Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Gelebte Inklusion rund um den Fußball

Viele Menschen mit Behinderung begeistern sich für den Fußballsport. Sie möchten Fußball hautnah erleben und dabei sein, wenn im Stadion die Tore fallen. Sichtbare und unsichtbare Barrieren machen das oft unmöglich. Die Paderborner Fangemeinschaft "Hand in Hand" räumt Barrieren aus dem Weg: Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung teilen gemeinsam mit anderen ihren Spaß am Fußball des SC Paderborn 07.

Als ich Anfang der 1990er Jahre die Heimspiele des 1. FC Köln besuchte, sind mir Menschen mit Behinderung vor allem als Stadion-Exoten aufgefallen: Rollstuhlfahrer mit Decken über den Beinen saßen aneinandergereiht am Spielfeldrand, gleich neben Geißbock Hennes, dem Vereinsmaskottchen. In Paderborn im Jahr 2011 ist das anders. Im Heimspiel und Lokalderby gegen Eintracht Braunschweig habe ich gemeinsam mit den Fans der Integrativen Fangemeinschaft "Hand in Hand" den 1:0 Sieg über die Zeit gerettet. Zwar können auch hier die Rollstuhlfahrer nicht auf die Tribünen - obwohl das Stadion erst drei Jahre alt ist, haben die Planer offensichtlich nicht daran gedacht, dass man mit einem Rollstuhl keine Treppen hochfahren kann. Aber Leute mit Behinderung sind hier trotzdem mittendrin in der Fußballwelt. Die etwa 120 Mitglieder der Fangemeinschaft "Hand in Hand" sind Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung und Menschen ohne Behinderung. "Auf etwa zwei Personen mit Behinderung kommt eine Person ohne Behinderung, die als Ehrenamtler auch betreuerische Aufgaben übernimmt", erklärt mir Uschi Schräer-Drewer. Sie ist Mitinitiatorin des Integrativen Fanclubs, der sich im Sommer 2009 gegründet hat, und bei der Caritas Paderborn zuständig für den Bereich "Ehrenamt".

Kontakte auch zu anderen Fanclubs

Ausgerüstet mit Schals in Vereinsfarben, der Zaunfahne und 88 Dauerkarten, die zum Teil mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren gekauft werden konnten, zieht die "Hand in Hand"-Gruppe alle 14 Tage ins Stadion und mischt sich in den Fanblöcken mit den Anhängern der anderen Paderborner Fanclubs. Volle Unterstützung gibt es für "Hand in Hand" von Seiten des Vereins SC Paderborn und seinem Fanbeauftragten Christian Just. Just, selbst Rollstuhlfahrer, hat sich nicht nur für vergünstigte Eintrittskarten eingesetzt und die Kontakte zu den anderen Fanclubs hergestellt, sondern löst auch ganz unbürokratisch kleinere Probleme wie das Parken direkt vor dem Eingang des Stadions.

"Eins zu Null. Schlag ein!"

Nenad, ein junger Mann, der im Stadion neben mir sitzt, hat das Down-Syndrom. Nach dem Sieg-Treffer hält er mir seine Hand hin und sagt: "Eins zu Null. Schlag ein!". Die Paderborner stehen zurzeit auf Tabellenplatz fünf der 2. Bundesliga. Ziemlich gut für den kleinen Verein und eine Stadt mit weniger als 150.000 Einwohnern. Auch der Fanclub "Hand in Hand", zahlenmäßig der größte in Paderborn, hat daran seinen Anteil.

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