Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Design für ein selbstbestimmtes Leben

Beim Universellen Design, auch „Design für alle“ genannt, ist die Nutzerfreundlichkeit ein wichtiges Grundprinzip

Wäscheklammern von Björn Kwapp: Jede Idee erweitert den Handlungsspielraum Björn Kwapp

Nicht jeder hat so bewegliche Zehen wie der Hornist Felix Klieser, der ohne Arme zur Welt kam und das Blasinstrument mithilfe seines linken Fußes außerordentlich gut beherrscht. Daher gibt es Instrumente, die das Musizieren erleichtern – auch ohne ein Ausnahmetalent zu sein. Die Fuldaer Firma Mollenhauer hat eine Blockflöte mit einer ausgeklügelten Klappenkonstruktion gebaut, die alle Funktionen in die Finger einer Hand legt. Dafür gab es den jetzt erstmals vergebenen Hessischen Staatspreis Universelles Design, der zudem ein Theater-Leitsystem und Badserien mit Duschsitzen und Haltegriffen ausgezeichnet hat.

Schönheit und Funktionalität

Universelles Design, auch „Designfür alle“ genannt, erhebt die Nutzerfreundlichkeit zum Grundprinzip. Es ist ein sozialer Gestaltungsansatz, der möglichst vielen Menschen unsere Umwelt zugänglich machen soll. „Alle“ meint nicht nur körperlich beeinträchtigte oder ältere Menschen – auch wenn der demografische Wandel ein großer Motor für Entwicklungen in diesem Bereich ist. Und es gibt noch ein weiteres wichtiges Prinzip, das Produkt soll nicht herabwürdigen. Ziel ist es, Dinge zu machen, die für alle gut sind, wo jeder denkt: Das will ich auch. Da zählen sowohl Schönheit als auch Funktionalität. Ein Experimentierfeld auch für die Designstudenten u. a. der Universität der Künste Berlin. Florian Schreiner hat dort jüngst einen Waschtisch entworfen, der Wickeltisch, Wasserspielplatz oder eine unterfahrbare Waschgelegenheit zur Nutzung mit einem Rollstuhl sein kann. Eine Erfindung, die nicht auf Defizite, sondern Potentiale zielt.

Von der Wäscheklammer bis zur Stadtplanung

Gefragt sind kleine Helfer und große Konzepte – und vor allem viele davon. Denn ein Produkt ist niemals universell. Es gibt immer einen Aspekt oder einen Nutzer, den es nicht berücksichtigt. Doch jede Idee erweitert den Handlungsspielraum: Von der Wäscheklammer im hübschen Birkenfunier, die leicht aufzustecken ist, bis hin zu intelligenten Möbeln, die den Puls messen und Alarm schlagen können. Vom Mehrgenerationenhaus bis hin zur Gestaltung von Städten und Gemeinden. Wie diese vor dem Hintergrund der wachsenden älteren Bevölkerung aussehen könnten, damit beschäftigt sich Ende Oktober erstmals die Messe „Zukunft Lebensräume“ in Frankfurt am Main, die die Bereiche Bauen, Wohnen und Gesundheit in den Fokus nimmt.

Für ein selbstbestimmtes Leben

Zudem tut sich was in Sachen Kultur: Das Kino in Deutschland soll inklusiver werden. In der Novellierung des Filmförderungsgesetzes wurde in diesem Jahr beschlossen, dass von jedem in Deutschland geförderten Film sowohl eine Fassung mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen als auch eine mit Untertiteln für hörgeschädigte Menschen produziert werden soll. Davon ist noch kein Vorführraum barrierefrei, aber auch hier soll es Verbesserungen geben.
Universelles Webdesign und mobile Barrierefreiheit wurden in diesem Jahr auf der re:publica-Konferenz für Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft erstmals ausführlicher thematisiert. Viele Errungenschaften erleichtern schon jetzt ein selbstbestimmteres Leben, darunter ein mobiler Übersetzungsdienst, der gesprochene Sprache in Schrift umwandelt und bei Bedarf via Internet live zugeschaltet werden kann. Von der Blockflöte bis zum mobilen Endgerät – es ist ein weites Spektrum, in dem Universelles Design sich bewegt. Und da auch der Markt dafür mit der alternden Bevölkerung wächst, sind spannende Entwicklungen zu erwarten.


Linktipps:
Mehr Infos über das „Design für alle“ beim Handlungsfeld „Inklusion leben: Barrierefreiheit“ der Aktion Mensch
Mehr zum Thema barrierefreies Wohnen beim Familienratgeber
Barrierefreies Wohnen in Perfektion. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über neue Technik für barrierefreies Wohnen
Spielend barrierefrei bauen. Ein Blogbeitrag von Christian Schmitz über VAALIDATE, ein Simulationsprogramm zum Testen von Barrierefreiheit
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