Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Der VIP-Status

Auch wenn ich gerade mal wieder im Urlaub bin, wird dies kein klassischer Urlaubsblog über die Barrierefreiheit oder die inklusive Gesinnung anderer Länder. Stattdessen geht es um das seltsame Phänomen des "Überall-wiedererkannt-Werdens", das sicherlich viele andere Menschen mit Behinderung auch kennen.

Inspiriert zu diesem Beitrag wurde ich dadurch, dass ich heute zum gerade mal zweiten Mal in meinem Leben den Guess-Laden in Willemstad auf Curaçao besuchte, und von der Verkäuferin sofort damit begrüßt wurde, dass ich vor einem Jahr schon mal dagewesen sei. Sie erinnerte sich sogar noch genau daran, was ich gekauft hatte (eine karierte rote Bluse). Spontan gratulierte ich ihr zu ihrem guten Gedächtnis und mir zu meinem VIP-Status, denn mal vorausgesetzt, dass die Verkäuferin kein fotografisches Gedächtnis hat, nehme ich an, dass sie sich nicht die Einkäufe jeder Kundin merkt, sich jedoch erinnern würde, sollte jemals eine berühmte Schauspielerin, Modell oder Sängerin bei ihr einkaufen.

Ich verließ den Laden jedoch auch leicht verwirrt. Gerne würde ich dieses Wiedererkennen dem unvergesslichen Eindruck zuschreiben, den meine Persönlichkeit hinterlässt, bin mir jedoch durchaus bewusst, dass es eher mein Rollstuhl und mein durch die Behinderung veränderter Körper ist, der dieses hohe Erinnerungsvermögen bei meinen Mitmenschen auslöst.

Vorsicht: Verwechslungsgefahr!

Beim Weiterbummeln grübelte ich weiter über dieses Thema nach, und mir fiel meine Studienzeit ein, in der das Prüfungsamt meine Freundin Katrin und mich unzählige Male miteinander verwechselte. Katrin und ich sitzen beide im Rollstuhl und haben zur selben Zeit in Bochum Psychologie studiert. Damit enden unsere Gemeinsamkeiten aber auch schon fast, denn während Katrin lange rote Haare hat, sich meist in dunkle, gedeckte Farben und lange, weite Schnitte kleidet, habe ich blonde kurze Haare und trug zu Unizeiten gern kurze, enge Klamotten in bunten Farben. Trotzdem wurden wir (von denselben zwei Personen!) immer wieder mit dem Namen der jeweils anderen angesprochen. Offensichtlich reichte das optische Signal "Rollstuhl" aus, um sofort eine bestimmte Schublade aufzuziehen.

Die Person zählt, nicht der Rollstuhl

Bedeutet das nun, dass der Rollstuhl und der veränderte Körper alles andere überstrahlen und nur dieser hervorstechende Reiz noch wahrgenommen wird? Das wäre ein deprimierendes Messergebnis zum aktuellen Stand der Inklusion! Doch zum Glück weiß ich, dass dies nur auf flüchtige Bekanntschaften zutrifft. Meine Freunde und Kollegen hingegen, die mich gut kennen, nehmen nur noch mich als Person, nicht mehr den Rollstuhl wahr. Und bringen mich und andere immer wieder ungewollt zum Schmunzeln, wenn sie mir "leicht" rollstuhluntaugliche Aktivitäten wie Kanu-Fahren oder Mit-Delphinen-Schwimmen vorschlagen und ihnen erst nach einigen mehr oder weniger dezenten Hinweisen einfällt: "Ach Mensch, du sitzt ja im Rollstuhl, hab ich ganz vergessen – okay, das könnte schwierig werden mit dem Bungeejumping!"


Linktipps:
Karibik-Feeling. Ein Blogbeitrag von Petra Strack über ihren ersten Urlaub auf Curacao
Down Under – Steht alles auf dem Kopf? Ein Blogbeitrag von Petra Strack über den erfrischend selbstverständlichen Umgang der Australier mit dem Thema Behinderung
Berührungsängste abbauen. Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über Probleme im Umgang mit Menschen mit Behinderung
Streicheleinheiten, Schokolade und schöne Sprüche. Ein Blogbeitrag von Marie Gronwald über Begegnungen in der Vorweihnachtszeit

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?