Der Lauf meines Lebens

von

Ein Marathon-Lauf ist eine riesige Herausforderung für jeden Sportler. Und eine noch größere, wenn der Läufer blind ist. Wie das überhaupt geht, wie man sich für diese Leistung motiviert und was das Besondere am Kölner Marathon ist. Marcel Wienands berichtet von seinem ersten großen Lauf.

Köln-Marathon 2014: Bis zum Schluss alles gegeben

Kai Engelhardt / flickr.com

Die Trainingsgestaltung

42,195 Kilometer! Das ist die Strecke, die für die Königsdisziplin im Laufen, dem Marathon, überwunden werden muss. Eine interessante und reizvolle Herausforderung, die sich viele Sportler im Laufe ihres Lebens einmal zum Ziel setzen. Anfang dieses Jahres fasste ich für mich den Entschluss, diese Challenge anzunehmen, wenngleich dies für blinde Sportler eine viel größere Schwierigkeit darstellt als für Sehende. Hindernisse treten im Training und im eigentlichen Wettkampf auf. Aus der Tatsache, nicht alleine laufen zu können, resultiert eine gewisse Abhängigkeit, die jedoch nicht nur negativ ist. Ich habe einen Freund als Begleitläufer, auch Guide genannt, was neben der Motivation auch weitere positive Auswirkungen mit sich bringt. Wir beide sind beim Laufen durch ein Band, welches wir in der Hand halten, miteinander verbunden. Das war für mich eine Umstellung, da ich vor meiner Erblindung vor einem Jahr selbstständig und ohne fremde Hilfe laufen gehen konnte. Wir spielten uns als Team schnell ein, und heute ist es für uns zur Selbstverständlichkeit geworden, dass mein Freund mir Hindernisse und den Streckenverlauf ansagt, damit ich mich besser darauf einstellen kann. Zu Beginn des Trainings hatten wir eine gewisse Grundfitness, da wir beide aktive Sportler sind und an der Sporthochschule in Köln studieren.

Der Wettkampf

Der lang ersehnte Wettkampftag, für den wir lange und viel trainiert hatten, kam. Für uns war klar, dass wir am Marathon in unserer Heimat in Köln, der für gute Stimmung bekannt ist, teilnehmen wollen. Begleitet von positiver Aufregung nahm ich meine Vorbereitungen für den Lauf vor, darunter ein lockeres Aufwärmen der Muskulatur. Abgesehen von der zu bewältigen Distanz stellte die Menschenmenge für uns das größte Problem dar. Damit wir uns darauf vorbereiten konnten, sind wir zwei Wochen vorher bereits beim Kölner Brückenlauf gestartet. Nach dem Start überquerten wir zunächst die Deutzer Brücke, dann ging es in den Kölner Süden. Unsere Pace, also unsere Durchschnittsgeschwindigkeit, lag bei 5:30 Minuten auf den Kilometer, womit wir eine Zeit unter vier Stunden erreichen konnten. Die Strecke verläuft entlang vieler sehenswerter Orte, die ich aus dem Alltag kenne. Dennoch gab mir mein Freund während des Laufs immer wieder Informationen zur Umgebung. Wir passierten zum zweiten Mal den Rudolfplatz und erreichten die 21-Kilometer-Markierung, womit wir die Hälfte geschafft hatten. Bis hier lief alles problemlos, auch wenn sich so langsam Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen. Ab und zu erhielten wir Lob von anderen Läufern, die unsere Besonderheit erkannten, was sehr motivierend war. Doch auch das konnte nicht verhindern, dass ich nach etwas mehr als 30 gelaufenen Kilometern Krämpfe in den Beinen bekam.

Das Ziel vor Augen

Dann haben wir etwas Tempo rausgenommen, da wir schließlich noch knapp 12 Kilometer zu absolvieren hatten. Ich war mir bewusst, dass wir mit jedem Schritt dem Ziel näher kommen, und wollte unbedingt ankommen, erst recht, nachdem wir schon so viel hinter uns gelassen hatten. Hinzu kam, dass der letzte Streckenabschnitt noch einmal durch die Innenstadt bis hin zum Ziel am Kölner Dom führt. Der psychologische Vorteil lag also auf unserer Seite. Außerdem war es eine ganz besondere Atmosphäre unter den Läufern, die sich vor allem auf den letzten Metern gegenseitig motivieren. Angetrieben von lauter Musik sowie den vielen Zuschauern liefen wir sichtlich erschöpft mit einer Zeit von 4:15:19 h ins Ziel. Die Stimmung beim Zieleinlauf motivierte uns, bis zum Schluss hin alles zu geben. Als abschließendes Highlight moderierte uns Tom Bartels, bekannt als Fußball-TV-Kommentator, auf der Zielgeraden an. Auch wenn wir für das hohe Tempo zu Beginn ein wenig Tribut zollen mussten, sind wir mit unserer Zeit für unseren ersten Marathon zufrieden.

Linktipps:

Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport

Mit rheinischer Mentalität nach oben. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit Dieter Wolf, Trainer der Blindenfußballmannschaft vom PSV Köln, über Inklusion im Sport und die Entwicklung im Blindenfußball

Mitleid-Crisis. Ein Blogbeitrag von Raul Krauthausen über die Diskussion, wenn Sportler mit Prothesen weiter springen als ihre nicht-behinderten Kollegen – ein Anfang für mehr Miteinander?

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