Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Eine Liebeserklärung mal anders

Gedicht

Heute ist der Tag des Abschiedes gekommen.
Abgeschoben wirst du! Als wärst du nie da gewesen.

Spürst du die Trauer des Abschiedes ebenfalls, mein alter treuer Freund?

Erinnere dich an unsere erste Begegnung ... wie amüsierend es war!
Damals wussten wir beide nicht, wohin das alles führen wird –
nun sind wir da, wo wir sind und wissen nicht, wie es ohne gehen soll.
Die Erlebnisse waren voller Wahnsinn und Leidenschaft, weißt du es noch?
Bei Regen, Sturm, Schnee und praller Sonne fuhren wir zu einem meiner wahllosen Ziele.
Selten hast du widersprochen, dennoch hin und wieder den Geist aufgegeben.
Wütend und beleidigt war ich deswegen!
Heute habe ich es vergessen und verziehen, als wäre es nie geschehen.
Deine "Vertreter" konnten dir nie das Wasser reichen,
sie schienen unerfahren und grobmotorisch.
Ich betete um deine baldige Genesung und fühlte das "Zuhause", wenn du wieder da warst.

Böswillig warst du nie, eher würdest du dich selbst zerstören, als mir weh zu tun ...
Anders als ich: Schrammen, Kratzer und Dellen – nie absichtlich.
Dennoch: Verzeih!

Heute würde ich dir jede Pause der Welt gönnen ... bliebest du doch nur noch ein bisschen.

Bleib!

Du wirst mir fehlen. Mit wem soll ich die unzähligen Geheimnisse teilen?
Wer wird der Zuschauer meiner Fantasie sein?
Die Erfahrungen, die Erinnerungen ... es verbindet.
Du warst Zeuge meines ersten Kusses;
Du weißt, wie nass sich meine Hände vor den Prüfungen anfühlen;
Du spürtest meine Fingerspitzen auf deinen Knöpfen ...
Oh, ich werde sie besonders vermissen!

Du warst ein treuer Begleiter, hast Gas geben können, wenn die Blase zu platzen schien und keine Toilette zu sehen war.
Du hast verschlossene Türen aufgestoßen und leise gelacht,
wenn jemand den Fuß unter deinem Reifen hatte.

Ich würde dich gern noch einmal berühren, mein treuer alter Freund.
Lass uns noch einmal um die Ecken düsen, noch einmal versuchen, die Bahn zu erwischen!
Nur noch einmal den Fahrtwind im Gesicht spüren ...

Jetzt bist du alt und bekommst des Öfteren Atemnot ... wie kann ich dir helfen?
Vermutlich gar nicht. Ich werde deine Hand halten, bis du endgültig gehst.

Versprochen.

Der Neue wird dich nie ersetzen können,
mein geliebter alter, unersetzbarer, kaputter Rollstuhl.

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