Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Du brauchst keine Augen, um zu sehen! (Teil 1)

von Michaela Eiben

Es ist schon so lange her, um genau zu sein, werden es bald zwanzig Jahre, seit ich die Sonne nicht mehr gesehen habe. Am 29.09.1993 haute mir von einer Nacht auf die andere das Schicksal ein großes Loch in mein Herz. Alles lief perfekt, ich hatte meinen Traummann gefunden, wir hatten es uns gerade in unserer gemeinsamen Wohnung kuschelig gemacht. Doch diese eine Nacht veränderte mein ganzes Leben.

Michaela Eiben

Ohne Voranmeldung ging ich abends zu Bett. Alles war wie immer, doch als ich am nächsten Morgen aufwachte, war nichts mehr wie zuvor. Ich bat meinen Schatz, die Rollläden zu öffnen, doch er meinte, dass sie bereits oben seien. Was dann kam, kann ich kaum in Worte fassen. Ich schlug die Hände vors Gesicht und schrie: "Ich kann nichts sehen!" Mein Freund war genauso geschockt wie ich. Er versuchte mich zu beruhigen, doch das klappte nicht. Ein Gefühl aus Panik, Angst und Unsicherheit machte sich breit. Wir suchten sofort meinen Augenarzt auf, doch der konnte uns auch nicht weiterhelfen. Der Arzt entschloss sich dazu, mich nach Münster zu überweisen. Doch wenn man über Nacht erblindet, ist man in Münster kein Notfall. Unglaublich! Man muss drei Wochen warten. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Die folgenden drei Wochen waren einfach nur schrecklich. Nicht zu wissen, ob mir dort geholfen werden kann oder dieser Zustand für immer bleiben wird – das machte mich total verrückt.

Endlich kam der besagte Tag, und wir fuhren nach Münster. Meine Mutter entschloss sich, uns zu begleiten. Es war ein komisches Gefühl, nicht zu wissen, wie die Sache nun ausgeht. Bis zur eigentlichen Untersuchung war noch alles im grünen Bereich. Doch als man mir mitteilte, dass ich für mein restliches Leben blind bleibe, brach eine Welt für mich zusammen. Klar, sie mussten es mir irgendwie sagen. Doch die Art und Weise, wie es mir gesagt wurde, haute mich um. Ein Arzt bat mich ins Untersuchungszimmer und sagte: "Wir können ihnen nicht helfen. Gehen sie nach Hause und machen sie das Beste daraus." Der zweite Arzt rief mir auf dem Flur hinterher: "Es wäre gut, wenn sie einen Psychologen aufsuchen würden." Meine Mama und mein Freund standen weinend im Gang. Ich sagte: "Nicht weinen! Wenn ich nicht weine, braucht ihr auch nicht zu weinen."
Die Antwort der Ärzte war natürlich nicht die, die ich mir gewünscht hatte. Doch nach drei Wochen Wartezeit hatte ich nun endlich eine Antwort.

Die Fahrt nach Hause war traurig und still. Ab diesem Tag war nichts mehr wie zuvor. Ein paar Wochen zogen ins Land. Mein Tagesablauf bestand daraus, Gläser umzuwerfen, über Teppiche zu fliegen, vor die Tür zu knallen und noch tausend Dinge mehr. Ich schnupfte, weinte und fluchte, doch es half alles nichts. Es musste ein Plan B her. Denn ich hatte nicht vor, mein Leben und meine Träume aufzugeben ...

(Fortsetzung folgt!)



Linktipps:
Inklusionsblog der Aktion Mensch: Blind im Internet: Kommunizieren auf Augenhöhe
Inklusionsblog der Aktion Mensch: Integration und Pubertät – ein Erfahrungsbericht

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?