Freiwilliges Engagement

Ein Garten für alle Sinne

Ein Garten, in dem sich blinde Menschen optimal orientieren und alle möglichen Pflanzen ertasten und am Duft erkennen können – das war lange der Traum eines Bremer Gärtner-Ehepaares. Seit 25 Jahren gibt es den einzigartigen Blindengarten – aber wie lange noch?

Foto: CC BY 2.0 / Franz Friedrich / Flickr

Edith Kranz hat schon ihr ganzes Leben lang mit angepackt: In der Gärtnerei und dem Blumengeschäft ihres Mannes und bei der Verwirklichung des gemeinsamen Traums: einen Blindengarten in Bremen auf die Beine zu stellen. Mit 84 Jahren ist sie noch immer Kassenwartin des Vereins, der sich um den Erhalt der grünen Oase kümmert.

Langer Atem und gute Kontakte

Dabei musste das Ehepaar eine ganze Menge Hartnäckigkeit beweisen, ehe es mit dem Bau des Gartens losgehen konnte. „Zahlreiche Zusagen für ein Grundstück, die von der kommunalen Verwaltung kamen, wurden wieder zurückgezogen. Und auch finanzielle Unterstützung gab es keine“, erinnert sich Edith Kranz. So beschlossen die Kranz‘, das Projekt ganz in Eigenregie umzusetzen. An die 800 „Bettelbriefe“, wie Edith Kranz es nennt, verschickten sie. Es dauerte dann gerade einmal drei Monate, bis Unternehmen und Privatleute sämtliche notwendigen Arbeitsleistungen, Materialien und Geldspenden zugesagt hatten. Mit dem 1.500 qm großen Grundstück im Stadtteil St. Magnus war auch der richtige Ort gefunden.

1988 konnte es dann endlich losgehen. Ein Bagger rollte an und begann mit den Erdarbeiten. Edith Kranz und ihr Mann legten die Beete an. Diese sind mit Palisaden eingegrenzt und haben eine Höhe von 80 cm. So erreicht man die Pflanzen besser zum Fühlen und Riechen. Es wurden drei rollstuhlgerechte Zugänge eingerichtet und die Wege mit unterschiedlichen Belägen versehen, die bei der Orientierung helfen. Insgesamt gibt es 16 Beete, unter anderem mit Nadelhölzern, Gräsern, Farnen, Heidegewächsen, Wildpflanzen, Kletterern und Rankern oder Duftpflanzen. Tafeln mit Braille-Schrift erklären das Grün. Bei der Konzeption stimmten sich die Initiatoren eng mit dem Bremer Blindenverein ab.

Der Garten als Treffpunkt

Ein Jahr später konnte der erste Blindengarten in Deutschland eröffnet werden, der ganz ohne öffentliche Gelder entstand, dafür aber mit jeder Menge Unterstützung von Freiwilligen, Firmen und Vereinen. Der Garten ist für jedermann offen – ob mit oder ohne Behinderung – und versteht sich als Ort der Begegnung.

Um den Erhalt des Gartens kümmert sich der eigens gegründete Blindengarten Bremen e. V. Derzeit ist es vor allem Heidi Ganser-Drejka, die sich um die Gartenpflege kümmert. Zusätzlich packt ein Landschaftsgärtnereibetrieb regelmäßig mit an. Und dann gibt es noch die Mitglieder der örtlichen CDU und SPD, die sich einmal im Jahr engagieren.

Doch die meisten, die den Verein tragen, sind inzwischen im Rentenalter. Ohne Verjüngungskur wird es den Verein nicht mehr lange geben. Damit steht auch die Existenz des Blindengartens auf dem Spiel. Für Edith Kranz ist klar: „Jetzt sind die Jüngeren dran!“ Wer sich also für die Idee des Blindengartens begeistern kann und Spaß am Gärtnern hat, möge sich beim Verein melden.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.



Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.

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