Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Falsche Freunde

Fünf Jahre nach Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat der UNESCO-Gipfel „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“ in Bonn jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Grafik: Aktion Mensch
Schulische Inklusion in Deutschland: Ernüchternde Ergebnisse

Kinder, wie die Zeit vergeht! Morgen ist es fünf Jahre her, dass die UN-Behindertenrechtskonvention für Deutschland in Kraft getreten ist. Fünf Jahre Recht auf inklusive Bildung. Fünf Jahre kleine Fortschritte – und auch großer Frust. Anlass für die Deutsche UNESCO-Kommission, in der vergangenen Woche auf einem „Bildungsgipfel“ eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Von 17 Bundesländern haben erst vier auch nur angefangen, ihre Schulgesetze anzupassen. In anderen Ländern wie Sachsen und Baden-Württemberg gibt es sogar noch einen Sonderschulzwang. Nach fünf Jahren Zeit sei dieses Maß der Nicht-Erfüllung völkerrechtswidrig, heißt es zum Auftakt der Konferenz.

Völkerrechtswidriges Maß der Nicht-Erfüllung

Liebe Deutsche UNESCO-Kommisson, das war eine markige Eröffnung! So kennen und lieben wir Dich: Immer unbestechlich auf der Seite der Inklusion. Nur – warum ist dann die Abschlusserklärung des Bildungsgipfels so brav, so zahm, so appellativ geraten? Deutschland habe sich „auf den Weg gemacht“. (Ich würde sagen, die Schuhe sind noch nicht zu ...) Der Bund soll doch bitteschön seine Gesetze anpassen. (Welche er mag? Oder reden wir vielleicht mal konkret über die Sozialgesetzbücher?) Die Länder lägen in ihren Rahmenbedingungen weit auseinander (so nennt man das, wenn die Meisten noch gar nicht angefangen haben) und sollen „zügig“ (also heute ... oder morgen oder in der nächsten Legislatur ...?) an ihren Schulgesetzen arbeiten und die inklusiven Strukturen „weiter“ ausbauen (wie weit?) ...

Wer Inklusion will, fängt damit in seinem Bereich an

Nun darf man sich über derartige Konferenzen keine Illusionen machen. Die „Abschlusserklärungen“ stehen in der Regel vor Beginn schon fest und sind nicht minder umkämpft als EU-Verträge. Wenn tatsächlich noch etwas geändert wird, dann hat meistens jemand Mächtiges Druck ausgeübt. Die inklusive Bildung hat inzwischen in Deutschland sehr viele Freunde. Ach, was sage ich, sie hat eigentlich nur noch Freunde. Aber eben viele, viele falsche Freunde. Wir sind alle für die inklusive Bildung, aber nicht zu diesen Bedingungen, nicht für jeden, nicht ohne Förderschulen, ohne mehr Vorbereitungszeit, ohne ganz anders ausgebildete Lehrer, ohne dass sich zuerst der Bund, das Land, die Kommune, meine Kollegen bewegen.

Es gibt eine ganz einfache Methode, die richtigen von den falschen Freunden zu unterscheiden: Wer Inklusion will, fängt damit in seinem Bereich an. Und er setzt sich feste Ziele, wann es in welchen Schritten voran geht. Das sieht auch Dr. Mmantsetsa Marope von der UNESCO-Zentrale in Paris so: „Setzt Euch eine Frist!“, verlangte sie auf dem Bildungsgipfel, „Ihr Deutschen seid weltweit für Eure Effizienz bekannt. Könntet Ihr bitte auch beim Aufbau inklusiver Bildung effizient sein?“


Linktipps:
Die „Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung in Deutschland“ zum UNESCO-Gipfel „Inklusion – Die Zukunft der Bildung“
Mehr Infos und Zahlen zur Inklusion an Schulen in Deutschland
Das Handlungsfeld „In der Schule“ der Aktion Mensch
„Schule für alle gestalten“: Das Praxisheft der Aktion Mensch für Lehrerinnen und Lehrer (PDF-Dokument)
Signale zur schulischen Inklusion auf Grün? Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über die Ergebnisse des 3. Inklusionskongresses in Rostock
Die Sonderpädagogik in Zeiten der Inklusion. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über Chancen und Herausforderungen für Sonderpädagogen in der schulischen Inklusion
Inklusion – ein Lehrstück. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen mit persönlichen Erfahrungen und Überlegungen zur schulischen Inklusion

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