Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Erster Berliner Menschenrechtstag: eine Lernreise

Ist Inklusion ein Menschenrecht? Ist dieses Wort ein anderer Begriff für Teilhabe? Oder eher gesellschaftliche Utopie? Ist er gar nur ein Modewort? Droht der Begriff Inklusion beliebig zu werden? Diese Fragen stellte Professor Riedel, Vorsitzender des Kuratoriums des Deutschen Instituts für Menschenrechte, zu Beginn des ersten Berliner Menschenrechtstages am 27. September in den Raum. Das Institut für Menschenrechte hatte zu dieser Veranstaltung unter dem Motto "Selbstverständlich miteinander?! Deutschland auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft" eingeladen. Professor Riedel kam zu der persönlichen Feststellung, dass wir alle Fragende sind, Nichtwissende, die sich auf eine Lernreise in Sachen Inklusion begeben.

Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Instituts © DIMR/Paul Hahn

Und so gestaltete sich dieser 27. September auch zu einer Lernreise – sowohl für die zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer als auch für die Interessierten vor den Computern aus Nah und Fern. Denn da die Veranstaltung in der Eventlocation Jerusalemkirche bereits im Vorfeld ausgebucht war, wurde ab 14 Uhr auf der Webseite des Instituts für Menschenrechte ein Live-Stream geschaltet. Von den drei angebotenen Foren wurde Forum 3 zum Thema "Inklusiver Sozialraum – eine Utopie?" live übertragen. An den Programmpunkten mit Publikumsbeteiligung war ein Chat eingerichtet worden, so dass man sich mit seinen Fragen an Interviews beteiligen konnte.

Inklusion ist ein Menschenrecht

Die Lernreise begann mit den Ausführungen von Professor Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, die den theoretischen Hintergrund des Zusammenhangs zwischen der UN-Behindertenrechtskonvention und der Inklusion als Menschenrecht beleuchtete. Sie wies darauf hin, dass Menschen in vielfältiger Weise diskriminiert und ausgegrenzt werden, weil sie als "anders" wahrgenommen und daher nicht als zugehörig angesehen werden. Ihrer Ansicht nach betrifft das Menschen mit Behinderungen ebenso wie Migrantinnen und Migranten, Schwarze Menschen, Lesben und Schwule, Bisexuelle, Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen, aber auch alte Menschen, Arme oder Obdachlose. Und in vielen Fällen seien Frauen besonders stark betroffen. "Wer diskriminiert wird, erfährt: Ich werde nicht als Person in meiner Einzigartigkeit anerkannt. Ich werde in eine Schublade gesteckt. Ich gelte als nicht 'normal'. Nur wenn ich mich ändere oder wenn ich verstecke, was mich anders macht, werde ich anerkannt und kann ganz selbstverständlich mitten in der Gesellschaft leben."

Und was bedeutet Inklusion für mich ganz persönlich?

Warum beschäftige ich mich mit dem Thema Inklusion und gebe zu diesem Thema ein eigenes Magazin heraus? Warum ist es mir wichtig, damit eine Diskussion zu gesellschaftlichen Fragestellungen eines gemeinsamen Zusammenlebens von Menschen – unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten, ihrer körperlichen Verfassung, ihrer ethnischen und sozialen Herkunft, ihres Geschlechts oder Alters – anzustoßen?

Weil es mich geprägt hat, in einer Familie aufzuwachsen, in der die Ansicht vorherrschte: Wenn ich verstecke, was mich anders macht, werde ich in dieser Gesellschaft anerkannt. Weil ich zwölf Jahre lang Sonderschulen für Körperbehinderte besucht habe und mich dadurch immer wieder ausgegrenzt gefühlt habe. Weil ich mich auch danach oft nicht als zugehörig empfunden habe und viele Begegnungen in meinem Leben hatte, die nicht auf Augenhöhe stattfanden.

Vor allem aber, weil ich unzählige Leute kennen gelernt habe, denen es ähnlich erging und immer noch ergeht. Und weil ich glaube, dass es in einer Gesellschaft, die stark vom Konsum- und Leistungsgedanken geprägt ist, schwer sein wird, aus der Vision eines gleichberechtigten Zusammenlebens Realität werden zu lassen.

Sich der Idee der Inklusion öffnen

Nach Auffassung von Professor Dr. Beate Rudolf verlangt Inklusion, dass nicht die Menschen sich ändern müssen, sondern dass die Barrieren und behindernden Strukturen abgebaut werden. "Inklusion ist also ein Maßstab für Gleichheit und zugleich ein Maßstab, wie Gleichheit hergestellt werden kann und muss", betonte sie in Berlin. Deshalb wünsche ich mir, dass viele Menschen sich der Idee der Inklusion öffnen und der Staat seiner (völkerrechtlichen) Pflicht nachkommt, diesen Prozess zu befördern.


Linktipps:
Inklusion: Wer muss sich denn nun anpassen? Ein Blogbeitrag von Petra Strack über den Anteil von Menschen mit Behinderung an der Inklusion
Chancengleichheit – eine Utopie? Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über gegenseitige Akzeptanz zwischen Menschen mit und ohne Behinderung

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