Freiwilliges Engagement, Aktion Mensch-Blog

Blind und "Bufdi"? Steffi Lisker zeigt, wie es geht

Menschen mit Behinderung werden häufig noch nicht als mögliche Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst gesehen. Stefanie Lisker ist blind und engagiert sich als Freiwillige für Schülerinnen und Schüler. Davon sind alle begeistert - nur die Verwaltung hat damit ihre Schwierigkeiten

Wenn Stefanie Lisker zum Vorlesen in eine Grundschulklasse kommt, staunen die Kinder erst einmal. Sie schaut nicht auf die Seiten des Buches, sondern ertastet Buchstaben und Worte die in der Brailleschrift auf die weißen Blätter gestanzt wurden. Die Mitarbeiterin des Vereins Lesewelt Ortenau ist blind. Sie erzählt den Kindern nicht nur eine spannende Geschichte, sondern berichtet auch von ihrem Alltag, in dem einiges anders funktioniert, als die Kinder es kennen.

Die Grundschüler sind neugierig und fragen, wie das mit dem Essen klappt oder warum sie keinen Blindenhund hat. Stefanie Lisker: „Kinder fragen ganz offen und unverstellt. Bei vielen Kindern dauert es nur ein paar Minuten, dann ist das Eis gebrochen und man geht ganz normal miteinander um.“ Danach lernen die Kinder einige Buchstaben der Blindenschrift kennen, die auf Tafeln gemalt sind. Es dauert nicht lange, und sie können einfache Wörter erkennen. Besonders fasziniert die Schüler aber das Farberkennungsgerät von Stefanie Lisker. Wenn man es zum Beispiel an seine Kleidung hält, nennt das Gerät die Farbe des Materials. „Das möchte natürlich am liebsten jeder einmal ausprobieren. Es wird an Hose, Socken oder die Haare gehalten“, erzählt Stefanie Lisker. Am Ende werden einzelnen Kindern die Augen verbunden, und sie sollen mithilfe eines Taststocks ein anderes Kind suchen, das durch Rufe verrät, wo es ist. Am Ende bekommt jedes der Kinder ein Lesezeichen mit seinem Namen in Brailleschrift geschenkt, das Stefanie Lisker vorher mit einer speziellen Schreibmaschine hergestellt hat.

Stefanie Lisker ist als „Bufdi“, also Teilnehmerin am Bundesfreiwilligendienst, für den Verein Lesewelt Ortenau tätig, der sich in der Leseförderung in Kitas und an Schulen engagiert, und sie ist eine Exotin. Nicht wegen ihrer Behinderung, sondern, weil der Bundesfreiwilligendienst nicht auf Menschen eingerichtet ist, die für die Ausübung des Dienstes eine besondere Ausstattung brauchen. Dies musste die Geschäftsführerin des Vereins, Carmen Stürzel, erleben, als es darum ging, wer die zusätzlichen Kosten übernimmt, die für Assistenzleistungen oder die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes mit spezieller Software oder einer Tastatur anstanden. Carmen Stürzel erinnert sich: „Ich habe viel mit Verwaltungsstellen telefoniert, aber niemand fühlte sich zuständig. So sehr Inklusion offiziell auch propagiert wird - auf Menschen mit Behinderung, die sich im Freiwilligendienst engagieren wollen, ist niemand eingestellt.“ Schließlich musste der Verein Spenden einwerben und einen Großteil der Kosten selbst tragen. Umso erfreulicher war die unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Träger EOS-Erlebnispädagogik. Er war sofort Feuer und Flamme und unterstützte das Pilotprojekt, wo es nur ging.

Eigentlich hätte Stefanie Liskers Jahr als „Bufdi“ letzten Monat geendet. Sie hat erst einmal verlängert, aber im Januar ist endgültig Schluss. Der Verein Lesewelt bemüht sich, sie danach weiter zu beschäftigen. Doch eine Finanzierung dafür steht noch nicht - über Unterstützung freut sich der spendenfinanzierte Verein übrigens.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Vereins.

Weitere Möglichkeiten zum Engagement finden Sie in der Freiwilligendatenbank.

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