Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Erster gehörloser Parlamentarier in Deutschland: "Inklusion statt Integration"

Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos. Trotz dieser großen Zahl wurde erst im Jahr 2011 ein gehörloser Politiker in ein Deutsches Parlament gewählt. Martin Zierold (26) ist Abgeordneter der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte.

"Eine meiner Visionen wäre es, dass die Gebärdensprache neben Deutsch zur Amtssprache wird", sagte Zierold gegenüber der taz. Und der Grünen-Politiker fordert, dass gehörlose Kinder in der Gebärdensprache unterrichtet werden: "Es ist ein unmöglicher Zustand, dass an den Gehörlosenschulen noch immer nicht alle Lehrer die Gebärdensprache beherrschen. Selbst hier in Berlin: Die Witzleben-Schule in Friedrichshain ist die einzige Schule, an der Schwerhörige und Taube Abitur machen können. Aber es wird nicht in der Sprache unterrichtet, die taube Menschen verstehen. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen", so Zierold im taz-Interview.

Martin Zierold wurde 1985 geboren und wuchs in Sachsen auf. Er ist von Geburt an taub, wie seine Eltern. Er hat einen Realschulabschluss - auf das Abitur verzichtete er, da es keine bilingualen Schulangebote gab. Nach seinem Schulabschluss besuchte er eine Gehörlosenfachschule in Rendsburg und schloss die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten ab. Zurzeit arbeitet er bei der Sinneswandel gGmbH als Betreuer im Jugendclub. Zusätzlich ist er freiberuflich als staatlich anerkannter Gebärdensprachdozent tätig.
Inklusion steht ganz oben auf Zierolds politischer Agenda. Da überrascht es nicht, dass ihn seine Fraktion zu ihrem Sprecher für dieses Thema ernannt hat. "Aufgrund meiner angeborenen Taubheit sehe ich meinen persönlichen wie politischen Auftrag in der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention", heißt es auf Zierolds Homepage. Und weiter: "Ziel ist die Chancengleichheit behinderter Menschen und die Vermeidung von Diskriminierung. Wichtig ist dabei das Paradigma 'Inklusion statt Integration'. Inklusion bedeutet, dass die Betroffenen in vollem Umfang auf allen Ebenen an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen können und sollen, wobei eine gleichberechtigte Teilhabe unter völliger Beibehaltung der individuellen Autonomie ermöglicht wird."

Mehr Informationen:
Interview mit Martin Zierold in der aktuellen Ausgabe von Menschen.das Magazin
Video in Gebärdensprache: Martin Zierold im Wahlkampf 2011

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