Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Endlich selbstbestimmt: Eigene Wohnung statt Heim

Wie will ich wohnen? Diese Frage ist zentral in unserem Leben. In der Wohnung können wir uns verwirklichen. Wir gestalten sie, wie es uns gefällt. Keiner kann uns reinreden. Die Wohnung ist unser Rückzugsraum, wenn die Welt da draußen uns überfordert. Die Wohnung ist unser privatester und persönlichster Aufenthaltsort.

Und doch kennt ein Großteil der Menschen mit einer schweren Körperbehinderung das Leben in der eigenen Wohnung nicht. Diese Menschen leben in stationären Einrichtungen. Noch immer ist ihr Tag fremdbestimmt – von den Dienstplänen und Arbeitsweisen der Betreuer, von vorgegebenen Essens- und Schlafenszeiten. Lange war es selbstverständlich in unserer Gesellschaft: "Behinderte müssen ins Heim", hieß es. Selbst ich hatte noch 1990 de facto keine Wahl: Weil ich blind war und es nur in Hamburg ein Gymnasium gab, das mich aufnehmen wollte, musste ich in ein Internat für blinde und sehbehinderte Kinder einziehen.

Das war "nur" eine vorübergehende Lösung während der Schulzeit. Danach konnte ich in meine eigene Wohnung umziehen. Viele Schwerbehinderte Menschen verbringen aber ihr ganzes Leben im Heim. Dabei kommt es sogar vor, dass Jugendliche mit einer geistigen Behinderung ins Altersheim gesteckt werden – wie zum Beispiel in einem Welt-Artikel zu lesen war. Angemessene Förderung und persönliche Entwicklung bleiben dabei auf der Strecke.

Glücklicherweise bröckelt der gesellschaftliche Konsens. Zunehmend entstehen ambulante Wohnformen. Menschen mit Handicap leben in Wohngemeinschaften. Statt in einer Pflegeeinrichtung zu leben, werden sie zum Arbeitgeber und stellen persönliche Assistenten ein. Wie die Wohnung aussieht, wie die Freizeit gestaltet wird – all das entscheidet der Mensch mit Behinderung nun selbst und nicht mehr der Pfleger, Sozialpädagoge oder Erzieher. Im Deutschlandradio brachte es ein Betroffener auf den Punkt: "Ich bin eben der Experte in eigener Sache, ich kenne mich mit meiner Behinderung selber aus. Also entscheide ich auch, was getan wird und was nicht."

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