Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Es war gut, weil es einfach wieder Sport war

Die Leichtathletin Jana Schmidt arbeitet hochmotiviert an ihrem Ziel, 2016 bei den Paralympics in Rio dabei zu sein. Ihre Chancen stehen gut. Doch es gab auch andere Zeiten in ihrem Leben.

Weltmeisterin Schmidt: „Eine echte Sensation“ © Jana Schmidt

Die gebürtige Mecklenburgerin, die in Klocksin bei Waren zu Hause ist, kam erst sehr spät zum Leistungssport. Sie war zunächst nur im Breitensport aktiv, bis sie 2003 bei einem Sportunfall eine bleibende Knieverletzung erlitt. Doch letztendlich war es der Sport, der ihr über diese schwere Zeit hinweghalf, sie aus diesem Loch, in das sie sich verkrochen hatte, herausholte.

Ines Müller, ehemalige deutsche Leichtathletin und Olympiateilnehmerin, die in den 1980er Jahren zu den weltbesten Kugelstoßerinnen gehörte und heute Landestrainerin für Leichtathletik im Verband für Behinderten- und Rehabilitationssport Mecklenburg-Vorpommern ist, entdeckte 2006 Jana Schmidt und begeisterte sie erneut für den Sport. Das war schon eine Umstellung, erinnert sich Jana Schmidt. Behindertensport – das bedeutete, sich ganz offensiv mit seinem Körper auseinanderzusetzen, ihn anzunehmen, so wie er ist, sich zu zeigen. Seit dieser Zeit widmet sich die 41-Jährige trotz ihres steifen Knies intensiv der Leichtathletik. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt sie heute lachend und erzählt, wie sehr sie damals wieder eine körperliche Betätigung brauchte. „Es war gut, weil es einfach wieder Sport war.“

Entwicklung zur Top-Athletin

Die Entscheidung hat sie nie bereut. Unter den Fittichen von Ines Müller entwickelte sie sich zu einer echten Top-Athletin im Kugelstoßen, Speerwerfen und 100-Meter-Sprint. Dass die Kombination Schmidt/Müller dabei eine sehr erfolgreiche war, zeigte sich bereits bei den Paralympics 2008 in Peking, wo Jana Schmidt Fünfte im Kugelstoßen und Sechste im Speerwerfen wurde. Bei den Paralympics 2012 in London holte sie Bronze über die 100 Meter der oberschenkelamputierten und gleichgestellten Frauen.

Seit 2011 trainiert sie nun beim 1. LAV Rostock unter Lutz Kramer (Berlin). Hier bekommt sie von Seiten der Verantwortlichen des Vereins große Unterstützung, und sie findet insbesondere in der modernen Laufhalle optimale Trainingsbedingungen, die sie regelmäßig nutzt. Darüber hinaus trainiert sie weiterhin in ihrem Sportverein LAV Waren/Müritz bei ihrem Trainer Dirk Santowski, mit dem sie sich zusammen auch ehrenamtlich um den sportlichen Nachwuchs kümmert.

Die Paralympischen Spiele in Rio sind das Ziel

Eine Überraschung gelang Jana Schmidt im vergangenen Jahr im Rahmen der 6. IPC Leichtathletik Weltmeisterschaften in Lyon. Mit einer Weite von 9,15 Metern wurde sie Weltmeisterin im Kugelstoßen und schlug damit die Chinesin Yao Juan erstmals, was ihr bis dahin noch nie gelungen war. „Das war schon eine echte Sensation“, gesteht die Athletin. Zusätzlich zu Gold konnte sie eine Silbermedaille im Weitsprung – mit persönlicher Bestleistung von 3,87 Meter – sowie eine über 100-Meter-Laufstrecke mit nach Hause nehmen.

Für diesen Erfolg trainiert sie hart – jeden Tag viele Stunden. Die Mecklenburgerin, die 2011 Sportlerin des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern wurde, muss das auch tun, um fit zu bleiben. Wenn alles gut läuft, will Jana Schmidt 2016 in Rio dabei sein: „Wenn ich die nächsten drei Jahre gesundheitlich gut überstehe und die Normen für mich machbar sein werden, werden die Paralympics 2016 natürlich noch einmal das Ziel für mich sein.“ Umso erfreulicher findet sie es in diesem Zusammenhang auch, dass die Stiftung Deutsche Sporthilfe entschieden hat, dass in diesem Jahr in Sotschi die Medaillengewinner mit Behinderung erstmals in der Geschichte der Paralympics die gleichen Prämien erhalten wie ihre nichtbehinderten Kollegen. Als Ines Müller 2012 zu Thema der Gleichstellung von Sportlern mit und ohne Behinderung befragt wurde, sagte sie bereits damals: „Der Aufwand von Jana Schmidt ist vergleichbar mit dem eines nichtbehinderten Sportlers. So gut, wie der mit seinem rechten Bein arbeitet, so weit wird er die Kugel stoßen. Wenn du aber dein rechtes Bein nicht beugen kannst, dann musst du es irgendwie ausgleichen. Das kostet Kraft und Trainingsfleiß.“


Linktipps:
Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport
„Mein Weg nach Olympia“. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über Nico von Glasows Film, der Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu den Paralympics begleitet
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?