Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Du brauchst keine Augen, um zu sehen! (Teil 2)

von Michaela Eiben

Nachdem ich über Nacht erblindete, war das Schlimmste für mich die plötzliche Abhängigkeit. Bis zu meiner Erblindung war ich immer wild und voller Power. Mein Sternbild ist Löwe – das sagt doch alles, oder? Und deshalb musste nun Plan B herhalten. Ich wollte mein Leben zurück. Und so beschloss ich, meiner Erblindung den Kampf anzusagen. Und ich hatte nicht vor zu verlieren!

Michaela Eiben im Kreis ihrer Familie. (Foto: Susanne Möller)

Die kommenden Wochen waren hart. Ich lernte, mit dem Blindenstock zu laufen, die Punktschrift, um wieder lesen zu können. Und: Es kam wieder zurück, mein Leben. Zwar langsam, aber mit viel Geduld klappte es. Und so machte ich weiter. 1995 heiratete ich meinen damaligen Freund. In weiß. Mir ging es da nicht anders als anderen jungen Frauen: Das Kleid musste weiß sein, eine Schleppe haben und ganz lang sein. Doch das war ein Problem – zumindest sah es meine Mutter so. Sie versuchte, mich von der Idee eines langen Schleiers abzubringen. Doch da konnte sie lange reden! Erstens, weil ich schon als Kind gemacht habe, was ich wollte. Und zweitens war es meine Hochzeit! Natürlich konnte ich die Ängste meiner Mutter verstehen. Mit einem langen Kleid blind auf die Nase zu fallen, war keine schöne Vorstellung. Aber ich dachte: "Nein! Ich habe vor, nur einmal zu heiraten. Und das in dem Kleid, das ich mir ausgesucht habe! Und wenn ich drei Wochen üben muss, um in diesen Kleid laufen zu können!" Das Ende vom Lied ist schnell erzählt: Mein Kleid hatte nicht nur eine lange Schleppe, sondern der Schleier war über fünf Meter lang! Und: Frau Eiben brauchte gar nicht zu üben, doch ihr neuer Ehemann hat sich beim Walzer tanzen fast das Genick gebrochen. :-)

Es war der schönste Tag in meinem Leben. Und eins habe ich gelernt: Egal, wie dick es auch kommt, mit viel Kraft und Mut bewältigt man jedes Hindernis. Man muss es nur wollen!

Gedicht
Du brauchst keine Augen, um zu sehen,
um die Welt besser zu verstehen,
du brauchst nur viel Gefühl,
und dein Traum bringt dich ans Ziel,
die Sonne strahlt mir ins Gesicht,
doch ihre Farbe seh' ich nicht.

Deine Liebe lässt mich gehen,
ohne wirklich etwas zu sehen,
ich glaub nur fest daran,
das ich alles schaffen kann,
da leuchtet immer dieses Licht,
und das verschafft mir neue Sicht.



Linktipps:
Inklusionsblog der Aktion Mensch: Blind wohnen: Über Füße im Futter und verschollene Korkenzieher
Inklusionsblog der Aktion Mensch: Begegnung im Dunkeln

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