Freiwilliges Engagement

„Bei uns geht jeder schweißnass aus der Halle“

Bei „freiwurf hamburg“ spielen Menschen mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam Handball. Alle werden sportlich gefordert und lernen voneinander. Anlässlich der Handball-WM sprachen wir mit Martin Wild, einem der Trainer der Initiative, über Teamgeist, Leidenschaft und das Auslaufmodell „Behindertensport“.

Martin Wild verlangt vollen Einsatz beim Training

Herr Wild, was genau ist „freiwurf hamburg“?

Wir sind eine vereinsübergreifende Initiative, in der vier Handball-Trainer engagiert sind und die Menschen mit geistiger Behinderung den Zugang zum Handball ermöglichen will. Die Trainings finden in den Sportvereinen AMTV Hamburg und vom SV Eidelstedt statt. Mit den Special Olympics in Hamburg haben wir eine enge Kooperation. Special Olympics ist die weltweit größte Sportbewegung von Menschen mit geistiger Behinderung. Zudem organisieren wir Handball-Turniere und Demonstrations-Spiele.

Unterscheidet sich das Handball-Training bei „freiwurf hamburg“ von denen, die Sie sonst geben?

Eigentlich nicht. Wir Trainer kommen alle aus dem Handball-Bereich und machen zusätzlich diese beiden Trainingsgruppen von „freiwurf hamburg“. Die vorrangige Idee ist es, die Mannschaft in den Verein zu integrieren. Uns ist es wichtig, keine isolierte Mannschaft aufzubauen, sondern jeweils eine neue Mannschaft in die Handball-Abteilung einzugliedern, also keine Sonderrolle als Abteilung „Behindertensport“ zu spielen. Am ehesten ist das Training vergleichbar mit dem Jugend-Handballtraining. Wir machen Konditionsübungen, Krafttraining, üben Balltechnik und viel Spielpraxis.

Wie profitieren die Spieler mit Behinderung vom Training?

Ganz wichtig für die Spieler ist das Zugehörigkeitsgefühl zum Team. Die Spieler erfahren, dass sie gebraucht werden - einige von ihnen sind zuvor in regulären Teams nicht eingesetzt worden, weil sie spielerisch nicht mithalten konnten.
Dann ist die Selbstbestimmtheit ein wichtiger Punkt: Das Training findet in einem neuen Umfeld statt, außerhalb von Wohngruppe oder anderen Einrichtungen. Oft können sich unsere Athleten nicht aussuchen, wo sie arbeiten oder wo sie wohnen. Hier können sie selbst entscheiden, welchen Sport sie machen wollen und in welchem Team. Das heißt aber auch, dass das Training mit Pflichten verbunden ist. Wir sind kein offenes Angebot, zu dem man nur geht, wenn man gerade Lust hat. Wir erwarten, dass jeder Spieler samstags in der Halle erscheint.
Schließlich geht es darum, Selbstbewusstsein aufzubauen. Beim Handball muss man sich in Sekundenbruchteilen entscheiden: Werfe ich aufs Tor oder spiele ich ab? Diese Entscheidung treffen zu können, üben wir, und das überträgt sich auch in den Alltag der Leute.

Und die Mannschaften sind inklusiv aufgestellt…

Ja, die Trainingsgruppen arbeiten inklusiv. Wir organisieren auch regelmäßig Spiele und Veranstaltungen mit den C-Jugendlichen aus unseren oder anderen Vereinen. Unified Sports nennt man dieses Konzept. Im Handball ist diese Bewegung noch in den Kinderschuhen, und wir sind ein Vorreiter in Deutschland beim Aufbau von Unified-Handballwettbewerben.

Gibt es in dieser Hinsicht auch mal Probleme oder gar Konflikte?

Das hatten wir zu Beginn auch erwartet. Tatsächlich erleben wir dies aber kaum. Leute, die das inklusive Training bei uns kennengelernt haben, bleiben uns in der Regel auch treu, nicht zuletzt weil hierein ganz besonderer Teamgeist und große Begeisterung herrschen. Die C-Jugendlichen kommen bei uns auch voll auf ihre Kosten, die sind nicht nur als „Sozialpartner“ beim Training. Die gehen nach dem Training auch schweißnass aus der Halle.

Welche Motivation haben die Trainer, in ihrer Freizeit, dieses Projekt zu stemmen?

Es gibt einem unheimlich viel, und es macht einfach unglaublich viel Spaß, mit unseren Athleten zu arbeiten. Die meisten Trainer hatten vorher noch keine Berührung mit behinderten Menschen und haben durch diese Arbeit festgestellt, dass der Wettbewerb und das Leistungsdenken eben nicht alles ist und dass sie hier selbst eine ganze Menge lernen können. So wird man als Trainer immer wieder daran erinnert, dass man sich darauf konzentrieren soll, was man geschafft hat und nicht nur auf die Defizite schauen sollte.

Herr Wild, ich danke Ihnen für das Gespräch!

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