Inklusion, Aktion Mensch-Blog

didacta 2012 – Inklusion light?

Fotos: Deutsche Messe Hannover

Mit den Tests fängt alles an, mein Messebesuch und die Förderkarriere vieler Kinder. Gleich in der ersten Halle der didacta fällt mir ein Stand auf, der Tests zu Intelligenz, Gedächtnis, Logik, Rechnen, Sprache im Angebot hat. Alles kann erfasst und bewertet werden. "Defizitorientiert" sind solche Tests oft, sagen Kritiker. Weil Kinder gewisse Dinge nicht verstehen, werden sie bestimmten Schulformen zugewiesen.

Handbücher, Material und Beispiele

Aber es geht auch anders. Es gibt andere Diagnose-Methoden – und wer Schüler mit Behinderung fördern möchte, findet dazu auf der didacta erste Unterrichtsmaterialien. Der Raabe Verlag hat für Lehrer und Schulleiter je ein Handbuch zur Umsetzung von Inklusion entwickelt, ergänzt um differenzierende Materialien. Die Förderbedürfnisse bei unterschiedlichen Behinderungen wie Autismus, Sinnesbehinderung, Hochbegabung werden hier nicht beschrieben – aber diese Lücke füllt der Band "Eine Schule für alle: Inklusion umsetzen in der Sekundarstufe" des Vereins Mittendrin. Und: Das Buch zeigt anhand vieler Beispiele nicht, wie Inklusion funktionieren kann – sondern bereits funktioniert.
Für den inklusiven Englisch-Unterricht hat Diesterweg "London Bridge" konzipiert. Ein Buch, das thematisch und mit seinem Charakter an die anderen Englisch-Bücher des Verlags anknüpft, Texte und Aufgaben aber auf die Fähigkeiten lernschwacher Schüler abgestimmt hat. Hm. Ist es denn noch gemeinsames Lernen, wenn die Kinder einer Klasse unterschiedliche Bücher bekommen?

Inklusion light?

Die Kunst im "heterogenen Unterricht", so sagt die Mathematik-Didaktikerin Prof. Dr. Marianne Grassmann, als sie ihr Primo-Lehrbuch vorstellt, liege darin, eine Aufgabe so zu stellen, dass jeder Schüler darauf eine Antwort findet – zum Beispiel durch offene Fragestellungen. Allerdings stellt sie nebenbei klar, dass sie dabei nicht Kinder mit Down-Syndrom, Blinde, Hörgeschädigte im Blick hat - die würden auf anderen Wegen lernen. Was soll das nun heißen: Dass Inklusion nur mit Kindern mit Lernbehinderungen funktioniert? Dass unter dem Label "Heterogenität" so eine Art "Inklusion light" vorangetrieben wird? Oder dass Inklusion ihre Grenzen in der Vermittlung von Mathematik findet?

Noch kein Konsens

Inklusion: Der Begriff und die Idee sind in den Messe-Hallen überall präsent, irgendwie. In der Technik-Ecke, wo Whiteboards und iPads als Wunderwerkzeuge für einen "Unterricht für alle" angepriesen werden; am Stand der GEW, die ihre Mitglieder beherzt einstimmt auf die neuen Zeiten; an den Design-Ständen, wo Lehrer – mit Blick auf ihre neuen Schüler – Werkbänke mit Aussparungen für Rollstühle begutachten können; in den Diskussionen, in denen deutlich wird: Darüber, wie der Unterricht sich verändern wird und muss, herrscht noch keine völlige Klarheit, kein Konsens. Der beste Beleg: ein Verlagsvertreter, der sagte: "Inklusion? Ach, wenn wir wollten, könnten wir das auf all unsere Fördermaterialien schreiben."

Weitere Informationen:
Inklusionskampagne der Aktion Mensch: Handlungsfeld Bildung
Aktion Mensch: Kostenlose Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Schüler zum Thema "Inklusion in der Schule"

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