Aktion Mensch-Blog

„Dabei sein – die Vielfalt aufnehmen und genießen“

von

Menschen mit Behinderung auf dem 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim:
Mit rund 135.000 Euro von der Aktion Mensch unterstützt, wird der bevorstehende 98. Katholikentag in Mannheim so barrierefrei wie nie zuvor. Für viele Menschen mit Behinderung verbessern sich dadurch die Teilhabemöglichkeiten oder wird eine Teilnahme an dieser Großveranstaltung überhaupt erst möglich. Auch eine 23-köpfige Besuchergruppe mit und ohne Behinderung aus Essen profitiert vom „Katholikentag barrierefrei“ – schon heute.

Katholikentag, Mannheim

Justus Könemann zählt laut nach: 17 Menschen mit Behinderung und sechs freiwillige Begleiter werden sie sein, wenn sie am 98. Katholikentag teilnehmen. Schon seit Wochen freuen sie sich darauf, berichtet der Diakon vom Franz Sales Haus in Essen – allen vorhersehbaren Strapazen zum Trotz. Von Essen aus wird es mit dem Zug nach Mannheim gehen, danach mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter zum Gemeinschaftsquartier, einer weitgehend barrierefreien Schule, in der sie auf Feldbetten nächtigen werden. Eine echte Verbesserung sei das im Vergleich zu anderen Katholikentagen, sagt Justus Könemann, wo sie auch schon auf Matten schlafen mussten.
Einige der Gruppe haben bereits Erfahrungen auf vergangenen Katholikentagen sammeln können. Für andere ist es das erste Mal und bedeutet: Raus aus dem ambulant betreuten Wohnen oder dem geschützten Raum einer anderen Einrichtung des Sales-Hauses und rein in das Abenteuer einer fünftägigen Großveranstaltung – Teil werden von 60.000 zu erwartenden Besuchern insgesamt und am Ende sagen können: Hey, ich war dabei!

17 Männer und Frauen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, zum Teil im Rollstuhl, sicher durch jede Menge Menschen und Veranstaltungen zu begleiten, will gut organisiert sein. Allein eine Entscheidung aus 1.200 Einzelveranstaltungen zu treffen, bedeutet für Könemann die Qual der Wahl. Zur besseren Orientierung hat der Veranstalter mit Unterstützung der Aktion Mensch für die Besucher mit Behinderung verschiedene barrierefreie Publikationen herausgegeben. Darunter auch Programmtipps in Leichter Sprache. Die sind für die Gruppe um Könemann besonders interessant, weil sonst die Veranstaltung „ein Dschungel wäre, in dem sie sich völlig verlieren würden“.

Erfahrung aus früheren Veranstaltungen haben ihnen gezeigt: Weniger ist mehr. „Wir werden das Programm nicht randvoll packen. Wir planen so, dass jeder Tag seine Highlights hat und jeder Teilnehmer die Gelegenheit erhält, über die Kirchenmeile zu flanieren, dort die Buntheit aufzunehmen und zu genießen.“ Fest eingeplant ist der Besuch am Stand vom Bistum Essen, um dem Bischof persönlich die Hand zu schütteln. Auch ein Abstecher zum Stand der Aktion Mensch ist vorgesehen. Dort wird das Inklusions-Eis probiert und getestet, wie Vielfalt schmeckt.

Für Könemann ist der Inklusionsgedanke auf dem Katholikentag bereits aufgegangen. Akzeptiert und angenommen fühlt er sich mit seiner Gruppe insbesondere auch deshalb, weil diese Veranstaltung „eine Art Netz aufspannt, das einen auffängt, wenn die Kräfte nachlassen“. Erstmals in der Geschichte des Katholikentages wird ein Service- und Begegnungszentrum eingerichtet, in dem die Besucher auch Erholung finden. Hier kann man Kontakte knüpfen, sich Rollstühle leihen oder Rollatoren – oder sich in eigens eingerichteten Ruheräumen eine Auszeit gönnen. Von diesen Angeboten wird auch seine Gruppe profitieren, das weiß Könemann schon jetzt. „Unsere Gruppe braucht immer wieder Ruhepausen, um sich von der Fülle der Eindrücke zu erholen. Ohne diese Unterstützung wäre der Katholikentag für Teilnehmer wie uns eine komplette Überforderung.“ Eine Teilnehmerin der Gruppe zum Beispiel wird nur deshalb mitfahren, weil sie weiß, dass sie genau diese Einrichtung nutzen kann.

160 Euro wird jeder der Gruppe für den Ausflug zum Katholikentag zahlen. Darin enthalten sind die Übernachtungen mit Frühstück, das Ticket zur Veranstaltung und die Fahrten mit der Bahn. Auch das Essen ist darin schon eingerechnet – der „Katholikenteller“ für sechs Euro in einem zentral gelegenen Restaurant und das Abendessen, das sie täglich selbst in der Schule zubereiten wollen. 160 Euro – das klingt viel für jeden Einzelnen, meint Diakon Könemann. Und ist zugleich wenig, denn ohne Zuschüsse, Ermäßigungen, freien Eintritt und Unterstützung von lokalen Unterstützern wäre die ganze Reise unrealisierbar.

„Für uns ist wichtig, dass sich der Katholikentag zu einem Gruppengeschehen entwickelt, bei dem Jeder und Jede auf den anderen achtet und begreift: Ich bin ein wichtiger Teil vom Ganzen.“ Genau das ist es, was Könemann an diesen Katholikentagen so fasziniert: Nicht die Vorträge, nicht die öffentlichen Diskussionen, nicht die Veranstaltung hier oder da. Sondern die innere Reise mit seiner Gruppe, „von der man nie weiß, wohin sie führt“. Könemann erinnert sich an einen Teilnehmer vom Katholikentag in Saarbrücken, der schon lange vorher aufgehört hatte zu sprechen, aber im Lauf der Veranstaltung seine Sprache wiederfand. Mit den Worten „Ich habe eine Botschaft“ meldete er sich zurück ins Leben – und redete sich vor seiner Gruppe frei. „Sechs Jahre ist das her, aber das vergisst man nie.“

Aktion Mensch auf dem Katholikentag 2012

Besuchen Sie die Aktion Mensch auf dem 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim. Vom 17. bis 19. Mai informiert die Soziallotterie an ihrem Stand auf der Kirchenmeile (Marktplatz, G1) über ihr Engagement und bringt das Thema Inklusion auf die Veranstaltung. In einer barrierefreien Eisdiele machen wir unseren Besuchern den Teilhabegedanken schmackhaft: Das Aktion Mensch-Inklusions-Eis ist kostenlos und steht für die Vielfalt unserer Gesellschaft – probieren Sie's! Barrierefrei ist auch die Filmpräsentation von „Deaf Jam“ am 17. Mai im Rosengarten. Protagonistin der US-amerikanischen Produktion ist die gehörlose israelische Teenagerin Aneta, die in New York die Gebärdensprach-Poesie entdeckt und gemeinsam mit einer hörenden Slam-poetin aus Palästina ihr Publikum begeistert. Der Film ist mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte versehen und wird von einem Gebärdensprachdolmetscher begleitet.

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