Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Blind fotografiert!

von Michaela Eiben

Foto aus der Ausstellung von Michaela Eiben

Blind fotografieren – das geht? Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich für besondere Dinge immer schon zu haben war. Doch blind Fotos zu machen war auch für mich etwas total Verrücktes ...

Am besten fange ich mal ganz von vorne an. Nach meinen beiden Büchern wollte ich mal etwas Neues ausprobieren. Nur was? Ich hatte schon ein paar Wochen dieses Gefühl, nicht zu wissen, wohin mit mir. Meine drei Kinder sind mittlerweile weit übers Wickelalter hinaus und brauchen Mama nun nicht mehr so intensiv. Als ich eines Tages mit meiner Freundin Susanne telefonierte, entstand schließlich unsere gemeinsame Idee: Es müsste doch möglich sein, nach Gehör und nach Tastsinn und auch nach Gerüchen zu fotografieren!

Gesagt, getan. Ich nahm also meine Kamera und versuchte mich erst mal an der Technik. Als ich die technischen Probleme nach einigen Tagen im Griff hatte, ging es an die Motivauswahl. Ich begann, wie ein Kleinkind durch mein Wohnzimmer zu robben. Gut, dass man mich nicht dabei beobachtet hat! Sie hätten sich sonst vermutlich weggelacht. Aber ich merkte schnell: Wenn du nur genug Ausdauer hast, kannst du es schaffen.
Doch dann kam mein erstes Problem. Ich brauchte ein Team. Meine Freundin Susanne war die richtige Quelle. Sie ist Fotografin, und das schon ziemlich lang und wirklich gut. Ich musste Susanne gar nicht lange bitten, sie war von der Idee, blind zu fotografieren, genauso angetan wie ich. Zusätzlich zu Susannes Unterstützung brauchte ich dann noch jemanden, der mir über den PC erklärte, was ich dort verzapft hatte. Und da gibt es keinen besseren als meinen Mann Jürgen. Er sortierte alle schlechten Bilder heraus. Schließlich machte ich manchmal von ein und demselben Motiv fünfzig Fotos! Und es war nicht eins dabei, das etwas geworden ist. Dann gab es Tage, da machte ich zwanzig Fotos und hatte fünf gute.

Etwa ein Jahr lang fotografierte ich auf diese Weise. Und: Es hat sich gelohnt! Am 30. Mai 2012 startete unsere erste Ausstellung unter dem Titel "Gehörte und gefühlte Motive". In dieser Ausstellung werden dreißig Fotos auf Leinwand gezeigt. 29 Bilder sind von mir, ein Bild ist von Susanne Möller. Es zeigt mich beim Fotografieren. Damit sich die Sehenden besser vorstellen können, wie die Bilder entstanden.
Außerdem ist die Ausstellung in drei Phasen aufgeteilt: Die erste Phase zeigt meine ersten Versuche. Alles ist getroffen, doch es ist noch zu viel im Hintergrund. Die zweite Phase zeigt dann schon eine große Steigerung. Und in der dritten Phase habe ich es geschafft!

Sie fragen sich jetzt sicher: Was hat sie eigentlich davon, wenn sie ihre eigenen Bilder nicht anschauen kann? Das kann ich Ihnen sagen: Die Konzentration und mein Ehrgeiz, ein Foto nach Gehör oder Tastsinn zu schießen, füllen mich total aus!


Linktipps:
Blind fotografiert - Gefühlte und gehörte Motive. Der Fotokalender beim Nepa-Verlag
Blind wohnen: Über Füße im Futter und verschollene Korkenzieher. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert
Blinde im Mitmach-Web. Ein Blogbeitrag von Domingos de Oliveira
Blind im Internet: Kommunizieren auf Augenhöhe. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert

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