Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Bewerbung mit Handicap

Menschen mit Beeinträchtigungen haben es oft schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. Sei es wegen der Vorurteile der potentiellen Arbeitgeber, nicht leistungsfähig oder zu oft krank zu sein, oder aber auch wegen des komplizierten Bewerbungsprozesses. Hier ein paar Tipps von Experten, was man beachten sollte.

Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit, das sind die drei Faktoren, die bei der Arbeitssuche wichtig seien – ganz egal, ob die Bewerber ein Handicap haben oder nicht, meint Jürgen Hesse, der zusammen mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader viele erfolgreiche Ratgeber zum Thema Bewerbung veröffentlicht hat.

Menschen mit einer Beeinträchtigung bräuchten zudem allerdings noch eine gut durchdachte Strategie, wie sie im Bewerbungsprozess mit ihrem Handicap umgehen, so Hesse. Für sie haben die beiden den Ratgeber „Bewerbung mit Handicap“ geschrieben.
Unter „Handicap“ verstehen die Autoren vor allem körperliche Einschränkungen. Menschen mit Lernschwierigkeiten wird das Buch leider nicht wirklich weiterhelfen.

Was haben Sie zu bieten?

Jürgen Hesse sieht das Buch als eine Anleitung, „wie man überzeugend, engagiert und tatendurstig wirkt“. Denn: Immer wieder falle ihm auf, dass viele Menschen sich in der Bewerbung für ihr Handicap entschuldigen. „Sie sollten lieber ihre Stärken nach vorne arbeiten, selbstbewusst und souverän auftreten.“ Und sich auf das konzentrieren, was sie zu bieten haben. Die Autoren gehen den Bewerbungsprozess Schritt für Schritt durch: von einer Selbstanalyse, zur Stellensuche, über die „aussagekräftigen“ Bewerbungsunterlagen bis hin zur akribischen Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs, für das sie sogar konkrete Formulierungen anbieten. An den wichtigen Stellen gehen sie auf Besonderheiten ein und geben Tipps: Lücken im Lebenslauf könne man mit „berufliche Fortbildung“ oder „selbstständige Tätigkeit“ füllen, auf einer dritten Seite mehr zur Person erläutern und gegebenenfalls auch auf das Handicap eingehen.

Wann ist ein guter Zeitpunkt?

Zentrales Thema ist, wann die Bewerber und Bewerberinnen ihre Beeinträchtigung offenlegen sollten: Im Anschreiben? Im Vorstellungsgespräch? Oder gar nicht? Hesse und Schrader zeigen unterschiedliche Zeitpunkte und informieren über die Offenbarungs- bzw. Auskunftspflicht, ob man also von selbst etwas sagen muss oder auf Fragen des potentiellen Arbeitgebers wahrheitsgemäß antworten muss. Sie plädieren dafür, ein unscheinbares Handicap nicht zu erwähnen. Denn: So lange es nicht die Arbeitsleistung einschränkt, ist man nicht dazu verpflichtet. Möchten die Bewerberinnen und Bewerber es doch ansprechen, sollten sie erst ihre Leistung anbieten und dann erst über das Handicap sprechen.

Um die Leistung geht es

„Die Leute sollten ihr Handicap nicht in den Vordergrund stellen“, sagt Jürgen Hesse. Nicht Bittsteller sein und kein Mitleid erregen wollen. „Sie sollten lieber mit ihrer Arbeitsmotivation und dem Engagement, das sie mitbringen, prahlen“, sagt er. Denn das falle ihm immer wieder auf und sei ein großer Vorteil von Menschen mit Handicap: ihre hohe Motivation.

Das findet auch NLP-Coach Tanja Lachmayr, die acht Jahre lang für die Stiftung Pfennigparade Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bei der Jobsuche begleitete und auf der Webseite myhandicap.de Tipps dazu verfasst hat. „Meine Erfahrung ist, dass Menschen mit Behinderungen sehr motiviert sind“, sagt sie. „Und das sollten sie auch darstellen.“

Vorteile nach vorne

Wie für Hesse und Schrader ist auch für Lachmayr die Frage wichtig, wann das Handicap zur Sprache kommt. Auch sie findet, dass die Chancen generell schlechter stünden, wenn das bereits im Anschreiben geschieht. „Wenn der Arbeitgeber allerdings etwas tun muss, zum Beispiel einen speziellen Arbeitsplatz einrichten oder einen Fahrstuhl einbauen, dann muss man es natürlich schon in die Bewerbung schreiben“, so Lachmayr. „Und dazu am besten gleich, wie man das Handicap kompensieren kann.“ Wer es lieber im persönlichen Gespräch ansprechen möchte, sollte das im Laufe des Gesprächs tun, nicht am Anfang oder Ende. „Dabei ist es wichtig, die Vorteile zu betonen“, so Lachmayr und gibt ein Beispiel. Nicht „Ich habe eine Gehbehinderung, bin aber fast gleichwertig“ sondern „Ich habe eine Gehbehinderung und bin dadurch sehr motiviert und verwende viel Zeit, mich weiterzubilden.


Linktipps:
Bewerbungstipps bei myhandicap.de: Erfolgreich bewerben mit Behinderung!
Das Handlungsfeld "Am Arbeitsplatz" der Aktion Mensch
Mehr zum Thema Berufstätigkeit beim Familienratgeber
KOSmos: "Ein Schritt in die richtige Richtung". Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über ein Hamburger Projekt, das Menschen mit Behinderung bei der Jobsuche unterstützt
Der Fall – oder: Wenn man uns ließe! Ein Blogbeitrag von Anastasia Umrik über Hürden und Pauschalisierungen bei der Jobsuche

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