Burger à la Inklusion

Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten Hand in Hand im Bonner Restaurant „Godesburger“. Zum Beispiel Judith Eltner und Davut Dere-Knapp. Die beiden Kollegen haben sich von Anfang an gut verstanden. Sie kommunizieren in Gebärdensprache.

Acht Minuten. So lang dauert es in der Regel, bis der Spezial-Burger "Grillkirsche" fertig ist. Dann summt und brummt die elektronische Wartemarke, die der Gast nach seiner Bestellung in die Hand gedrückt bekommt: Der Burger mit dem hausgemachten Kirschketchup kann abgeholt und der Hunger gestillt werden.

Während der Gast seinen Burger genießt, wird in der Küche die nächste Bestellung bearbeitet. Es werden Zucchini gegrillt und Paprikas geschnitten. In der Küche des Restaurants „Godesburger“ hört man die Geräusche des Messers auf dem Schneidebrett, das Klirren der Töpfe und das Brutzeln des Gemüses in der Pfanne. Die Anweisungen und Gespräche von Judith Eltner und Davut Dere-Knapp sind allerdings lautlos. Sie unterhalten sich in Gebärdensprache.

Die 25-jährige Schichtleiterin aus Bergisch Gladbach und der 41-jährige Burger-Brater aus Bonn gehören zum Gründungs-Team von Deutschlands erstem inklusiven Burger-Restaurant. Seit Anfang September 2014 arbeiten sie im „Godesburger“ in Bonn-Bad Godesberg. Jeden zweiten Tag treffen sich Judith Eltner und Davut Dere-Knapp in der Küche der inklusiven Einrichtung, die von der Aktion Mensch gefördert wird.

Jeden Tag voneinander lernen

Davut Dere-Knapp ist gehörlos und freut sich deshalb, dass seine Schichtleiterin Judith Eltner zum Start des „Godesburgers“ bereits Gebärdensprache konnte, weil sie vorher aus einfachem Interesse zwei Gebärdesprachkurse belegt hat. „Seitdem habe ich viel von ihm gelernt“, erzählt sie. Davut Dere-Knapp stammt aus der Türkei, wo die Gebärdensprache ein wenig anders ist als in Deutschland. Für das Wort „Burger“ etwa gibt es hier wie dort andere Gebärden.

Judith Eltner berichtet, dass es im „Godesburger“ deutlich ruhiger zugeht als in anderen Küchen – und das liegt nicht nur an der Gebärdensprache: „Es ist nicht so hektisch.“ Die Atmosphäre in dem Restaurant am Bad Godesberger Moltkeplatz ist viel entspannter als in den Filialen der bekannten Burger-Ketten. Das spürt auch der Gast: Der Laden bietet eine angenehme Atmosphäre, in der die Gäste ihren Burger mit handgeschnittenen Pommes und Bio-Limo genießen können.

„Das Team ist ein einzigartiger, bunter Haufen“

In dem Restaurant arbeiten mittlerweile fünf Menschen mit Behinderung, darunter auch ein Mitarbeiter mit Lernschwierigkeiten und ein Autist. Insgesamt besteht das Team aus 20 Mitarbeitern, die sich den Dienst an sieben Tagen in der Woche im „Godesburger“ teilen. „Das Team ist einzigartig“, sagt Judith Eltner, die zuvor für ein Catering-Unternehmen in der Krankenhausverpflegung tätig war. „Das Team ist ein ganz bunter Haufen, und wir passen einfach super zusammen.“

Autor: Sascha Stienen

 

Linktipps:

Webseite des Restaurants "Godesburger"

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Ginkgolino

Liebe Josephine Thiel, ich hab ja nicht geschrieben, dass die Menschen mit einer Behinderung nicht arbeiten DÜRFEN sollen, sondern dass sie nicht arbeiten MÜSSEN sollen. Viele Menschen mit einer Behinderung können eben gar nicht selber entscheiden, sondern MÜSSEN arbeiten, weil das bisschen Geld, das sie vom Staat oder den Institutionen bekommen, nur selten für ein selbstbestimmtes Leben reicht. Ich denke vor allem an Menschen mit einer Behinderung, die in Behinderten-Werkstätten für wenig Geld arbeiten MÜSSEN und eintönige Arbeit verrichten. Unter Inklusion verstehe ich nicht nur, dass sich Menschen mit einer Behinderung am Arbeitsmarkt beteiligen dürfen sollen, sondern GLEICHWERTIG beteiligen sollen. Und das ist eben selten der Fall. Oder sind die Menschen mit einer Behinderung in meinem persönlichen Umfeld, denen es sauschlecht geht, dass sie schuften MÜSSEN, eine Ausnahme?

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Aktion Mensch

Lieber Ginkgolino,
aber wieso müssen? Möchten Sie das näher erläutern? Viele Menschen mit Behinderung wollen - und sollen arbeiten dürfen, genauso wie Menschen ohne Behinderung! Mehr Infos zum Thema Arbeit und Inklusion: www.aktion-mensch.de/themen-informieren-und-diskutieren/arbeit.html
Ihre Josephine Thiel (Aktion Mensch)

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Ginkgolino

Toll, was die zustande bringen. Allerdings: Ich bin immer wieder erstaunt, dass in so reichen Ländern wie die Schweiz und Deutschland Menschen mit einer Behinderung (nicht Behinderte, diese Menschen sind nicht behindert, sie WERDEN behindert) überhaupt arbeiten müssen...

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