Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Der Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen – das Philosophicum-Projekt in Frankfurt

 

Philosophicum in Frankfurt Fotos: Bürgerinitiative Zukunft Bockenheim

Thomas will raus aus dem anonymen Hochhaus. Sabrina würde am liebsten mit ihrem Freund zusammen ziehen. Jasmin sucht eine betreute WG. Michael will zentral wohnen, damit sein Weg zur Arbeit nicht mehr so weit ist. Und Jessica will mehr Platz haben als in ihrem jetzigen Zimmer. Wenn alles gut geht, könnten die Wünsche dieser jungen Erwachsenen in zwei Jahren Wirklichkeit werden.
Wenn alles gut geht, das heißt: Wenn das Denkmalamt sich für den Erhalt des "Philosophicums" im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ausspricht und die Kosten für die Umwandlung in ein Wohngebäude für zumutbar hält. Und wenn die Genossenschaft selbst, die sich genau dafür einsetzt, die millionenschwere Finanzierung gesichert hat.

Hässlicher Kasten, Störfaktor oder Chance?

Das Philosophicum war Sitz der Philosophischen Fakultät, bis der Umzug der Uni Frankfurt auf den neuen "Campus Westend" begann. Für die einen ist das denkmalgeschützte Nachkriegsgebäude schlicht ein hässlicher Kasten; für die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG ist es ein Störfaktor in der großzügigen Neuplanung und -bebauung des Quartiers – für die Genossenschaftler aber ist es die Chance auf gemeinschaftliches Wohnen für rund 120 Menschen, auf 8 Stockwerken und rund 900 m².

Bei den Treffen, auf denen über Wohnformen und Finanzierungsmodelle diskutiert wird, sind auch Thomas, Jessica und Michael immer mal wieder dabei. Sie gehören zu einer Gruppe junger Erwachsener mit Behinderung, die vom Verein "KOMM Ambulante Dienste beim selbständigen Wohnen oder auf dem Weg zum selbständigen Wohnen unterstützt werden. Jetzt geht KOMM in dieser Unterstützung einen Schritt weiter: Stellvertretend für die jungen Erwachsenen hat der Verein nämlich Anteile an der Genossenschaft gekauft. Außerdem hilft er ihnen, ihre Interessen auf den Genossenschaftstreffen zu vertreten. "Manchmal sind die Diskussionen ziemlich abstrakt, so dass unsere Leute schwer folgen können", sagt Ralf Kern von KOMM e.V. "Um zu veranschaulichen, wie gemeinschaftliches Wohnen aussehen könnten, besuchen wir deshalb auch Wohnprojekte im Rhein-Main-Gebiet."

Barrierefrei – in allen Varianten

Nicht zuletzt dank solcher Anregungen sind die Vorstellungen für das Philosophicum schon recht präzise. Im Erdgeschoss und im ersten Stock sollen die Gemeinschaftsräume Platz finden, also ein Café, Ateliers, Kindertagesstätte, außerdem würde KOMM seine Büro- und Beratungsräume dorthin verlagern. Darüber ist barrierefreies Wohnen in allen Varianten geplant, vom Single-Appartement bis zur Wohnung mit mehreren Bädern. Möglich macht dies der Stahlskelettbau: Weil es keine tragenden Wände gibt, lassen sich die Räume nach individuellen Wünschen und Standards zur Barrierefreiheit planen.

Die künftigen Bewohner sollen die gut gemischte Bevölkerung Bockenheims widerspiegeln: Familien mit Kindern, Gut- und Geringverdiener, Alt und Jung, verschiedene Nationalitäten und Handicaps. "Für unsere jungen Erwachsenen bedeutet das: in guter Nachbarschaft leben, unter Menschen, die sie akzeptieren und integrieren", sagt Ralf Kern. Inklusion beim Wohnen wäre das also – und für die 700.000-Einwohner-Stadt Frankfurt das allererste Projekt für gemeinschaftliches Wohnen.


Linktipps:
Mehr Infos zur Wohngenossenschaft "Wohngeno eG", die auch das Frankfurter Philosophicum-Projekt vorantreibt
Der Verein "KOMM Ambulante Dienste" unterstützt Mensch mit Behinderung, die außerhalb von Familie oder Wohnheim leben oder leben möchten
Auf der Frankfurter "Wohnbörse" stellen sich jedes Jahr Projekte für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen vor
Das "Mietshäuser Syndikat" ist ein Zusammenschluss von selbstorganisierten Wohnprojekten, das andere berät
Mehr zum Thema barrierefreies Wohnen beim Familienratgeber
Wie in einer großen Familie. Teil 1 des Berichts von Margit Glasow über das Stadtentwicklungsprojekt "Mitte Altona"
Barrierefreies Bauen und Wohnen. Teil 2 des Berichts von Margit Glasow über das Stadtentwicklungsprojekt "Mitte Altona"

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