Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Erasmus – ein Mobilitätsprogramm auch für Studierende mit Behinderung

 

Wer Erasmus hört, denkt an durchfeierte Nächte und einen Uni-Alltag, der anders abläuft als zuhause. An WG-Mitbewohner aus ganz Europa und internationale Liebeleien, an anfängliche Orientierungs- und Sprachprobleme, an Heimweh und Fernweh. Mit anderen Worten: an ein ziemlich aufregendes und lehrreiches Jahr.

Drei Millionen Studierende aus Europa haben seit dem Start von Erasmus im Jahr 1987 die Möglichkeit genutzt, ein Studienjahr im Ausland zu verbringen, am liebsten in Spanien und Frankreich. Doch bei aller Vielfalt ist ein Gruppe komplett unterrepräsentiert: die Studierenden mit Behinderung. Sie machen bislang weniger als ein Prozent aller Teilnehmer aus.

Finanzielle Unterstützung ist möglich

Aber warum? Am Geld alleine kann es nicht liegen. Denn während Studierende ohne besonderen Förderbedarf rund 200 Euro pro Monat aus dem Erasmus-Programm bekommen, greift der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) tief in die Tasche, wenn einem Erasmus-Studierenden wegen Behinderung oder chronischer Krankheit im Ausland Mehrkosten entstehen, die Kostenträger wie Krankenkassen, Sozialämter oder Landschaftsverbände nicht decken können (oder wollen). Schließlich kommt, wer persönliche Assistenz, eine barrierefreie Wohnung oder Krankengymnastik braucht, schnell auf ein paar Tausend Euro pro Monat.
Für den DAAD ist ein solcher Auslandsaufenthalt, selbst wenn er teuer sein mag, kein Luxus, sondern selbstverständlicher Teil des Studiums. Schließlich ist es Aufgabe und Ziel des DAAD, den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern zu fördern – und für Deutschland kümmert er sich eben auch um die Organisation des EU-Programms Erasmus. Ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention ist ihm daran gelegen, dass alle Studierenden die gleichen Zugangschancen zu Hochschulbildung und lebenslangem Lernen haben.

Nur Mut!

Wie gesagt, das Geld ist da. Fehlt es unter den Studierenden mit Behinderung also am Wissen, dass Erasmus für alle offen steht? Fehlt es am Mut, sich mit dem Rollstuhl hinaus in die Welt zu wagen? Oder an den Nerven, sich auf langwierige Verhandlungen mit den Kostenträgern einzulassen? Fehlt es an der moralischen Unterstützung von Familie oder Professoren?

Was sagt Ihr selbst dazu, Studentinnen und Studenten mit Behinderung: Habt Ihr mal darüber nachgedacht, ins Ausland zu gehen? Warum habt Ihr es vielleicht nicht getan – und unter welchen Bedingungen würdet Ihr bei Erasmus mitmachen? Was erwartet Ihr Euch von der Zeit im Ausland?

Übrigens: Im Januar 2014 startet Erasmus+. Das neue EU-Programm will auch Berufstätigen einen Auslandsaufenthalt ermöglichen, für Studium, Fortbildung oder Lehre. Es ist also nie zu spät ... selbst wenn das Studium schon vorbei ist.


Mehr zum Thema:
Informationen zu den Möglichkeiten der Erasmus-Sonderförderung für Studierende mit Behinderung im Ausland
„Generation Erasmus“: Ein Lesebuch zu den Erfahrungen deutscher Erasmus-Studierender mit besonderen Bedürfnissen
Das Projekt ExchangeAbility, das Studierende mit Behinderung zum Auslandsstudium ermutigen möchte Promovieren mit Behinderung. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über das Promotionsprogramm "InWi" der Uni Bremen für Menschen mit Behinderung
"Ein Stück weit Utopie". Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über die Inklusion an deutschen Hochschulen
"Sie können in Ihrer Situation kein Referat halten". Ein Blogbeitrag von Marie Gronwald über ihre Erfahrungen mit einem Studium mit Behinderung

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