Freiwilliges Engagement, Aktion Mensch-Blog

Die etwas andere Studentenbude

In Saarbrücken können Studierende ein vergünstigtes Zimmer bekommen. Das Besondere: Das kleine Studentenheim ist Teil einer Seniorenwohnanlage, und die Studierenden sind aufgefordert, die älteren Bewohner zu unterstützen. Die angehenden Akademiker, die im „Haus am Steinhübel“ untergekommen sind, legen dabei eine erstaunliche Kreativität an den Tag.

Foto: Dieter Horn, WfH

1-Zimmer-Appartement, gepflegt, 20 qm, Duschbad, Balkon mit Blick über Saarbrücken, günstig zu mieten. In Zeiten akuter Wohnungsnot dürfte das ein traumhaftes Angebot für Studierende sein. Obendrein können sie hier jede Menge Erfahrungen sammeln, die man in keinem Hörsaal machen kann. Denn die 19 Studentenwohnungen sind Teil der Seniorenwohnanlage „Haus am Steinhübel“, und der akademische Nachwuchs ist angehalten, das gemeinsame Wohnen der Generationen engagiert mitzugestalten. Das Projekt heißt „Wohnen für Hilfe“ und wurde von der Seniorenhilfe Kreuznacher Diakonie in Kooperation mit dem Studentenwerk im Saarland initiiert.

Oliver Siegemund studiert im 6. Semester Religion und Deutsch auf Lehramt. Der 39-Jährige ist seit 2009 dabei und damit der „Dienstälteste“ unter den studentischen Bewohnern. Er erklärt das System so: „Jeder verpflichtet sich, mindestens acht Stunden im Monat für die älteren Bewohner da zu sein. Einteilen kann man sich diese Zeit ganz flexibel.“ Die Studierenden helfen den Bewohnern beim Aufräumen, unternehmen Spaziergänge oder unterhalten sich einfach. Einige der Engagierten gründen auch Projektgruppen, legen dann einen Kräutergarten an, etablieren einen Lesekreis oder bieten ein Sportprogramm an. Oliver Siegemund begleitet seit Jahren den hochbetagten Herrn Mayer: „Anfangs haben wir noch Quizspiele machen können, inzwischen läßt das die körperliche und geistige Verfassung nicht mehr zu. Oft setze ich mich mit einem Mit-Studenten an sein Bett. Wir unterhalten uns und versuchen Herrn Mayer so gut es geht einzubeziehen.“

Doch wie geht man als studentischer Bewohner damit um, dass ein kognitiv eingeschränkter Senior in einem Gespräch mehrmals dasselbe erzählt? Was ist zu tun, wenn einem Ablehnung entgegen schlägt? Andrea Sieger ist Leiterin des Projekts „Wohnen für Hilfe“. Sie erklärt dazu: „Wir haben ein mehrstufiges Auswahlverfahren etabliert, um solche Studierenden zu finden, die ausreichend Sensibilität und Geduld, aber auch Engagement mitbringen. Der Umgang mit schwierigen Situationen wird in vorbereitenden Workshops thematisiert.“

Das „Haus am Steinhübel“ nennen die Bewohner gerne eine „wertvolle WG“, weil jede Generation von den Erfahrungen und dem Wissen der Anderen profitiert. Die 84-jährige Bewohnerin, die durch die Hilfe einer Studentin jetzt im Internet unterwegs ist und Facebook-Freunde sammelt, ist nur eines von vielen Beispielen dafür. Oliver Siegemund spricht wohl für die meisten Studierenden von „Wohnen für Hilfe“, wenn er sagt: „Mir ging es nie darum, einfach nur Miete zu sparen. Was ich hier tue, hat sich nie wie Arbeit angefühlt.“

http://www.wohnen-hilfe.de
Weitere Projekte zum Wohnen in der Freiwilligendatenbank

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