Eine ganz normale Liebesgeschichte

Was bei den Brasilianern der Dia dos Namorados und bei den Chinesen das Qixi-Fest ist, ist bei uns der Valentinstag. Passend zum Tag der Liebenden erzählen wir die inklusive Liebesgeschichte von Katrin (20) und Michael (19) aus München. Die beiden kennen sich erst seit einem halben Jahr und trotzdem wissen beide: Das passt verdammt gut.

Katrin und Michael

Aktion Mensch / Johannes Mairhofer

Vor kurzem hat er ihr in mühsamer Kleinstarbeit einen Stoffteddy genäht. Rot, mit weißen Fäden und großen Knopfaugen. Er hat von ihr einen kleinen 3D-Anhänger mit einem Foto von ihnen. Eine gemeinsam gebastelte Kette tragen beide mit sich. Wenn Michael und Katrin über ihre Beziehung sprechen, fragt man sich: Moment, die beiden sind doch erst seit einem halben Jahr zusammen, oder? Das klingt irgendwie deutlich länger. So innig und selbstverständlich. Dass dieser Eindruck schnell entsteht, liegt aber vermutlich daran, dass es den beiden selbst schon sehr viel länger vorkommt…

Nächtelange Telefonate

Kennengelernt haben sie sich im Internet, via Chat in einem sozialen Netzwerk. Warum genau Michael Katrin damals angesprochen hat, weiß er rückblickend gar nicht mehr ganz genau. „Ich fand ihr Bild ansprechend und wollte sie einfach kennenlernen.“ Also schrieb er sie an und die beiden kamen ins Gespräch. Dass Katrin aufgrund einer Muskelschwäche im E-Rollstuhl sitzt, hat sie damals direkt angesprochen. Für Michael war das gar kein Thema. „Ich fand sie als Menschen total interessant“, erzählt Michael, „und das ist für mich entscheidend.“ Zu Beginn war sich Katrin dennoch unsicher. Sie fragte nach einem Telefonat, um seine Absichten besser einschätzen zu können. Was folgte, waren nächtelange Telefonate. Obwohl Michael zu dem Zeitpunkt gerade seine Kochlehre begonnen hatte und meist 13 Stunden bei der Arbeit am Herd stand, nutzten sie die Nächte für ausführliche Gespräche. Relativ schnell war klar: Die beiden wollen sich treffen.

Die erste Begegnung hatten Katrin und Michael an einem See ganz in der Nähe ihres Wohnortes. „So schnell habe ich mich bislang noch nicht mit einem Mann getroffen, aber ich wollte herausfinden, was das mit Michael ist und wie er im direkten Kontakt mit meiner Behinderung umgeht.“ Der Anfang des Treffens verlief dann tatsächlich etwas holprig. Der Tisch an Katrins Rollstuhl irritierte ihn. „Wie soll ich sie am besten umarmen?“, schoss ihm durch den Kopf. Er entschied sich fürs Händeschütteln. Das wiederum irritierte Katrin. Je mehr die beiden aber miteinander sprachen und Zeit am See verbrachten, desto entspannter und schöner wurde die Situation. „Wir waren den ganzen Tag unterwegs und am Ende des Treffens war klar, dass wir uns wiedersehen wollen“, erzählt sie.

Seitdem sind die beiden ein Paar. Katrin wohnt bei ihren Eltern und Michael kommt an jedem Wochenende vorbei. Ihre Eltern hat Michael schon beim zweiten Mal kennengelernt. Auch das ging ziemlich schnell. Er verstand aber gut, dass ihren Eltern diese Sicherheit wichtig war. „Am Anfang war die Wohnsituation nicht ganz so leicht für uns, mittlerweile haben wir uns aber gut arrangiert. Da Michael mich an den Wochenenden bei allem unterstützt, können wir die Zeit weitestgehend zu zweit verbringen.“ Katrin ist wichtig, dass ihr Partner dabei natürlich nicht gleichzeitig wie ein Pfleger ist: „Klar, er hilft mir bei vielem, aber dadurch haben wir auch viel mehr Freiheiten und die Wochenenden quasi alleine für uns.“

Ein eingespieltes Team

In ihrer Freizeit sind die beiden viel unterwegs. Kino, Spaziergänge, Freunde treffen, Theater oder Shoppen. An dem See, an dem sie sich zum ersten Mal getroffen haben, haben die beiden mittlerweile eine spezielle Bank – „unsere Bank“. Da spazieren sie oft hin und genießen es einfach zu zweit unterwegs zu sein. Wenn die beiden voneinander erzählen, wird schnell klar: Das ist was Besonderes. „Michael ist kompromisslos für mich da. Er unterstützt mich mit einer Selbstverständlichkeit in allem – das ist Wahnsinn. Wir waren total schnell ein eingespieltes Team.“ Und auch Michael schwärmt: „Wir denken sehr ähnlich und können total lange Zeit aufeinander hocken, ohne dass wir uns auf die Nerven gehen. Außerdem ist Katrin sehr süß und hübsch.“ Beide gehen sehr offen miteinander um; reden über alles. Das ist für Katrin der Grund, warum ihre Beziehung so harmonisch ist. Auch Michael erzählt, dass die beiden noch keinen Streit hatten, weil sie alles besprechen und Fragen ausdiskutieren.

Ein paar Wochen nach Beginn der Beziehung hat Michael die Diagnose Epilepsie erhalten. Er hat seine Kochlehre abgebrochen und musste umziehen. Das war für beide keine leichte Zeit. Letztlich hat es die beiden aber noch mehr zusammengeschweißt. Da sind sie sich einig. Michael möchte nun ein FSJ in einer Kindertagesstätte machen und langfristig gerne als Erzieher in einer inklusiven Einrichtung arbeiten.

Was sie sich für ihre Beziehung wünschen? Einen normaleren Umgang der Gesellschaft damit. „Manchmal wird getuschelt und wir werden nach dem Motto ‚Der Hübsche und die Rollifahrerin angestarrt“, so Katrin. Auch Michael erzählt: „Entweder reagieren die Leute überfreundlich oder unfreundlich. Selten ganz normal.“ Aber genau das ist es, was sie toll fänden.

 

Linktipps:

Nicht nur gute Co-Piloten - Ein inklusives Liebespaar

Burger à la Inklusion - Mitarbeiter mit und ohne Behinderung arbeiten Hand in Hand

Als Duo stärker - Vier Paar mit und ohne Behinderung über ihren Alltag

 


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Sortieren nach Datum:

avatar

Eva Müller

Diese Liebesgeschichte hat mich sehr berührt. Ich finde es super das es noch diese Menschen gibt, die Menschen mit gewissen Einschränkungen nicht sofort ausgrenzen. Wünsche den beiden alles Gute! :)

Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?