Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Bücherei für Leichte Sprache

Die Bücherei bietet viel Lesestoff in Leichter Sprache.

Ich liebe das Lesen, vor allem an den dunklen Winterabenden. Die Ruhe um mich herum und in mir drin, wenn ich in eine Geschichte eintauche, die mich in andere Welten entführt, die mich zum Lachen, zum Staunen oder zum Gruseln bringt. Je dicker das Buch, desto besser, denn der Abschied von den Figuren fällt mir jedes Mal schwer.

Aber: Was lesen Menschen, die zwar die gleiche Lust aufs Lesen haben, aber mit "meinen" Büchern nicht klar kommen, weil ihnen die Handlung zu komplex ist, die Sprache zu schwierig, die Schrift zu klein und die Seiten zu dicht gefüllt mit Wörtern? Annette Flegel hat die Antwort: "Manche können einen Krimi oder eine Geschichte in einfacher Sprache lesen. Aber wenn auch die noch zu schwierig sind, bleibt mir nur, die bebilderten Kochbücher zu empfehlen."

Es fehlt an Geschichten

Annette Flegel ist eine Art Bibliothekarin für Leichte Sprache. Das gibt es zwar offiziell nicht, und eigentlich ist Flegel auch ausgebildete Sozialarbeiterin und Online-Redakteurin. Doch seit im Januar 2011 die Lebenshilfe Main-Taunus-Kreis in ihrem "Treffpunkt Leichte Sprache" eine Bücherei eröffnet hat, baut Flegel das dortige Angebot ständig aus. Keine leichte Aufgabe, das machen die wenigen Regalmeter Bücherei schon deutlich: "Es fehlt vor allem an Geschichten in Leichter Sprache", sagt Flegel, die auch das Netzwerk Leichte Sprache mitbegründet hat. Broschüren über Politik gibt es reichlich in dem Bücherei-Regal, auch viele Informationen über Arbeiten und Wohnen, über Liebe und Sexualität hat Annette Flegel aufgetan. Aber so richtiger Lesestoff – Fehlanzeige.

Suchen, sammeln, improvisieren

Für die deutschen Verlage ist Literatur in Leichter Sprache kein Thema. Der einzige Verlag hierzulande, der Bücher in einfacher Sprache herausgibt, ist "Spaß am Lesen" – und das ist der Ableger eines holländischen Verlags. Was kein Zufall ist, denn in den Niederlanden wird das Bewusstsein für einfache Sprache durch eine Lesestiftung gefördert – ebenso in Schweden, wo es aktuelle Bestseller, übertragen in Leichte Sprache, in jeder Buchhandlung zu kaufen gibt!
Annette Flegel dagegen sucht, sammelt, improvisiert und probiert aus. Die leicht lesbaren Texte aus der iChance-Reihe des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung kommen gut an, auch das Rätselbuch, das für den Förderunterricht gedacht ist. Doch das Buch aus einem "Deutsch für Ausländer"-Programm hat sich als zu schwierig erwiesen – und Kinderbücher werden bewusst nicht in den Bestand aufgenommen, da mögen sie noch so verständlich geschrieben sein. Schließlich sind die Bücherei-Besucher in der Mehrzahl junge Erwachsene mit Lernbehinderung, und die interessieren sich weit mehr für Liebesgeschichten als für Prinzessinnen und Piraten.

Begleitung und Anleitung

Obwohl die Nachfrage nach Büchern in Leichter Sprache also groß ist, reicht es nicht, die Bücher einfach hinzustellen. Viele der neuen Leser brauchen sowohl Begleitung als auch Anleitung beim Lesen, hat Flegel festgestellt. "Sie finden den Weg zu uns am ehesten mit ihrer Gruppe aus dem Wohnheim oder ihrer Schulklasse." In der Bücherei geht es darum, den Lesewunsch herauszufinden und ein Buch auszuwählen. Im Idealfall lesen die Nutzer dieses Buch dann gemeinsam mit den Betreuern im Wohnheim oder zuhause mit den Eltern. Oder direkt in der Bücherei – zum Beispiel an den Freitagen, wenn sich hier eine Lesegruppe trifft.
Und Annette Flegel hat noch mehr Ideen, wie die Bücherei noch attraktiver für Lesefreunde mit Lernbehinderung werden könnte: Mit einigen der Besucher, die auch Prüfer für Leichte Sprache sind, würde sie gerne ein Buch übersetzen, das die Zielgruppe interessiert. "Vielleicht würden wir sogar selbst eines schreiben!", sagt Annette Flegel. Und das wäre ja fast noch besser als Lesen!


Mehr zum Thema:
Bücherei des "Treffpunkts Leichte Sprache" der Lebenshilfe Main-Taunus-Kreis
LEA-Leseklubs für Leichte Sprache des KUBUS e.V.
Bücherliste des Netzwerks Leichte Sprache (PDF-Dokument)
Bibliothek in Leichter Sprache des Instituts für Menschenrechte
Leichte Sprache: Für mehr Verständnis. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über die Entstehung von Texten in Leichter Sprache
Leichte Sprache: Nur für Menschen mit Handicap? Ein Blogbeitrag von Carina Kühne darüber, warum Leichte Sprache gut für alle ist
Freude am Lesen vermitteln. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Lesekreise und -klubs für Leichte Sprache


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Gertrud Völkening

Es stimmt: Bücher müssen gefallen. Schmackhaft macht man sie, indem ansprechende Bilder gezeigt werden. Oder wenn man kleine Ausschnitte vom Text vorliest. Oder ausgesuchte leichte Passagen zeigt, die gelesen werden können. Nur Bücher hinstellen lockert nicht die Angst.
Meine Vision: BibliothekarInnen schulen, dass sie Menschen begeistern und beraten können, welche Bücher geeignet sind. Und selber Freude ausstrahlen, wieviel Spaß lesen macht.
Lesekreise sind toll. Alle sehen, dass jede/r vorankommt.
Gertrud Völkening, Hannover

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