Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Der neue Bluttest – Fluch oder Segen?

von Carina Kühne

Demnächst soll ein neuer Bluttest der Firma Lifecodexx auf den Markt kommen. Mit diesem Test kann man schon in der 10. Schwangerschaftswoche feststellen, ob das ungeborene Kind eine Chromosomenanomalie hat. Bisher war dies nur mit einer Fruchtwasseruntersuchung möglich.

Das ist natürlich ein großer Fortschritt. Ich kann gut verstehen, dass alle werdenden Eltern sich ein gesundes Kind wünschen. Aber es gibt sehr viele verschiedene Behinderungen, die man mit diesem Test nicht ausschließen kann, und die meisten erwirbt man auch erst im Laufe des Lebens.
Da man das Down-Syndrom nicht therapieren kann, dient dieser Test nicht dazu zu heilen, sondern ausschließlich der Selektion. Das macht mich sehr betroffen, weil es wahrscheinlich bald – wenn dieser Früherkennungstest zur Routineuntersuchung wird – kaum noch Menschen geben wird, die wie ich mit dem Down-Syndrom leben. Schließlich werden heute schon 95 % der Föten abgetrieben, wenn man eine Trisomie 21 feststellt.

Schade, dass die Vorstellung, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, für die meisten Menschen so erschreckend ist. Vielleicht würde sich das ändern, wenn sie uns kennen lernen würden. Ich war am 5. Mai beim 10. Deutschen Down-Sportlerfestival der Firma Hexal in Frankfurt und durfte viele glückliche und fröhliche Kinder mit Trisomie 21 und ihre Familien sehen. Sicher hatten auch diese Eltern Angst davor, was auf sie zukommt. Heute möchten sie sicherlich nicht mehr auf diese liebenswerten Kinder verzichten!

Die meisten Menschen mit Down-Syndrom leben gerne und leiden auch nicht unter der Chromosomenanomalie. Ich frage mich, was wird, wenn sich eine schwangere Frau gegen diesen Test oder trotzdem für ihr behindertes Kind entscheidet? Verweigern die Krankenkassen dann die notwendigen Therapien und Behandlungen, weil man das ja hätte verhindern können?
Leider müssen sich Eltern behinderter Kinder schon heute die Frage gefallen lassen, "ob das denn sein musste". Ich finde jedenfalls, dass unsere Welt ärmer wäre, wenn es diese Menschen nicht mehr gäbe.
Wir gehören doch dazu!


Linktipps:
Erster offizieller Welt-Down-Syndrom-Tag: Ein Blogbeitrag von Carina Kühne
Familienratgeber: Vorgeburtliche Diagnostik
Die Zeit Online: Früher erkennen
Deutsches Ärzteblatt: Pränataltest zur Erkennung von Trisomie 21: Warnung vor Automatismus

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