Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Frage nach inklusiver Bildung im Mittelpunkt

Unter dem Motto "Auf einem guten Weg" fanden auch in der Hansestadt Rostock am 4. und 5. Mai verschiedene Aktionen rund um den Europäischen Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen statt.

Diskussionsforum "Bildung INKLUSIVE"

Es sorgte schon für einige Aufmerksamkeit in der Rostocker Innenstadt, als einige Geschäfte am Universitätsplatz hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit unter die Lupe genommen wurden. Interessierte Blicke konnte man auch in der Einkaufspassage "Rostocker Hof" wahrnehmen, wo die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs gezeigt wurden, die das Thema "Auf einem guten Weg" kreativ umgesetzt haben. Und im Circus Fantasia, einem Projekt des Verbandes "Behinderten Alternative Freizeit e. V.", fanden im Stadthafen Theateraufführungen von Studenten der Sonderpädagogik der Universität statt. Darüber hinaus präsentierten sich auf dem Uniplatz und im Stadthafen Verbände der Selbsthilfe und waren Ansprechpartner für jedermann.

Diskussionsforum "Bildung INKLUSIVE"

Im Mittelpunkt der Aktionen stand jedoch ein öffentliches Diskussionsforum zum Thema "Bildung INKLUSIVE – Ein Menschenrecht und 1000 Meinungen". Dabei ging es unter anderem um folgende Fragen: Wie sieht es in den Schulen tatsächlich aus? Was muss geschehen, damit Kinder mit Behinderungen am gemeinsamen Unterricht teilnehmen können? Welche baulichen Barrieren gilt es zu beseitigen? Welche personellen Veränderungen muss es geben? Und was muss sich in den Köpfen tun?

Dazu hatten sich im Podium Politiker, Bildungsverantwortliche und Betroffene versammelt, die versuchten, erste Antworten auf die gestellten Fragen zu geben und Visionen zu entwickeln, wie inklusive Bildung tatsächlich gelingen kann - leider ohne die Anwesenheit von Entscheidungsträgern wie dem eingeladene Bildungsminister aus Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb.
Die Meinungen darüber, wo wir heute konkret stehen, gingen dann auch ziemlich weit auseinander. So berichtete Dr. Horst Geyer, Leiter der Volkshochschule Rostock, darüber, dass an seiner Schule der Integrationsgedanke schon sehr gut umgesetzt werde. Bei dem Versuch, Menschen mit schweren Behinderungen einen Schulabschluss zu ermöglichen, würden die Lehrkräfte - schrittweise, aber alle gemeinsam - an das Thema Inklusion herangeführt, um so die bestmöglichen Bedingen für diese Schüler zu schaffen.

Inklusion als Vision

Dr. Karin Hübener, 2. Vorsitzende des Elternverbandes hörgeschädigter Kinder des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V., hingegen betonte, dass Inklusion nur eine Vision sein könne, die unser aller Handeln bestimmen sollte. Es dürfe zum Beispiel nicht sein, dass gehörlose Lehrer und Erzieher ausgegrenzt würden, zumal es in den Augen der Eltern sehr wichtig erscheine, dass gehörlose Schüler Identifikationsfiguren hätten. "Schule muss sich an die Schüler anpassen, nicht umgekehrt", so Dr. Hübener.
Und Susanne Feldkamp-Glende, Geschäftsführerin des Vereins Barrierefreies Rostock e. V. und damit Mitglied einer der 32 Verbände, Vereine und Institutionen, die sich an diesem Aktionstag vorstellten, ergänzte die Liste der Probleme, indem sie aufzeigte, wie unzureichend noch die Hilfe von Schulbegleitern in Anspruch genommen werde. Schulbegleitung sei grundsätzlich für alle Kinder möglich, die den Schulbesuch nicht selbstständig bewältigen können. Das Mittel der Schulbegleitung sei ihrer Meinung nach ein wichtiges Instrument, um Inklusion von Schülern mit Behinderung im allgemeinen Unterricht voranzutreiben.

Auf die große Bedeutung der Bewusstseinsbildung (Art. 8 der UN-Behindertenrechtskonvention) bei der Umsetzung des Inklusionsgedanken verwies Irene Müller, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter
Mecklenburg-Vorpommern e.V.
(LAG SB) und Mitglied des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V. In dieser Hinsicht gebe es noch viel zu tun, so die Moderatorin der Veranstaltung, die unterstrich, dass inklusive Bildung weit über Schule hinausgehe.

Studieren in Rostock bleibt eine Herausforderung

Das weiß zum Beispiel Deike Ludwig, die ebenfalls unter den Teilnehmern der Veranstaltung war, sehr gut aus eigener Erfahrung. Die Rollstuhlfahrerin studiert Sonderpädagogik im letzten Semester. Für sie ist und bleibt ein Studium in der Hansestadt weiterhin eine Herausforderung. Viele bauliche Barrieren haben ihr harte Semester beschwert, de sie ohne persönliche Assistenz nicht hätte durchstehen können. Am meisten hat sie sich dabei über die Ignoranz von Seiten der Verantwortlichen geärgert, die der Meinung waren, schon alles Nötige zu tun. Weil sie das anders sieht, engagiert sie sich unter anderem als Mitglied der Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender (StuBecK), um Studierende in ähnlichen Situationen zu beraten und zu unterstützen.

Es bleibt also noch viel zu tun auf dem Weg zu einer inklusiven Bildung. Und deshalb bleibt der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen topaktuell - auch wenn er in diesem Jahr schon zum 20. Mal begangen wurde.

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