Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Ganz schöner Skandal

Dem Skandal auf der Spur - das sind die Redakteure von "Ohrenkuss" für die nächste Ausgabe ihres Magazins. "Mit den Männern shakern, schmusen, das ist ein Skandal - und es ist schön!", schreibt Autorin Claudine. Ein Skandal ist auch, dass es Leute gibt, die behaupten, Menschen mit Down-Syndrom - ignoranter Weise hin und wieder von den "Normalos" als "mongoloid" oder "Mongos" betitelt - könnten nicht lesen und schreiben.

Texte, die das Herz bewegen
Totaler Unfug! Menschen mit Down-Syndrom können lesen und schreiben – und zwar poetisch, originell, witzig und gefühlvoll. Wer dass noch nicht weiß - und, schlimmer noch, nicht glaubt - der sollte sich "Ohrenkuss… da rein da raus" ansehen. Ohrenkuss ist ein Print-Magazin. Und zwar ein ganz besonderes. Fast alle Journalisten und Redakteure haben das Down-Syndrom. Besonders, so verrät die weitgehend barrierefreie Website, ist an Ohrenkuss außerdem: "Der Ohrenkuss hat Texte, die das Herz bewegen und wunderschöne Fotos."
Redaktionssitzungen finden alle 14 Tage statt. Und dann gibt es jede Menge Brainstorm (zu deutsch: Geistesblitze). Diese Geistesblitze werden dann zu Ohrenküssen verarbeitet.

Nichts wird zensiert oder korrigiert
Katja de Bragança (52), Initiatorin und Chefredakteurin von Ohrenkuss, und zugleich die "Mutter der Kompanie", lockt diese Geistesblitze aus ihren Autoren und Autorinnen hervor. Fast 20 feste Redakteure aus der Bonner Region und dem Rheinland zählt die Redaktion. An die 40 weit verstreut wohnende Außenkorrespondenten komplettieren das Team. Die Redakteure schreiben, zeichnen und diktieren ihre Beiträge. Die Texte werden nicht zensiert und nicht korrigiert. Ebenso vielfältig wie die Themen, sind auch die Talente der Autoren. Manche lieben es eher poetisch und denken auf Umwegen, andere eher pragmatisch und geradlinig. Wer Unterstützung beim Schreiben braucht, dem hilft einer der drei Assistenten.

Gelebte kulturelle Inklusion
"Dank Ohrenkuss kann heute keiner mehr in Deutschland über Menschen mit Down-Syndrom schreiben, dass sie nicht lesen und schreiben können", hat Katja de Bragança in einem Interview gesagt. Stimmt! Ohrenkuss ist gelebte kulturelle Inklusion im besten Sinne: Menschen mit und ohne Down-Syndrom erarbeiten gemeinsam ein anspruchsvolles, ästhetisch überzeugendes Magazin. Menschen mit Trisomie 21 sind mit ihrem Produkt Ohrenkuss Teil der Medienlandschaft. Und zwar nicht nur als Konsumenten, sondern als Kulturschaffende.

Übrigens: Katja de Bragança, die die Zeitschrift 1998 begründete, hat 2010 das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement erhalten. Zunächst wollte sie es ablehnen, weil sie es, wie sie selbst sagt, "für selbstverständlich hält, sich dafür einzusetzen, dass jeder einen Platz in unserer Gesellschaft bekommt". Wow, tolle Frau! Solche Menschen bringen Inklusion voran.

Bleibt noch die Frage: "Was ist eigentlich ein Ohrenkuss?" Wer das wissen und sich einige Ohrenküsse gönnen möchte, der sollte auf die Ohrenkuss-Website surfen.

Ohrenkuss auf facebook: www.facebook.com/Ohrenkuss
Impressionen von der Redaktionssitzung am 29. November 2011

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