Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Der Reiz des Andersseins

„Verflüchtigung“ heißt die inklusive Theater-, Musik- und Tanzproduktion, die ab dem 14. Mai in Köln im Rahmen des „Sommerblut Festivals“ zu sehen ist. 20 junge Künstlerinnen und Künstler aus 12 Ländern spüren dabei dem Anderssein, dem „Nicht-der-Norm-Entsprechen“ nach. Und damit der Frage, was es bedeutet, wenn sich Menschen in unserer modernen Gesellschaft nicht den gängigen Standards anpassen können.

Probe zu „Verflüchtigung“: Trotz Unterschieden ein Miteinander Foto: MEYER ORIGINALS / foto@meyeroriginals.com

Ich betrete das kleine, bunte und wunderschöne Zirkuszelt im Kölner Norden, und es kommt mir vor, als gleite ich sogleich in eine andere Welt. Künstlerinnen und Künstler mit und ohne Behinderung bewegen sich tanzend, singend oder musizierend durch das Zirkusrund. Sie proben und sprechen miteinander auf Englisch, Niederländisch, Deutsch, Französisch und in der Gebärdensprache. Hannah, die Gebärdensprachdolmetscherin, hat alle Hände voll zu tun, um für die gehörlose, tschechische Akrobatin Misha Kosieková und den gehörlosen Tänzer Dodzi Dougban zu übersetzen. „Das erleichtert mir die Zusammenarbeit mit den hörenden Künstlerkollegen sehr“, versichert Dodzi.

Absurdität unserer Vorurteile

„Verflüchtigung“ erzählt die Geschichte von Spaltung und Annäherung. Da sind zunächst die beiden verfeindeten Lager: die Genormten, klar definiert durch ihre gemeinsamen Eigenschaften. Und die Anderen, die durch ihr Anderssein von der Norm abweichen und deshalb zum Sündenbock werden. „Im Verlauf des Stückes zeigt sich, wie lächerlich und unsinnig die Abgrenzung von 'normal' und 'unnormal' ist“, erklärt mir Regisseur Costas Lamproulis, der aus Griechenland kommt. Verflüchtigung entlarvt die Absurdität unserer Vorurteile, zugleich aber gibt die Theaterperformance Zuversicht und Hoffnung, indem sie einen Weg aufzeigt, wie trotz der Unterschiede ein Miteinander gelingen kann.

Einmalig in Europa

Auf der Grundlage von Identität und Anderssein haben die Künstler gemeinsam mit Regisseur Lamproulis, der Choreografin Sabine Lindlar und dem musikalischen Direktor Markus Brachtendorf Ideen entwickelt, die in den einzelnen Szenen des Stückes zusammengebracht werden. „Das Besondere an unserem Stück und dem gesamten Sommerblut Festival“, sagt die im Rollstuhl sitzende Schauspielerin Jana Zöll, „ist die Tatsache, dass es interdisziplinär, international und inklusiv zugleich ist.“ So ist nicht nur die Ensemblebesetzung multikulturell und inklusiv, sondern auch das Zusammenspiel der unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen von Musik, Tanz, Schauspiel, Akrobatik und Videokunst.

„Ich habe umfangreich recherchiert, aber nichts Vergleichbares gefunden“, erzählt mir Projektleiterin Lisette Reuter. „Dass Künstler aus verschiedenen Bereichen und Ländern, mit und ohne Behinderung, zusammenarbeiten und gemeinsam ein Stück entwickeln, das ist, soweit ich weiß, einmalig und neu in Europa.“ Und Musiker Maximiliano Estudies versinnbildlicht: „Es ist wie eine große Suppe, und man muss probieren, ob sie einem schmeckt oder nicht.“ Die Atmosphäre während der Proben jedenfalls ist konzentriert, kollegial und mitreißend – verflüchtigen möchte sich hier offensichtlich so schnell niemand.

Inklusion live erleben

Wer selbst erleben möchte, was Inklusion bedeutet und wie Inklusion gelebt werden kann, der sollte sich auf den Weg ins Kölner Zirkus- und Artistikzentrum (ZAK) machen und sich „Verflüchtigung“ ansehen. Die Premiere findet dort am 14. Mai um 20 Uhr statt, weitere Termine sind der 15., 16. und 17. Mai, jeweils um 20 Uhr. Am 14. und 17. Mai werden die Vorstellungen von Gebärdensprachdolmetschern begleitet. Weitere Gastspiele sind unter anderem in Dortmund und Bonn geplant. Für die Zukunft hat das Team geplant, noch weitere Gastspiele im In- und Ausland zu verwirklichen. Auch der Aufbau eines internationalen Ensembles von Künstlern mit und ohne Behinderung ist ein Traum, den die Gruppe verwirklichen möchte.

Die Aktion Mensch beteiligt sich als Förderer am Projekt „Verflüchtigung“. Alle weiteren Informationen finden sich auf der Programm-Seite des Sommerblut Festivals und der Facebook-Seite von „Verflüchtigung“.


Linktipps:
SOMMERBLUT – das Festival der Multipolarkultur
Sommertheater Pusteblume e.V.
Aktuelle Infos über „Verflüchtigung“ auf Facebook
„Verflüchtigung“ – die Webseite: www.verfluechtigung.eu
„Verflüchtigung“ – Ein Blick hinter die Kulissen der ersten Proben (Video)
"Die Ästhetik des Ungewöhnlichen inszenieren". Ein Interview im Blog von Carmen Molitor mit Gründerin Gerda König über die Kölner Tanzcompany DIN A 13
Carmina Burana – inklusiv und open air. Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über ein Tanzprojekt mit 150 Tänzerinnen und Tänzern mit und ohne Behinderung
„Menschen spielen Menschen“. Ein Blogbeitrag von Carmen Molitor über das Theaterstück "Unter Irren" des integrativen Ensembles der Opernwerkstatt am Rhein

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