Aktion Mensch-Blog

Die Unternehmenskultur gewinnt

Bei der Flughafen München GmbH hat Inklusion einen hohen Stellenwert: Führungskräfte und Mitarbeiter unterstützen das Anliegen tatkräftig – und alle profitieren.

Inklusionspreis 2013 für die FMG: Hier profitieren alle antidiskriminierungsstelle.de / Fara Phoebe Zetzsche

Inklusive Arbeitswelten sind noch lange nicht selbstverständlich – oft hindern vor allem die Barrieren in den Köpfen daran, Vielfalt als Chance zu erkennen. Arbeitgeber fragen zuerst: Funktioniert das denn überhaupt? Und was müssen wir dabei bedenken? Wichtig ist aber, dass die Firmen nicht zuerst mögliche Probleme sehen, sondern kreativ werden und innovative Modelle entwickeln.

Wie zum Beispiel die Flughafen München GmbH (FMG): Dort hat Inklusion einen hohen Stellenwert. Eine wichtige Voraussetzung: Alle Führungskräfte und alle Mitarbeiter unterstützen das Anliegen tatkräftig. Beim Personalchef des Konzerns werden die Aufgaben rund um das Thema Inklusion gebündelt und koordiniert. Von rund 4.000 Beschäftigten bei dem Münchner Unternehmen haben 470 Menschen eine Schwerbehinderung – mit rund 11 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Quote.

Verschiedene Ansätze zur Inklusion

Die FMG verfolgt zum Thema Inklusion verschiedene Ansätze: Im „Praktika-Stufen-Programm“ können Jugendliche mit Lernschwierigkeiten ausprobieren, ob eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt für sie in Frage kommt. Die jungen Leute lernen das Unternehmen und den Arbeitsalltag auf unterschiedliche Weise kennen – zum Beispiel über Kurzbesuche und Praxistage. Es werden aber auch Block- oder Langzeitpraktika in den Bereichen Kfz-Pflege, Betriebsservice oder Lackierwerkstatt angeboten. Das Unternehmen arbeitet dabei eng mit der Lebenshilfe Freising zusammen. Zwei Jugendliche, die an dem Programm teilgenommen haben, sind jetzt festangestellt. „Die Jugendlichen mit Behinderung legen eine Arbeitsfreude an den Tag, die einfach nur ansteckend ist“, so Jürgen Haupt, Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen im Unternehmen.

Die anfängliche Unsicherheit im Umgang mit der unbekannten Situation sowohl bei den Mitarbeitern der Flughafen GmbH, als auch bei den Jugendlichen wich schnell der Überzeugung, dass hier alle profitieren: Die jungen Leute können ihre Fähigkeiten zeigen und bekommen die Chance auf eine berufliche Zukunft. Das Engagement des Unternehmens hat aber auch zur Folge, dass sich die Mitarbeiter noch stärker mit ihrer Firma identifizieren. „Gewinner ist auf jeden Fall die Unternehmenskultur“, findet Jürgen Haupt.

Carwash mit Pfiff“

Um Inklusion geht es auch bei einer Kooperation des Unternehmens mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, das sogenannte „Juniorfirmen“ unterstützt. Schüler des Bildungszentrums der Lebenshilfe Freising, der Paul-Gerhardt-Mittelschule Freising sowie der Imma-Mack-Realschule Eching haben gemeinsam das Serviceunternehmen „Carwash mit Pfiff“ gegründet. Die FMG hat die Wirtschaftspatenschaft übernommen und dem jungen Unternehmen die Möglichkeit verschafft, seine Dienstleistung am Airport anzubieten. Bei „Carwash mit Pfiff“ arbeiten Jugendliche mit und ohne Behinderung jetzt auf dem Gelände des Flughafens zusammen. Sie bieten an, zum Parken abgestellte Fahrzeuge vor Ort innen und außen zu reinigen und zu pflegen. Gemeinsam lernen sie so die Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes kennen. Wichtige Qualifikationen wie Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit werden dabei gefördert.

Ein großes Anliegen des Unternehmens ist auch die Prävention: Ziel ist, die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern – zum Beispiel durch den Ausbau eigener Sporteinrichtungen. Mitarbeitern, die aus gesundheitlichen Gründen bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausführen können, werden andere passende Arbeitsplätze angeboten. Das bedeutet: Die Bedürfnisse der Mitarbeiter werden ernst genommen und ihre individuellen Fähigkeiten berücksichtigt.

Inklusionspreis 2013 für Unternehmen

Wichtig sind also die Rahmenbedingungen: Wenn die stimmten, könnten Menschen – egal mit welchen Einschränkungen – langfristig ihre Leistung zeigen, ist sich Konzernpersonalchef Robert Scharpf sicher. Die vielfältigen und nachhaltigen Ansätze aus der Praxis haben auch die Jury des vom UnternehmensForum ausgelobten „Inklusionspreises 2013 für Unternehmen“ überzeugt. Die FMG konnte den Preis in der Kategorie „mittelgroße Unternehmen“ im Oktober in Berlin entgegennehmen.

Von solchen modellhaften Programmen profitieren nicht nur die Firmen selbst: Sie übernehmen auch eine wichtige Multiplikator- und Vorbildfunktion, indem sie ihre Ideen zur Inklusion vorleben und damit in die Gesellschaft tragen. Diese gelungenen Beispiele können so Nachahmer finden und andere Unternehmen dazu anregen, sich den Themen Vielfalt und Teilhabe zu öffnen.


Linktipps:
Mehr Infos zum „Inklusionspreis 2013 für Unternehmen“
Inklusionspreis 2013. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über die diesjährigen Preisträger „Unternehmen fördern Inklusion“
Das Handlungsfeld "Am Arbeitsplatz" der Aktion Mensch
Fachkräftemangel als Chance für Menschen mit Behinderung? Ein Blogbeitrag von Eva Keller über die Chancen von Menschen mit Behinderung im Handwerk
KOSmos: "Ein Schritt in die richtige Richtung". Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über ein Hamburger Projekt, das Menschen mit Behinderung bei der Jobsuche unterstützt
Jemand, der sich kümmert ... Ein Blogbeitrag von Eva Keller über eine Fachtagung zur Inklusion in Ausbildung und Arbeit
Potenziale nutzen – mit Aktionsplänen. Ein Interview im Blog von Stefanie Wulff mit Rainer Wallbruch über Aktionspläne von Unternehmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

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