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„Es gehört sich einfach, dass Inklusion normal ist!“

Beim Kölner Kinderkultursommer spielen, tanzen, malen und basteln Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam.

Malen inklusiv: „Dann wächst das nach oben“ Fotos: Werner Grosch

Nina lacht. Ein bisschen stolz, so scheint es, schaut sie sich um und freut sich über das Lächeln der Betreuerinnen. Sie hat ein Bild gemalt mit prachtvollen Farben, eines, das in einer Galerie hängen könnte, und wirklich niemand würde sich wundern.
Nina hat eine geistige Behinderung. Emma und Annika, die mit ihr in dem bunten Zelt riesige Bilder machen, haben keine. Sie benutzen Pinsel, während Nina einen Becher an einer Schnur hält und die Farben aufs Papier tropfen lässt. Das ist der ganze Unterschied. Alle drei machen mit beim Kölner Kinderkultursommer, der seit 2008 inklusiv ist. Die Lebenshilfe Köln stellt die Einzelbetreuer, die die Teilnahme von 20 Kindern mit Behinderung möglich machen. Zwei Wochen lang können sie hier auf der Wiese eines ehemaligen Freibades aus rund 90 Workshops ihr Lieblingsferienprogramm aussuchen.

Alle mussten sich an die inklusive Idee gewöhnen

Es war ein langsamer, aber stetiger Prozess in diesen sechs Jahren. „Man kann nicht einfach sagen, so, das ist jetzt inklusiv, und fertig“, sagt Simone Kirsch, die für die Lebenshilfe die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern koordiniert. Deshalb wurden die Dozenten geschult im Umgang mit den Kindern, die einen besonderen Betreuungsbedarf haben, unter anderem von einer Referentin, die selbst im Rollstuhl sitzt und eine Zirkusfreizeit leitet. Die Aktion Mensch hat diese Schulungen und den Fahrdienst zu den Veranstaltungen mit bisher rund 7.500 Euro finanziert.
In den sechs Jahren mussten sich alle an die inklusive Idee gewöhnen: Veranstalter, Dozenten, Eltern. Die Kinder waren am schnellsten. „Es gibt hier ein Mädchen, das oft schreit. Aber die anderen Kinder lassen sich davon nicht irritieren oder stören. Sie befragen eher besorgt nach, was die denn hat“, erzählt Simone Kirsch. So macht das auch Britta, die für ein Musical probt. Sie geht auf ein Mädchen zu, das im Zuschauerraum sitzt, öffnet die Arme, lächelt und zeigt Richtung Bühne. Die Angesprochene reagiert manchmal, aber oft auch nicht. Jetzt gerade hat sie wohl keine Lust. Dass sie das nicht sagen kann, spielt keine Rolle. Dann eben später. „Okay“, ruft Britta und tanzt davon.

Selbstverständlichkeit zwischen den Kindern

Es gibt auch welche, die an keinem Programm aktiv teilnehmen können. Einen Jungen mit starkem Autismus zum Beispiel, der anfangs, so erzählen die Betreuer, sehr unsicher und zurückgezogen war. Inzwischen spaziert er immer wieder über die Wiese und scheint sich wohlzufühlen. „Für ihn ist das eine große Leistung, dass er überhaupt den ganzen Tag hier sein kann“, sagt Simone Kirsch.
Die Selbstverständlichkeit, mit der die gesunden Kinder diejenigen mit Behinderung behandeln, beobachtet Christoph Horstkotte mit großer Freude. Er ist Geschäftsführer des Kölner Spielecircus, der den Kinderkultursommer mitveranstaltet, und wird energisch, wenn man ihn auf das Thema Inklusion anspricht: „Es gehört sich einfach, dass das normal ist! Wenn es bei den Kindern gelingt, Inklusion normal zu machen, dann wächst das nach oben!“
Diese Kinder wundern sich dann später nicht mehr so wie die heute Erwachsenen, was Menschen mit Behinderung alles leisten können. Simone Kirsch lacht und sagt: „Viele Dozenten kommen zum ersten Mal und können sich nicht vorstellen, dass ein Kind im Rollstuhl Luftakrobatik machen kann. Aber das geht!“


Linktipps:
Der Kölner Kinderkultursommer
"Unsere Geschichten" – getanzt, gesungen, gespielt. Ein Blogbeitrag von Brigitte Muschiol über ein Theaterstück von Kindern und Jugendlichen aus Migrationsfamilien
Momo im Hinterhof. Ein Blogbeitrag von Gundel Köbke über ein integratives Tanztheater für Kinder
Masken und Monster. Ein Blogbeitrag von Werner Grosch über ein inklusives Schülerprojekt mit dem Thema Andersartigkeit
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