Freiwilliges Engagement, Aktion Mensch-Blog

"Den Ballast von den Schultern der Ehrenamtlichen nehmen"

Ohne Ehrenamt kein Vereinssport. Doch was ist zu tun, wenn genau diese Ehrenamtlichen wegbleiben? Wir haben mit dem Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Walter Schneeloch, über Nachwuchssorgen gesprochen und darüber, wie das Engagement im Verein wieder attraktiver werden kann.

Freut sich über den Bürokratieabbau im Ehrenamt: Walter Schneeloch

Herr Schneeloch, welche Rolle spielt Ehrenamt für den organisierten Sport?

Der Sportentwicklungsbericht der Sporthochschule Köln zeigt, dass sich 8,85 Millionen Menschen ehrenamtlich für den Sport engagieren. Konkret übernehmen rund 13 Prozent der Mitglieder in den Vereinen eine Aufgabe im Ehrenamt - somit kommt also auf jede achte Mitgliedschaft eine ehrenamtliche Position. Anders könnten kleine Vereine wohl auch gar nicht überleben. Ihnen fehlen schlicht die Mittel, um die Arbeit zu entgelten, die von Ehrenamtlichen übernommen wird. Man könnte also sagen, dass das Ehrenamt mit dem Sport so verwoben ist, wie mit sonst kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich.

8,85 Millionen ist eine stattliche Zahl. Ist dieses hohe Engagement-Level stabil?

Leider geht die Bereitschaft zum Ehrenamt zurück. Diese Entwicklung beobachtet der DOSB mit großer Sorge. Hinzu kommt, dass sieben Millionen der knapp neun Millionen Ehrenamtlichen sich lieber in Projekten als in festen Positionen wie dem Vorstandengagieren. Das ist sehr schade. Viele vor allem kleine Vereine klagen, dass sie für die wichtigen Posten kaum Leute finden. Der DOSB muss in Zukunft unbedingt Lösungen finden, um den Vereinen hier Unterstützung anbieten zu können.

Welche Ansätze gibt es bereits?

Beispielsweise Initiativen wie „Junges Ehrenamt im Sport“: Im Dezember letzten Jahres haben 30 Jugendliche im Alter von 17 bis 25 Jahren in Nordrhein-Westfalen ein Stipendium erhalten, das auf ein Jahr angelegt ist und ihnen monatlich 200 Euro zur Verfügung stellt. Auf diese Weise könnendie Jugendlichenneben ihrer Ausbildung Zeit in die Vereinsarbeit investieren. Gleichzeitig leistet der DOSB viel Lobbyarbeit auf Bundesebene, wir haben uns zum Beispiel sehr über das „Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes“ gefreut: Es ist ein deutlicher Schritt in Richtung Entbürokratisierung des Ehrenamts. Nicht zuletzt ist es von enormer Bedeutung, Danke zu sagen. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, machen ihre Arbeit gerne, auch ohne dafür Geld zu bekommen. Sie wünschen sich aber Anerkennung.

Hat der DOSB deswegen den Preis Sterne des Sports ins Leben gerufen?

Ja, es war uns wichtig, den vielen Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich im Sport engagieren, zu zeigen, dass wir ihren Einsatz wertschätzen. Da ich selbst Vorsitzender der Jury dieses Wettbewerbs bin, kenne ich die teilnehmenden Projekte sehr gut. Ich war beeindruckt, wie viele tolle Vereine ihre Arbeit vorgestellt haben, besonders im Bereich Integration und Inklusion.

Sicherlich fällt Ihnen ein Verein ein, dessen Arbeit Sie besonders beeindruckt hat.

Natürlich. Während der DOSB im Bereich Integration auf eine mittlerweile zwanzigjährige Erfahrung zurückblicken kann, fangen wir im Bereich der Inklusion gerade erst an, große Schritte nach vorne zu machen. Der Gewinner des Goldenen Sterns, derSV Eintracht von 1898 e.V. aus Hannover, leistet vorbildliche Arbeit: Zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover und den Universitäten Würzburg und Marburg entwickelte der Verein ein Leichtathletikprogramm, das sich gezielt an Patienten mit der Diagnose Burn-out oder Demenz richtet.

Das klingt so, als sehe die Zukunft des Ehrenamts zumindest im Bereich Inklusion alles andere als düster aus!

Es gibt tolle Projekte, das kann man nicht oft genug betonen, aber wenn ich die Zukunft des Ehrenamts betrachte, beschäftigt mich vor allem eine Frage:Wie können wir es schaffen, dass sich auch morgen oder übermorgen noch jemand fürs Ehrenamt begeistert? Es ist doch so: Im „Feierabendjob“ ist es schlicht nicht möglich, sich in Auseinandersetzungen mit Finanzämtern und Behörden zu begeben. So etwas ist nicht nur aufreibend, sondern eine zeitliche Herausforderung. Doch so sieht die Realität aus. Hier muss sich etwas ändern. Als Ehrenamtlicher gebe ich nicht nur, sondern kann einen Ausgleich zum Beruf finden, etwas lernen und mich persönlich weiterentwickeln. Die wichtigste Aufgabe für die Zukunft wird es daher sein, den Ballast von den Schultern der Ehrenamtlichen zunehmen.

Die Fragen stellte Katharina Stökl.

Werde selbst aktiv!

Finde das passende Engagement in deiner Stadt!

Tipps für dein Ehrenamt in München

Tipps für dein Ehrenamt in Berlin

Tipps für dein Ehrenamt in Hamburg

Tipps für dein Ehrenamt in Köln

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?