Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Durch Sport Berührungsängste abbauen

von Benny Ulmer

Schlagworte:
Sport

Mulgheta Russom ist nicht nur ein Aushängeschild des deutschen Blindenfußballs, sondern seit 2011 auch der erste und bis heute einzige ausgebildete blinde Fitnesstrainer Deutschlands. Eine optimale Kombination für ihn, kann er doch die für ihn wichtigen beiden Themen „Sport“ und „Menschen“ miteinander verbinden.

Mulgheta Russom: „Ich weiß, was ich tue – das bringt Respekt“ Foto: Benny Ulmer

Das Fitnessstudio „Motiv“ des MTV Stuttgart ist ein Studio, wie es viele in Deutschland gibt – helle, freundliche Farben bestimmen die Räume, moderne Fitnessmaschinen warten auf ihren Einsatz, und ein gut gelaunter Fitnesstrainer erwartet die Gäste am Empfang: Mulgheta Russom, auch „Mulle“ genannt.
Soweit nichts Besonderes, wäre da nicht die Tatsache, dass der 35-Jährige blind ist und somit Deutschlands erster und bis heute einziger ausgebildeter blinder Fitnesstrainer.
Doch wie muss man sich das Training mit einem blinden Fitnesstrainer vorstellen?
Natürlich verläuft das Training mit Mulgetha Russom wie bei jedem anderen Fitnesstrainer auch. Er versucht für seine Kunden einen optimalen Trainingsplan zu erstellen, der den jeweiligen Bedürfnissen entspricht. Hier profitiert er von seinem Kommunikationstalent und seinem Selbstbewusstsein, denn – und das ist vielleicht der größte Unterschied zu seinen sehenden Kollegen – oft muss das erste Eis gebrochen, Berührungsängste abgebaut werden. Meistens ist er derjenige, der den ersten Schritt macht: „Es kommt natürlich auch auf mein Auftreten an. Du musst offen sein und ein gesundes Selbstbewusstsein haben. Ich will kein Mitleid erzeugen, nur weil ich nicht sehen kann. Ich will dem Kunden helfen, und ich kann ihm helfen, das soll er spüren.“

Ein weiter Weg

Doch bis es soweit war, musste Mulgheta einen weiten Weg zurücklegen. Mit 20 Jahren hatte er einen schweren Autounfall, in dessen Folge er nicht mehr sehen konnte. In der Stuttgarter Nikolauspflege, einem Zentrum für blinde und sehbehinderte Menschen, lernte er mit der neuen Lebenssituation umzugehen und kam mit dem Blindenfußballsport in Kontakt. Sport war schon zuvor ein wichtiger Teil seines Lebens, und durch den Blindenfußball blieb dies nicht nur so, sondern es brachte ihm auch Lebensqualität und Selbstbewusstsein zurück. Schnell wurde er innerhalb der MTV Stuttgart">Bundesligamannschaft des MTV Stuttgart eine feste Größe, mehrfacher deutscher Meister und ist bis heute deutscher Nationalspieler. Kurzum, der Sport wurde sein Lebensinhalt.

Der Geschäftsführer des MTV erkannte, dass in dem sympathischen Sportler mehr Potential steckte, und bot ihm daraufhin 2010 eine Ausbildung zum Fitnesstrainer im vereinseigenen Studio an, die er im April 2011 erfolgreich abschloss. Anfangs herrschte bei den Kunden eine gewisse Zurückhaltung und Skepsis ihm gegenüber, wie Mulgheta rückblickend feststellte. Eine Zurückhaltung, die so viele Menschen mit Handicap aus dem Alltag ihnen gegenüber kennen. Aber hier half ihm sein Selbstbewusstsein, seine natürliche Art und die volle Unterstützung des Vereins. „Die Leute merken, dass mir meine Arbeit Spaß macht, und ich weiß, was ich tue. Das bringt zwangsläufig Respekt mit sich“, antwortet er auf die Frage, wie er sich im Studioalltag sieht.

Zusätzlich zu seiner normalen Tätigkeit im Fitnessstudio ist er inzwischen seit ungefähr drei Jahren als Personal-Trainer für Nacken- und Schulterverspannungen innerhalb des Studios tätig. Eine Volkskrankheit, wie er meint, häufig verursacht durch eine falsche Haltung im Arbeitsalltag. „Ich habe einfach ein besonderes Feingefühl in den Fingern“, sagt Mulgheta. Die Anfragen bestätigen seine Herangehensweise, Kunden aus der ganzen Stuttgarter Region kommen mittlerweile zu ihm.


Linktipps:
Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport
Mit rheinischer Mentalität nach oben. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit Dieter Wolf, Trainer der Blindenfußballmannschaft vom PSV Köln, über Inklusion im Sport und die Entwicklung im Blindenfußball
Mitleid-Crisis. Ein Blogbeitrag von Raul Krauthausen über die Diskussion, wenn Sportler mit Prothesen weiter springen als ihre nicht-behinderten Kollegen – ein Anfang für mehr Miteinander?

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