Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Fette Beute im LEA-Leseklub

"Lesen Einmal Anders" – der Name des Kölner Leseklubs LEA ist Programm. Jeden Dienstag treffen sich hier Menschen mit und ohne Behinderung, um zusammen Literatur zu erleben.

Literatur erleben im LEA-Leseklub Foto: Jens Wagner-Brause

Dienstagabend im Eiscafé Atrium direkt neben der Kölner Stadtbibliothek: An einem reservierten Tisch in der Ecke des Cafés sitzen Menschen mit und ohne Behinderung und – verspeisen riesige Eisbecher? Nein! Vor ihnen stehen keine Bananensplits oder Spaghettieis-Becher. Dort liegen Bücher. Auf "Des Wahnsinns fette Beute" richten sich die Augen der Leseratten des Kölner Leseklubs LEA. Ein Buch, das den Macken und Marotten deutscher Prominenter, von Katrin Bauerfeind über Howard Carpendale bis Senta Berger, auf der Spur ist. 30 Interviews versammelt es, geführt und aufgeschrieben von Hella von Sinnen und ihrer Partnerin Cornelia Scheel.

Gemeinsam lesen

Vier bis sechs Lesefreunde mit Behinderung und ein oder zwei Moderatoren nehmen normalerweise an der Runde teil. Aber heute hat es geschneit in Köln, die Straßen und Gehwege sind rutschig, Busse und Bahnen fahren nur eingeschränkt. Außer den beiden Moderatoren Eike Wittenbruch und Jan Widuch hat es nur Corinna ins Eiscafé geschafft. Corinna, Eike, Jan und die anderen treffen sich einmal pro Woche im Atrium, immer dienstags nach der Arbeit, für eine Stunde. Sie lesen gemeinsam, laut, abwechselnd jeder eine Passage und sprechen anschließend über das Gelesene.

Mitmachen kann jeder

"Mitmachen kann jeder", heißt es auf der Internetseite des Vereins Kubus e.V., der die LEA-Leseklubs betreut. "Man muss nicht lesen können – nur Lust auf Bücher, Bilder und Geschichten haben." LEA steht für "Lesen Einmal Anders". Ziel von Kubus e.V. ist es, Menschen mit und ohne Behinderung durch gemeinsames kulturelles Erleben zusammenzubringen. In einer entspannten Atmosphäre miteinander lesen, erzählen und neue Freundschaften schließen, dass macht die LEA-Leseklubs aus.
Die Idee zu den Klubs stammt aus den USA. Dort heißen sie "Next Chapter Book Clubs". Derzeit gibt es in den USA über 200 solcher Lesezirkel. In Deutschland klappten die ersten Leseklubs 2007 in Köln und Bonn die Bücher auf. Inzwischen gibt es 26 LEA-Klubs in der Republik, und weitere elf stehen in den Startlöchern.

Am liebsten Tierbücher

Heute haben sich die LEA-Leser im Kölner Café Atrium das Interview mit Dirk Bach vorgenommen, dem kürzlich verstorbenen Schauspieler und Komiker. Corinna liest gerne, "am liebsten Tierbücher im Bett", erzählt sie. Freiwillig übernimmt sie die langen Passagen des wortgewandten Bach und lacht immer wieder laut auf, während sie vorliest. Hin und wieder stockt ihr Lesefluss, über das eine oder andere Wort stolpert sie. In der Lesepause, in der der Text noch einmal "beleuchtet" und Fragen geklärt werden, weiß sie aber genau, was Bach gesagt hat. Bei manchen schweren Wörtern helfen die Moderatoren und übersetzen unbekannte Fremdwörter. "'Recherche', das ist so etwas wie Suche, und 'Designer', das sind Leute, die sich Klamotten ausdenken", erklärt Moderator Jan. Und dann entwickelt sich auch schon mal eine Diskussion, beispielsweise über Dirk Bachs Vorliebe für Plüschtiere und seinen "Toi-toi-toi-Fetischismus".

Krabat und Krimi

Die Auswahl der Bücher, die gelesen werden, treffen die Leseklub-Mitglieder demokratisch. Im letzten Jahr haben sie Otfried Preußlers "Krabat" gewählt und gelesen. Mit "Des Wahnsinns fette Beute" lief es etwas anders. Das Buch war sozusagen eine Jagdtrophäe. Lesefreund Helmut, der sich normalerweise kein Treffen entgehen lässt, hatte an einer Lesung mit Hella von Sinnen und Dirk Bach teilgenommen und anschließend zehn Exemplare für den LEA-Klub ergattert. "Als nächstes Buch nehmen wir uns vielleicht einen Krimi vor", meint Eike Wittenbruch, die seit Anfang 2011 ehrenamtlich moderiert. "Und wer Lust hat, mit uns gemeinsam zu lesen, ist herzlich eingeladen – ganz egal, ob mit oder ohne Behinderung."

Neue LEA-Leseklubs gründen

Seit Januar 2011 wird das mehrfach ausgezeichnete Projekt LEA-Leseklub durch die Aktion Mensch gefördert. Ziel des dreijährigen Projektes ist die Verbreitung der LEA-Leseklub-Idee in Deutschland. Die Mitarbeiter des Koordinierungsbüros unterstützen bei der Gründung neuer Leseklubs, fördern den Austausch der Klubs untereinander und schulen Koordinatoren und ehrenamtliche Mitleser.
Wer Interesse an einer Gründung hat, kann sich im LEA-Leseklub-Büro melden. Die LEA-Klubs freuen sich auch über Buchgutscheine, Buch- oder Geldspenden.


Linktipps:
Der Verein Kubus e.V.
Das Projekt LEA-Leseklub
Die LEA-Leseklubs in Deutschland
Freude am Lesen vermitteln. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Lesekreise und -klubs für Leichte Sprache
Bücherei für Leichte Sprache. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über eine Bibliothek, die sich auf Leichte Sprache spezialisiert hat
Mehr Leichte Sprache! Ein Blogbeitrag von Stefanie Wulff über die Ausbildung von Prüfern für Texte in Leichter Sprache – mit einer Übersetzung in Leichter Sprache

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