Aktion Mensch-Blog

Behinderung im Kino – 5 Filme im Schnell-Test

Draußen wird es langsam ungemütlich – aber wir finden das gar nicht so schlimm. Denn das heißt auch: Zeit für Popcorn und Filmabende auf der Couch. Unsere Autorin Lea hat sich für euch ein paar Filme angeguckt, in denen auch Menschen mit Behinderung eine Rolle spielen. Welche Filme ihr davon gefallen haben, könnt ihr hier lesen.

Film: Renn, wenn du kannst

Darum geht's: Ben, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist, begegnet dem Leben und seinen Mitmenschen mit einer Mischung aus Zynismus und Verachtung. Liebe, Freundschaft, Freude – für Ben scheint das alles unerreichbar. Sein neuer Zivi Christian lässt sich von diesem Pessimismus allerdings nicht beeindrucken und gewinnt damit Bens Respekt. Als sich beide in die Cellistin Annika verlieben, entwickelt sich zwischen den dreien eine explosive Mischung aus Freundschaft, Liebe und Zuneigung.

Diese Behinderung ist zu sehen: Tetraplegie

Die Figur mit Behinderung wird von einem Menschen mit Behinderung gespielt: Nein

Die Darstellung der Behinderung: Robert Gwisdek überzeugt mich als Ben vollkommen. Seine Sehnsucht nach echter Liebe wird deutlich gezeigt. Alltagsprobleme, wie zum Beispiel Hilfe beim Duschen oder auf der Toilette anzunehmen, werden überzeugend gezeigt. Auch Beziehungen, wie die zwischen Ben, Christian und Annika, sind realistisch dargestellt und durchaus auch im echten Leben vorstellbar.

ZORRO FILM GMBH
Warner Bros. Entertainment GmbH

Film: Ein ganzes halbes Jahr

Darum geht's: Ein halbes Jahr, solange soll Louisas neuer Job dauern. In dieser Zeit betreut sie Will, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und auf Assistenz angewiesen ist. Will hat jeden Lebenswillen verloren, nach einem gescheiterten Selbstmordversuch möchte er sein Leben mit Sterbehilfe beenden. Nur auf Wunsch seiner Mutter gibt er dem Leben noch weitere sechs Monate eine Chance. Eine Chance, die auch Louisa nutzen will, um Will zu beweisen, dass das Leben doch sehr lebenswert ist. Schnell kommen die beiden sich näher – doch kann Louisa ihn rechtzeitig von seinem Wunsch zu sterben abbringen?

Diese Behinderung ist zu sehen: Tetraplegie

Die Figur mit Behinderung wird von einem Menschen mit Behinderung gespielt: Nein

Die Darstellung der Behinderung: Ich weiß, dass der Film von vielen kritisiert wurde. Mir gefällt Wills Darstellung der Behinderung allerdings sehr. Er spielt sehr stark, wenn seine Anfälligkeit für Schwäche und Krankheiten gezeigt wird. Außerdem ruft seine frühere Leidenschaft für Sport eine tiefe Melancholie in ihm hervor, was ebenfalls sehr gut dargestellt wird.

Film: Die Kunst sich die Schuhe zu binden

Darum geht's: Für Alex läuft es nicht so gut: Erst verliert er seinen Job, dann verlässt Freundin Lisa ihn auch noch. Wie gut, dass das Arbeitsamt schon etwas Neues für ihn parat hat: Alex soll als Betreuer in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung arbeiten. Ein echter Glücksfall für die Bewohner Kjell-Ake, Filippa, Ebbe, Katarina, Kristina und Leif, deren Alltag dort an Eintönigkeit kaum zu überbieten ist. Während sie bisher täglich dazu gezwungen wurden, das Schuhe-Binden zu üben – eine Aufgabe, die keinem von ihnen gelingt –, mischt Alex die bürokratischen Strukturen ordentlich auf und versucht, die individuellen Stärken der Bewohner zu fördern, auch gegen den Widerstand von oben.

Diese Behinderung ist zu sehen: Geistige Behinderung, meist Down-Syndrom

Die Figur mit Behinderung wird von einem Menschen mit Behinderung gespielt: Ja

Die Darstellung der Behinderung: Beim Film handelt es sich um ein kleines Projekt mit geringem Budget, das mit einer Theatergruppe von Menschen mit geistiger Behinderung umgesetzt wurde. Sie haben im Alltag häufig damit zu kämpfen, nicht ernst genommen zu werden. Die Darstellung dieses Aspekts ist im Film richtig gut gelungen. Für mich war „Die Kunst sich die Schuhe zu binden“, wahrscheinlich aufgrund der einfach gehaltenen Szenenbilder, Liebe auf den zweiten Blick – wenn man sich jedoch auf ihn einlässt, ist er ein richtig starker Film.

MFA+ Filmdistribution
Port au Prince Pictures GmbH

Film: 4 Könige

Darum geht's: Weihnachten, das Fest der Liebe? Nicht für Lara, Fedja, Alex und Timo. Alle vier verbringen Weihnachten in der Jugendpsychiatrie. Desillusioniert, traumatisiert, aggressiv – die meisten Menschen aus ihrem Umfeld haben die Jugendlichen längst aufgegeben. Dr. Wolff, der Weihnachten mit den Vieren verbringt, sieht das allerdings ganz anders. Zusammen erleben sie ein besonderes und für alle einzigartiges Weihnachtsfest.

Diese Behinderung ist zu sehen: Psychische Erkrankungen und Traumata

Die Figur mit Behinderung wird von einem Menschen mit Behinderung gespielt: Nein

Die Darstellung der Behinderung: Die fünf Hauptdarsteller spielen mit Leidenschaft und zeigen, wie schwer es mit einer psychischen Erkrankung sein kann, mit sich oder mit Außenstehenden zurechtzukommen. Trotzdem konnte die Darstellung der Behinderung mich nicht komplett überzeugen. Die Probleme der Figuren, zum Beispiel, wenn sie aus Angst plötzlich wütend werden, werden leider nur angeschnitten.

Film: Die Entdeckung der Unendlichkeit

Darum geht's: „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ erzählt die Liebesgeschichte des weltberühmten Astrophysikers Stephen Hawking und seiner ersten Frau Jane Hawking. Stephen und Jane lernen sich an der Universität Cambridge kennen, an der Stephen zu Singularität forscht. Als bei Stephen die Krankheit ALS diagnostiziert wird, wirft es den talentierten, jungen Forscher völlig aus der Bahn, auch seine Beziehung zu Jane wird auf eine harte Probe gestellt. Doch es ist Jane, die nicht bereit ist, ihre Liebe aufzugeben, und weiterhin für sie beide kämpft.

Diese Behinderung ist zu sehen: ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)

Die Figur mit Behinderung wird von einem Menschen mit Behinderung gespielt: Nein

Die Darstellung der Behinderung: Die Verkörperung durch Eddie Redmayne ist großartig, und er hat zu Recht einen Oscar für seine Darstellung erhalten. Durch diesen Film wird Stephen Hawking für viele Menschen viel mehr als nur das „Genie im Rollstuhl“. Im Film wird der Verlauf von Hawkings ALS-Erkrankung gezeigt, was Redmayne sehr eindrucksvoll und mit allen Schattierungen spielt.

Universal Pictures

Mein Fazit

Einige Filmemacher beschäftigen sich schon mit den Themen „Behinderung“ und „Inklusion“, was ich gut finde – genauso wie die Tatsache, dass Behinderung auch vielseitig gezeigt wird. Also der Fokus liegt zum Beispiel nicht nur auf Menschen, die einen Rollstuhl nutzen. Trotzdem wünsche ich mir, dass die Filmszene inklusiver wird. Warum werden die allermeisten Rollen immer noch von Menschen ohne Behinderung gespielt? Hier muss noch viel passieren, finde ich.

Ein Text von Lea Voitel

 

Link-Tipps:

Filmreife Behinderung: Über die Darstellung von Behinderungen im Film.

Mal anders betrachtet: Der Kurzfilm „46/47“ wechselt die Perspektive – „normal“ ist, wer 47 Chromosomen hat.

Ein Film über das Sehen: „Auf den zweiten Blick“ erzählt von drei Paaren mit Sehbehinderung – aber nicht Blindheit ist das Thema.

Optimistisch und warmherzig: Der Film „The Sessions“ lässt die Zuschauer in eine für die meisten von ihnen wohl unbekannte Welt eintauchen.

„Be My Baby“ – Meine erste Filmerfahrung: Carina Kühne bei den Dreharbeiten für einen besonderen Spielfilm.


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Nicoletta

Hallo, ich habe auf meiner Homepage eine Auflistung aller Filme (die ich bislang gefunden habe) ... schaut gerne mal vrbei :-)
http://nicolettas-buecher.de/index.php/filme

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Annette

Gute Filme; wichtige Themen. Aber warum bekommen hier Menschen mit der entsprechenden Behinderung nicht die Chance auf die Rollenbesetzung?
Es gibt sicher ausreichend Interessierte und Talentierte.
Aber vermutlich ist das allen Beteiligten wieder zu umständlich. Könnte ja länger dauern und nicht bedachte Hindernisse mitsichbringen.
Viele freuen sich, dass es zunehmend keine Tabuthemen mehr sind.
Vielleicht erleben wir hier irgendwann auch noch Inklusion?!

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Ben

Guter Artikel ... den ich gerne noch ergänzen würde.

1. "Ziemlich Beste Freunde"
2. "Ich bin Sam"

Beide Filme sind wirklich sehenswert und kann ich nur jedem empfehlen! ;-)

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Bernd

Filmtipps sind eine gute Idee. Danke!!! Ihr könntet auch Fernsehproduktionen vorstellen. Ich denke da etwa an Filme mit Juliana Götze vom Theater Ramba Zamba, Berlin. Zum Beispiel den Polizeiruf 110 "Rosi's Baby". Phantastisch gespielt, gut recherchiert...ein spannendes Drama um Liebe und Kinderwunsch...

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Burg

Das geschriebende finde ich voll schön. Ich finde das der Film Inside I'm Dancing noch fehlt. Da geht es um eine Person mit Muskeldystrophie.

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Ron

Danke für die interessanten Anregungen.Bei dem Film-Ein ganzes Halbes Jahr- sehe ich das genauso wie du.Schreib doch mal über den Film- Me too (wer will schon normal sein), der hat mich besonders beeindruckt.

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Kai

Ja Lea, bitte schreibe über noch mehr Filme, es kann auch gerne etwas ausführlicher sein. Zwei Filme kannte ich noch nicht, auf diese habe ich jetzt Lust bekommen.

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Luna

Weitere Ergänzung :
Mein linker Fuß.

Zeigt die Autobiographie von Christie Brown. Dieser ist körperbehindert und sein Umfeld geht davon aus,dass er auch geistig eingeschränkt ist.
Doch dann findet er eine tafel und ein Stück Kreide...

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Verena Sophie

Noch ein aktueller Filmtipp zur Ergänzung dieser Liste:
* Auf Augenhöhe.
Toller Film über einen Jungen der als Halbwaise im Heim lebt und durch einen alten Brief seiner verstorbenen Mutter auf seinen Vater stößt. Der ist sportlich und ein sympathischer Kerl. Aber sein Sohn ist zunächst geschockt da sein potentieller Dad kleinwüchsig ist. Eine gut erzählte Geschichte mit überraschenden Wendung.
Etwas älter aber auch empfehlenswert:
* Ich bin Sam.
* Einer wie Bruno
Beide Filme thematisiern geistige Behinderung und Elternschaft jeweils im Zentrum steht die Vaterfigur.

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Ramona

"Ein ganzes halbes Jahr" ist sehr emotional und authentisch und bis zum Ende sehenswert

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