Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Beziehungsbarrieren

Männer und Frauen – das passt ja schon im "Normalfall" nur in den seltensten Fällen zusammen. Wie sieht es dann wohl aus, wenn auch noch eine Behinderung dazu kommt? Bei einem Partner, bei beiden? Das "inklusive Paar" besteht aus einem Partner mit und einem ohne Behinderung. Kann das funktionieren?

Foto: Anna-Lena Ehlers

Die Romantikerin in mir schreit laut "JA!" und fügt noch ein leises "bitte" hinzu. Denn an die wahre Liebe möchten wir wohl alle gern glauben. Die Realistin in mir hat aber auch schon einige Beziehungen an Beziehungsbarrieren, die durch eine Behinderung bedingt waren, scheitern sehen. Zu wenig Privatsphäre wegen der erforderlichen Persönlichen Assistenz, zu viel Druck vom Umfeld ("Mensch, Du kannst doch auch eine gesunde Frau abbekommen"), zu viel Angst vor einer Verschlechterung des Gesundheitszustands und der Hilflosigkeit, dabei nur zusehen zu können.
Auf Seiten des behinderten Partners steht hingegen oftmals die Angst, den nicht-behinderten Partner eigentlich nicht verdient zu haben, ihn nicht halten zu können in Konkurrenz zu so vielen anderen nicht-behinderten Singles. Und wenn wir heutzutage bei einer Behinderung immer noch über lebens-wert diskutieren, wie kann man dann erwarten, mit Behinderung sogar liebens-wert zu sein?

Weil es so ist!

Liebe ist nicht logisch, und sie ist auch nicht praktisch. Sie passiert einfach, auch wenn es gerade eigentlich so gar nicht in den Plan passt. Wir verlieben uns nicht in den perfekten Menschen – erstens, weil es ihn nicht gibt, und zweitens, weil es unglaublich langweilig wäre. Stattdessen verlieben wir uns in so unsinnige Dinge wie das Lachen des Partners. In die Art, wie er die Augenbraue hochzieht, wenn er verwirrt ist. Und in seine völlige Unfähigkeit, zwei zueinander passende Socken herauszusuchen.
Be-hindert ein Handicap es, diese "unsinnige" Liebe zuzulassen? Ja, mit Sicherheit. Weil Angst und Unsicherheit dazwischen stehen. Weil all die genannten Probleme zu den üblichen Problemen, mit denen ein Paar sowieso schon zu kämpfen hat, noch hinzukommen.
Aber ver-hindert es die Liebe für Menschen mit Behinderung? "Nein", weiß die Romantikerin in mir. Und die Realistin stimmt ihr endlich mal zu – auch wenn beide gerade mal wieder Single sind.



Linktipps:
Der Familienratgeber zum Thema Familie und Partnerschaft
Das Internetportal MyHandicap zum Thema Familie, Partnerschaft & Sexualität
Das Fotoprojekt "anderStark" stellt Frauen mit Muskelerkrankung in den Mittelpunkt – und zeigt sie in unterschiedlichen Lebenssituationen. Auch das Thema "Beziehungen" spielt hier eine große Rolle – die Fotos dieses Blogbeitrags sind eine Auswahl:


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Niklix

...dem stimme ich, als Betroffene (behindert durch Verkehrsunfall und dann geschieden) sowas von zu!!!
Ich bin immer noch was wert! Sogar liebenswert!
Nur niemand traut sich, dieses Abenteuer einzugehen. Schade, Marmelade!

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Ela

Jaaaa! Das gibt es. Und es kann funktionieren. Das wichtigste ist reden und gemeinsame Wege finden. Aber auch eigene Grenzen abstecken. So viel wie möglich gemeinsames unternehmen aber auch eigene Sachen machen. Gerade in meinem Freudeskeis haben viele ein Handycap. Sie haben Partner /innen. Es gibt auf und ab's wie bei gleichgesunden Partnerschaften. Aber das ist doch gut so, stimmst? Bei manchen Eltern gab es bedenken aber nie ein "ausreden" wollen der Beziehung. Klar wünschen sich Eltern "gesunde" Freunde / Freundinnen wenn sie sich gegenseitig kennen gelernt haben sind diese Bedenken meist weg und es überwiegt die positive Meinung.
Ich selbst habe auch nur gute Erfahrungen gemacht.

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Nadine

Ich habe selbst eine Gehbehinderung und kann dazu nur sagen, dass unsere Gesellschaft behindert ist. Menschen, die meinen etwas besseres zu sein, weil sie richtig laufen können und deshalb andere Menschen als minderwertig sehen, tun mir sehr leid. Man darf nicht vergessen, dass ihr, die ihr in der anscheinend glücklichen Lage seit, "alles" zu können, es wahrscheinlich nie gelernt habt, euer Geschenk auch zu schätzen. Ich habe es öfter mit einer ganz einfachen Frage versucht und bis heute noch keine Antwort bekommen... Wie fühlt es sich an, wenn man zum Beispiel rennt? Würdet ihr Leben und lernen das zu sagen, was ihr denkt und fühlt, dann hättet ihr genügend damit zu tun und müsstet euch nicht darüber Gedanken machen, ob und wer minderwertiger ist. Zumal sich die Frage stellt, wer so etwas überhaupt entscheiden darf. Also eine Bitte an diejenigen, die immer noch ein Schubladedenken praktizieren... Fangt endlich an zu leben und verschwendet nicht weiter eure kostbare Zeit!!!

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