Inklusion, Aktion Mensch-Blog

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5. rehaKIND Kongress in Hamburg endet mit positiver Bilanz

Niklas' Mutter ist zufrieden mit ihrem Besuch auf dem rehaKIND-Kongress in Hamburg. Margit Glasow / thalmannverlag!

Niklas ist fünf Jahre alt und besucht ganztags eine integrative Kindertagesstätte. Danach möchte er gern, so wie alle anderen Kinder in seinem Alter auch, eine wohnortnahe Regelschule besuchen. Doch da er aufgrund einer frühkindlichen Störung nicht sprechen kann und im Rollstuhl sitzt, benötigt er gut auf ihn angepasste Hilfsmittel: einen geeigneten Rollstuhl, vielleicht auch ein Dreirad. Vor allem aber Hilfsmittel zur Unterstützten Kommunikation (UK). Das heißt, er benötigt pädagogische oder therapeutische Maßnahmen, um seine kommunikativen Möglichkeiten zu erweitern, sich mitzuteilen und sich altersgerecht zu entwickeln.
"Aber es ist schwierig, etwas Passendes zu finden", erklärt Anna Kreyenhop. Niklas Mutter, die mit ihrem Sohn zum rehaKIND Kongress (14. bis 16.02.2013] von Bremen nach Hamburg gekommen ist, weil sie sich umfassend über eventuell geeignete Hilfsmittel informieren und diese vor einer Entscheidung ausprobieren möchte.

Hilfsmittel und rechtlicher Rat

In der Fachausstellung zum Kongress, auf der sich Hersteller von Hilfsmitteln, regionale Fachhändler, eine große Krankenkasse, Kliniken und Therapiezentren, Selbsthilfegruppen und Anwaltskanzleien präsentieren, fühlt sie sich gut beraten. Besonders intensiv informiert sie sich über Hilfsmittel zur UK für ihren Sohn, wie zum Beispiel die Einführung von Bild- oder Symbolkarten, einer Kommunikationstafel zur Verständigung oder die Versorgung mit einem Sprachausgabegerät. Doch die Krankenkasse lehnt bisher die Kostenübernahme von Hilfsmitteln zur UK für Niklas ab. Deshalb möchte sich Anna Kreyenhop hier auf dem rehaKIND-Kongress auch einen rechtlichen Rat holen.

rehaKIND e. V. als starkes Netzwerk

rehaKIND e. V., die Internationale Fördergemeinschaft für Kinder- und Jugend-Rehabilitation, hat sich im Jahr 2000 aus der Erkenntnis heraus gegründet, dass die Versorgung von Kindern mit Handicap in der Rehabilitation ein besonders sensibler Bereich ist und die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert. Laut Aussage von rehaKIND beträgt das benötigte Budget für die jährlich ca. 9.000 neu mit Hilfsmitteln zu versorgenden Kinder nur 0,17 Prozent der gesamten Gesundheitskosten. Selbst Einsparungen in einer Größenordnung von 10 oder sogar 20 Prozent, so die Aussage von rehaKIND, führen hier nicht zu nennenswerten Kostensenkungen. Vielmehr spart ein gut versorgtes Kind langfristig Rehabilitationskosten, denn es schafft mehr Selbstständigkeit und weniger Pflegeaufwand. Inzwischen hat sich der Verein zu einem starken Netzwerk mit über 80 Mitgliedern aus dem Kreis der Hilfsmittelhersteller, Verlage, Rechtsanwaltskanzleien, Kliniken, Messegesellschaften sowie aus dem Fachhandel entwickelt. Ebenfalls dazu gehören über 800 Reha-Fachberater aus Handel und Therapie.
Ein wichtiges Instrument der Arbeit von rehaKIND ist der alle zwei Jahre stattfindende Kongress. Hier geht es insbesondere darum, alle an der Hilfsmittelversorgung Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. In diesem Jahr war der Kongress zum Thema "Interdisziplinäre Hilfsmittelversorgung für behinderte Kinder" laut Aussage von rehaKIND ein besonderer Erfolg. Dies zeigten die eindrucksvollen Besucherzahlen von über 740 zahlenden Kongressteilnehmern im CCH und einem regen Interesse der Besucher an der begleitenden und kostenfreien Ausstellung.

Großes Thema auf dem Kongress: Unterstützte Kommunikation

Der Kongress beschäftigte sich in einer seiner Vortragsreihen auch ausführlich mit dem Thema Unterstützte Kommunikation. So betonte Franca Hansen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Berliner Humboldt-Universität, dass es nicht damit getan sei, dass die Krankenkassen Geräte zur UK bewilligten – was allerdings häufig mit der Begründung abgelehnt werde, dass Unterstützte Kommunikation die Sprachentwicklung der Kinder beeinträchtige. Ihrer Überzeugung nach fange die Arbeit nach der Bewilligung der Geräte erst an – und zwar die Arbeit ALLER Beteiligten: Therapeuten, Pädagogen, Familie, Freunde. Bisher seien Therapeuten in der Praxis noch zu wenig auf den Umgang mit nicht sprechenden Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Aber auch eine pädagogische Begleitung gäbe es kaum.

Aufgabe für die Zukunft

Dadurch wird klar, dass ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit fehlender Lautsprache Förderschulen besucht. Denn eine Kommunikation in Regelschulen, in denen die Lehrer wenig auf den Unterricht mit nicht sprechenden Kindern und Jugendlichen vorbereitet sind und diese Aufgabe eher der Persönlichen Assistenz bzw. dem Schulhelfer des Betroffenen überlassen, findet so gut wie nicht statt. Doch wo es keine Kommunikation gibt, da gibt es schon gar keine Inklusion. Eine große Aufgabe, der sich die Internationale Fördergemeinschaft rehaKIND auch in Zukunft stellen wird.


Mehr zum Thema und Linktipps:
Die Internationale Fördergemeinschaft rehaKIND e. V.
Die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e. V.
Der Arbeitskreis Unterstützte Kommunikation
Mehr zum Thema Behinderung im Kindesalter beim Familienratgeber
Spenden und Crowdfunding: Auf dem Weg zu community-finanzierten Hilfsmitteln. Ein Blogbeitrag von Domingos de Oliveira über neue Wege zur Entwicklung von Hilfsmitteln

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