Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Everybody Skate Now!

Ein Skateworkshop in Hamburg ist nichts ungewöhnliches, schließlich ist die Hansestadt bekannt für ihre Skateszene. Was da aber am Sonntag, dem 11. Mai 2014, auf dem Inselpark in Hamburg-Wilhelmsburg los war, das malte manch einem Zuschauer doch einen erstaunten Blick ins Gesicht. An diesem Sonntag dominierten nicht die Skateboarder und BMXer, sondern die WCMXer. Das ChairSkaten, also das Skaten mit dem Rollstuhl, erfreut sich wachsender Beliebtheit und ist mit den Bezeichnungen WCMX (WheelchairMX, angelehnt an BMX) und Chairskating in den Skateparks zuhause.Sonst war alles eigentlich typisch für Hamburg. Das Wetter war grau, nass und windig, sodass wir kurzzeitig überlegt haben, was wir machen, wenn es durchregnet. Einen Schwimm Workshop? Umziehen unter eine Brücke und damit den tollen Skatepark liegen lassen? Nein, wir wollten einen Chairskating Workshop machen und zwar im Skatepark und auf dem Gelände der internationalen Gartenschau!

Deutscher Rollstuhl-Sportverband/Wittmershaus

Das Motto lautete Everybody Skate Now und so sollte es dann auch sein, denn in der ersten Regenpause trocknete der Beton schnell ab und wir konnten mit unseren Rollstühlen starten. Trotz des schlechtem Wetters sind viele Teilnehmer gekommen. Echte Hanseaten halt, die kann so ein Wetterchen nicht aufhalten. Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer durch Malte Wittmershaus vom DRS und mir schickten wir die ersten Neugierigen in den Workshop. Erfahrenere Rolliskater waren zu dem Zeitpunkt sowieso nicht mehr aufzuhalten und surften den Betonpark schon auf und ab. Mit den Anfängern suchte ich zuerst die leichteren und kleineren Schrägen auf um einen Einstieg in den Skatesport zu finden. Hier mussten die ersten schon ihren Mut zusammen nehmen und etwas Motivation tanken. Schnell gab es erste Erfolgserlebnisse und die Hemmschwelle sank bei allen Teilnehmern. Ich zeigte den Teilnehmern zuerst Drehungen an einer Schräge im Skatepark und ließ sie das nach und nach selbst ausprobieren. Nachdem die Grundkenntnisse vermittelt waren, gingen wir etwas höher. Nun sollten sie mit voller Geschwindigkeit so eine Schräge runter rasen. Nach mehreren Runden waren alle schon ziemlich rasant. Einige waren etwas zu stürmisch und fanden sich auf dem Boden wieder, aber kletterten wieder in den Rolli und probierten es wieder.

Es war toll, wie schnell sich alle über den Skatepark verteilt haben und neben dem Skatepark wurde ordentlich was geboten. So hat der Veranstalter UTE e.V. eine kleine Grillparty organisiert, es gab Kuchen von den Muttis und natürlich trockene Plätze zum Unterstellen. Die sollten wieder gebraucht werden, denn während unser spanischer Gast Toni Quiñonero Martín noch die lange Treppe neben dem Skatepark runter fuhr, fing es wieder an zu regnen. Wir machten eine kleine Pause und nutzten diese um die ein oder andere Wurst zu futtern. Glücklicherweise regnete es sich schnell aus und wir konnten zur zweiten Runde einläuten. Diese sollte in der Bowl beginnen, das ist wie eine große Betonschüssel, mit vielen Schrägkurven. Da wir nicht wussten wie lange die Regenpause hält, habe ich gleich alle zusammen getrommelt und wir haben hintereinander weg die große Steilkurve "gecarvet", einer höher als der andere. Während wir nun in der Bowl unsere Runden drehten, kam sogar die Sonne ab und an raus und andere Skater und Biker mit dazu. Schnell wurde jedem klar: hier skatet man zusammen und das Motto des Tages war erfüllt. Rollstühle, Skateboards und BMXer verteilten sich auf dem ganzen Skatepark.

Toni Quiñonero Martín zeigte, was er in den Bowls von Barcelona gelernt hat und Toni Hömbler, dass man mit dem Rollstuhl auf einem Longboard balancieren kann. Das probierten viele Teilnehmer aus und auch für mich war es Neuland. Diese Bewegungserfahrung macht riesigen Spaß und mit ein bisschen Übung kann man schon einen kleinen Slalom fahren. Wenn das nicht das Gleichgewicht trainiert, was dann? Denn man steht mit den Hinterrädern angekippt auf einem Skateboard und fährt quasi seitlich zur gewohnten Fahrttichtung seines Rollstuhls. Nach diesem kurzen Ausflug auf den Asphalthügel, stürzte ich mich wieder zu den anderen in die Betonbowl und zeigte, was ich noch so auf dem Kasten hab. Ob Drops in das Deep End oder verschiedene Lines in der Bowl, ich konnte nun den Wetterwechsel noch einmal richtig auskosten.

Nach unsicherem Start in den Tag, wo keiner wusste wie uns das Wetter mitspielen würde, können wir nun auf einen tollen Sonntag im Skatepark zurück blicken. Viele glückliche Rollikids, erstaunte und stolze Eltern und jede Menge Muskelkater bei den Skatern waren die positive Folge, aber auch der Aspekt mehr Sicherheit im Alltag durch Beherrschen des Rollstuhls, bessere Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und viele neue Bewegungserfahrungen werden die Teilnehmer aus Hamburg mitnehmen.

Vielen Dank an alle Unterstützer und Sponsoren, dass ihr diesen Workshop möglich gemacht habt. Wir sehen uns bald wieder, in irgend einem Skatepark dieser Welt, zusammen mit allen, die Spaß am Rollen haben!

David Lebuser in der Jubiläumskampagne der Aktion Mensch
Ankündigung des Workshops beim Deutschen Rollstuhl-Sportverband
David Lebuser bei Facebook
Toni Quiñonero Martín bei Facebook

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?