Freiwilliges Engagement

Begegnung beim Kochen

Das Projekt „Über den Tellerrand kochen“ bringt Flüchtlinge mit Einheimischen zusammen. Beim gemeinsamen Kochen kommt man ins Gespräch, lernt sich kennen und schätzen. Ninon Demuth, Mitinitiatorin des Projekts, erzählt im Interview, warum sie das Wort „Asyl“ nicht mag und wie man mit einem Kochbuch 100.000 Menschen mobilisiert.

Kochabend im Projekt „Über den Tellerrand kochen“: Gemeinsames Kochen verbindet einfach

Über den Tellerrand kochen

Über den Tellerrand kochen“ heißt euer Projekt. Was genau macht ihr?

Wir bringen Menschen, die in Deutschland Asyl suchen und solche, die schon lange oder immer hier leben, zusammen – und zwar, indem sie gemeinsam kochen. Ziel ist es, die Menschen hinter dem Begriff „Asyl“ sichtbar zu machen und Kontakte, Bekanntschaften, Freundschaften entstehen zu lassen.

Wieso funktioniert das so gut über das Kochen?

Gemeinsames Kochen verbindet einfach. Man steht zusammen in der Küche, schnippelt, brät, backt und würzt exotische Gerichte. Die Rezepte bringen die Flüchtlinge mit. Dazu erfährt man ganz viel über deren Heimat. Dann isst man gemeinsam, redet weiter, lernt sich kennen, manchmal entsteht noch mehr daraus. 

Noch vor den ersten Kochabenden habt ihr ein Kochbuch herausgebracht. Was hat es damit auf sich?

Das war im Grunde der Anfang des gesamten Projekts. Ich hatte zusammen mit Bontu, Gerrit und Caro einen Gründer-Wettbewerb mitgemacht. Dort hatten wir acht Wochen Zeit, um ein konkretes Projekt umzusetzen.

Hinter dem Kochbuch steht die gleiche Idee wie bei den Kochabenden: Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringen, zeigen, wie gemeinsames Kochen funktioniert, und Berührungsängste abbauen.

Wir sind dann zum Oranienplatz gefahren, wo damals ein Protestcamp von Flüchtlingen stand, haben die Leute dort angesprochen und saßen kurze Zeit später mit Hassan aus Ghana an seinem Gaskocher und legten los. Das war das erste Rezept, das wir für das Kochbuch hatten. Neben dem Rezept erzählen wir auch immer die Geschichte des Menschen, der dahinter steht.

Erreicht ihr damit nicht vor allem diejenigen, die ohnehin offen sind und keine Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben?

Sowohl das Kochbuch als auch die Kochabende sind qualitativ sehr aufwendig gestaltet und sollen auch diejenigen ansprechen, die sich für das Kochen und vielleicht gar nicht so sehr für das Thema Migration interessieren. Wir platzieren das Thema dann quasi durch die Hintertür.

Aber es gibt auch ganz anders motivierte Teilnehmer: Leute, die sich angesichts der vielen schrecklichen Nachrichten aus aller Welt ohnmächtig fühlen und froh sind, wenn sie die Gelegenheit bekommen, konkret in ihrer Nachbarschaft etwas zu tun.

Was habt ihr noch in Berlin auf die Beine gestellt?

Derzeit bauen wir eine Community auf. Es finden regelmäßig offene Treffen statt, zu denen jeder kommen kann. Wenn zum Beispiel ein Flüchtling Ärger mit der Verwaltung hat, soll er hier Leute finden, die helfen können. Die Gruppe selbst bestimmt, was bei den Treffen passiert. Oft hat das natürlich mit Kochen zu tun. So sind wir schon ins Umland gefahren und haben dort zusammen Käse hergestellt. Später soll es solche Communities in ganz Deutschland geben.

Jenseits von Berlin habt ihr jetzt schon eine Lawine ins Rollen gebracht …

Ja! Im Juli dieses Jahres haben wir deutschlandweit einen Aufruf gestartet: „Trefft euch mit Flüchtlingen, kocht gemeinsam oder macht andere Aktionen, lernt euch kennen! Wir unterstützen euch dabei!“ An die 100.000 Menschen haben wir in ganz Deutschland damit erreicht. Wir haben dann vor Ort Leute und Organisationen recherchiert, die mit Flüchtlingen in Kontakt sind, und mit Interessierten zusammengebracht.

Was treibt dich persönlich an?

Ich koche gerne, ich reise gerne und mir macht es viel Spaß, ganz unterschiedliche Leute kennenzulernen. Deshalb passt „Über den Tellerrand kochen“ ziemlich perfekt. Ich habe selbst gemerkt, was für tolle Begegnungen beim Kochen entstehen können. Das will ich mit vielen teilen.

 

Ninon Demuth, 25, studiert Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Derzeit pausiert das Studium, damit sie sich ganz ihrem Projekt „Über den Tellerrand kochen“ widmen kann.

Ab Mitte Dezember wird das Buch „Rezepte für ein besseres Wir“ im Buchhandel erhältlich sein.

 

Weitere Möglichkeiten, sich für Flüchtlinge zu engagieren, finden Sie in unserer Freiwilligendatenbank

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