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Freiheit

Im westfälischen Ennigerloh leben elf Menschen mit Behinderung in einer Haus-WG und genießen die neue Freiheit. Früher im Wohnheim wohnten sie weit draußen, jetzt sind sie mitten im Leben.

WG-Leben in Ennigerloh: Schlüssel zur Selbstständigkeit Fotos: Aktion Mensch / Thilo Schmülgen

Jeder hat hier drei Schlüssel. Je einen für Haustür, Briefkasten und Wohnungstür. Drei Schlüssel zur Selbstständigkeit in diesem Backsteinhaus, das aussieht wie jedes zweite in Ennigerloh, der Kleinstadt östlich von Münster. Einförmigkeit, die hier ein gutes Zeichen ist. Elf Menschen mit Behinderung leben in dem Haus mitten im Ort, mit der Bushaltestelle gegenüber und dem Bäcker um die Ecke.
Die meisten der Männer und Frauen haben früher in einem großen Wohnheim außerhalb von Ennigerloh gelebt. Dass es hier viel besser ist, bestätigen alle. Mehr Ruhe, mehr Kontakt nach draußen. Und eben mehr Eigenständigkeit. Gerade so viel Unterstützung wie nötig bieten die Mitarbeiter des Caritasverbandes, der das Haus trägt. Sie erinnern an häusliche Pflichten, einer schläft nachts immer in einer Dachkammer.

Ab in den Bus

Das Wohnheim, das war draußen auf den Feldern. Hier gibt es Nachbarn. 80 Leute waren auf der Einweihungsparty im vergangenen Jahr. Berührungsängste abbauen, Unsicherheiten beseitigen, darum ging es Einrichtungsleiter Manfred Lensing-Holtkamp. Für die Bewohner war es vor allem ein Riesenspaß, all die Leute in ihrem Zuhause zu haben.
Ein Zuhause, dass überhaupt viel mehr Begegnung zulässt als das große Heim. „Es ist viel leichter, hier Besuch zu bekommen“, sagt Nicole Sieren. Und Klaus-Peter Bomba freut sich, dass er ohne Unterstützung den Linienbus nehmen und mit dem Kolpingwerk Ausflüge machen kann.

Die Sympathie der Nachbarn

Auf drei Etagen verteilen sich sechs Apartments, überwiegend Zweier-Wohnungen. Man kann die Tür hinter sich zu machen, und die anderen müssen klingeln, wenn sie rein wollen. Man kann aber auch in die Gemeinschaftsküche gehen, wenn man nicht allein sein will. Aus diesem Haus auszuziehen, kann sich keiner der Bewohner mehr vorstellen. Eigene Entscheidungen treffen zu können, auch bei der Einrichtung des Zimmers und der Farbe an den Wänden, das ist ein großes Stück Freiheit.
Der Caritasverband will möglichst vielen Menschen mit Behinderung diese Art zu leben ermöglichen – und verfolgt damit natürlich noch ein weiteres wichtiges Ziel: „Die Menschen sollen mittendrin sein. Und dann werden die Leute in der Umgebung irgendwann sagen: Boah, was haben wir tolle Nachbarn!“ Das werden sie bestimmt. Spätestens, wenn Markus Neumann, wie er fest versprochen hat, ihnen den Schnee vom Bürgersteig fegt. Falls es denn mal Schnee gibt.


Linktipps:
Die Förderbroschüre „Gemeinsam wohnen“: Das Förderprogramm Wohnen der Aktion Mensch
Das Handlungsfeld „Inklusion leben: Zuhause“ der Aktion Mensch
Manchmal fehlt eben doch die Milch. Ein Blogbeitrag von Michael Wahl über die erste inklusive Wohngemeinschaft Ludwigshafens
Man wünscht sich eine Schublade. Ein Blogbeitrag von Werner Grosch über eine Saarbrücker WG, in der Studierende und Gleichaltrige mit Behinderung zusammenleben
Neue Freiheit unterm Dach. Ein Blogbeitrag von Carmen Molitor über eine Hausgemeinschaft in Leichlingen von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf
 

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