Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Die inklusive Liste

Welchen Beitrag leistet das Einwohnermeldeamt zur Inklusion? Einen ganz erstaunlichen, ohne das so zu beabsichtigen. Jedes Jahr nämlich schickt das Amt an die Grundschulen ringsherum eine Liste aller schulpflichtigen Kinder - auch an die Comeniusschule im Frankfurter Nordend. Rektorin Ulrike Haarmann-Handouche nennt sie die "inklusive Liste". Denn an den Namen der Kinder lässt sich ablesen, aus welchem Land die Familie stammt; aus der Adresse kann man erahnen, unter welchen Umständen das Kind aufwächst. Aber ob ein Kind Legasthenie oder das Down-Syndrom, einen Rollstuhl hat oder gehörlos ist - das gibt die Liste nicht preis. Von einer Behinderung hat die Schule immer erst dann erfahren, wenn die Eltern mitgeteilt haben: Unser Kind kommt für die Regelschule nicht in Frage.
Bislang.

Doch seit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat sich etwas verändert: "Die Eltern machen von ihrem Recht Gebrauch, sich zu zeigen", sagt Haarmann-Handouche. Als im Frühjahr ein Junge im Rollstuhl mit seiner Mutter an der Bürotür klopfte, war die Rektorin völlig verblüfft - zumal es in dem alten Schulgebäude keinen Aufzug gibt. Und als die Mutter eines schwer kranken Mädchens, das nicht einmal einen Kindergarten besuchen kann, gerührt anrief, um sich für die Einladung zu bedanken, ermunterte die Rektorin die Familie, zur Anmeldung in die Schule zu kommen. Sie kamen - und fotografierten das Mädchen auf dem Pausenhof "seiner" Schule.

Gelungener Perspektivwechsel
"Wir wollen die Kinder mit offenen Armen empfangen - auch wenn es schwierig wird", sagt Ulrike Haarmann-Handouche. An den Schulen sorgt die UN-Konvention also für einen Perspektivwechsel. Das heißt, dass die Schule anerkennt: Nicht das Kind hat ein Handicap, sondern die Schule. Und dass die Schule fragen muss: Was kann das Kind? Was braucht das Kind? Was können wir leisten? Am Runden Tisch besprechen Lehrer, Eltern, Therapeuten und Schularzt diese Fragen. Der Junge im Rollstuhl und seine Eltern haben sich schließlich gegen die Comeniusschule entschieden - die vielen Treppen und die schmalen Türen hätten den Schulalltag zu beschwerlich gemacht. Die Schranken im Kopf sind also weg - um aber die räumlichen Barrieren abzubauen, braucht es noch etwas Zeit und Geld...

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