

Auffällige Farben. Kurze Ärmel. Und bitte keine sichtbaren Knöpfe! Als mutig und ziemlich entschieden erwiesen sich die fünf jungen Leute im Betreuungszentrum Steinhöring, als sie vor einiger Zeit Besuch von zwei Münchner Designern bekamen. Die hatten einen Stapel Stoffproben und Mode-Zeichnungen dabei – und ein klares Ziel: den Frauen und Männern mit Down-Syndrom ein paar Hemden und Blusen auf den Leib zu schneidern, die sitzen.

Endlich einmal! Denn Kleider von der Stange passen oft nicht zum Körperbau von Menschen mit Down-Syndrom. Und bei spezieller Kleidung für Menschen mit Behinderung gilt meist die Losung: Hauptsache praktisch. Lisa Polk und Christian Schinnerl, die beiden Designer, wollten diese Lücke im Mode-Angebot schließen. Im Gespräch mit den Menschen und mit Mitarbeitern in Steinhöring ergründeten sie besondere Bedürfnisse und individuelle Wünsche. Das spiegelt sich in den Details der fünf Blusen und Hemden wieder: So sind beispielsweise die Knöpfe größer und die Knopflöcher schräg genäht, damit das Auf- und Zuknöpfen leichter fällt. Und weil viele Männer weite Hosen mit Hosenträgern tragen, haben Polk und Schinnerl Schlaufen an die Stelle von Brusttaschen gesetzt. Absolut funktional, aber ohne nur so auszusehen ...

Unterschiede in der Mode für Menschen mit und ohne Behinderung aufgehoben

Hemdless“ – zu Deutsch: „ohne Hemd“ – nannten die Designer diese erste kleine Kollektion, in Anspielung auf fehlende modische Kleidung für Menschen mit Down-Syndrom. „Die fünf Hemden waren Maßanfertigungen, um deutlich zu machen, dass Menschen mit Down-Syndrom einen anderen Körperbau haben“, sagen Polk und Schinnerl.

Nun sind sie noch einen Schritt weiter gegangen: Sie haben eine Bluse und ein Hemd entworfen, das allen passen soll. Ein „inklusives Hemd“, sozusagen: der Kragen weit geschnitten, insgesamt locker, hinten etwas länger als vorne. „So heben wir die Unterschiede in der Mode für Menschen mit und ohne Behinderung auf“, sagen die Designer.

Aber das inklusive Design hat auch einen pragmatischen Grund: Nur wenn sich Bluse und Hemd in Serie fertigen lässt, kann man sie zu einem erschwinglichen Preis anbieten. Wenn die Gespräche, die Polk und Schinnerl derzeit mit Investoren führen, gut laufen, könnte aus den Prototypen bald ein Lieblingsstück im Kleiderschrank werden ...


Linktipps:
Mehr Infos und Fotos von der Hemdless-Kollektion
Nach Maß: „Menschen. Das Magazin“ über Projekte, die Mode (nicht nur) für Menschen mit Behinderung optimieren wollen
Rollstuhlgerechte Mode – eine Entdeckungsreise. Ein Blogbeitrag von Marie Gronwald über zeitgemäße und vor allem erschwingliche Mode für Menschen im Rollstuhl
Inklusion und Mode: Mehr Mut bitte. Ein Blogbeitrag von Anastasia Umrik über die Berliner Fashion Week und Inklusion in der Modewelt

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?