Aktion Mensch-Blog

Barrieren in den Köpfen

Die Aktion Mensch hat das Inklusionsbarometer Arbeit in Berlin vorgestellt. Mit dabei war auch Online-Redakteur Dennis Winkens. Er sitzt im Rollstuhl und erzählt aus seiner ganz persönlichen Sicht, was beim Thema Arbeit möglich ist.

Pressekonferenz zum Inklusionsbarometer: Dennis Winkens (M.) mit Sascha Decker (Pressesprecher Aktion Mensch), Armin von Buttlar (Vorstand Aktion Mensch), Bert Rürup (Präsident Handelsblatt Research Institute) und Klaus Gierse (Gründer und Geschäftsführer moso GmbH) (v.l.n.r.)

Aktion Mensch

Seit dem 17. Lebensjahr bin ich ab dem Hals abwärts gelähmt. Das ist aber noch lange kein Grund, zu Hause zu bleiben – das kann ja jeder. Ich wollte die Barrieren in den Köpfen überwinden. Man ist viel weniger behindert, als man durch Vorurteile behindert wird. Deshalb war für mich immer klar: Ich arbeite. Ich bin als Online-Redakteur für eine Firma tätig, die Bewegungslösungen für Menschen mit Behinderungen entwickelt. Ich pflege die Homepage, schreibe Texte, erstelle Bilder, drehe Videos und bin in den Social-Media-Kanälen unterwegs.

Den Job will ich

In die Arbeitswelt eingestiegen bin ich mit einer Ausbildung zum Bürokaufmann. Trotz meiner Qualifikation hatte man mir bei der Arbeitsagentur zunächst einen Job in einer Werkstatt angeboten – das war für mich keine Option. Mit Mundmaus, Bildschirmtastatur und Spracherkennungssoftware erledigte ich meine Aufgaben am PC. Alles kein Problem, das kannte ich so schon von Zuhause. Nach meiner Ausbildung lernte ich die moso GmbH auf der Rehacare-Messe kennen. Sie suchten jemanden für die Homepage-Pflege. Den Job will ich, dachte ich. Obwohl ich bis dahin nur „Hobby“-Kenntnisse in dem Bereich hatte, lag ein paar Wochen später ein Arbeitsvertrag vor mir auf dem Tisch. Ich wurde gut eingearbeitet und bilde mich ständig weiter fort. Außerdem hat meine Behinderung einen Vorteil: Ich kann unsere Hilfsmittel testen und Feedback und Verbesserungen geben.

Persönliche Gespräche

Zu Beginn meiner Beschäftigung arbeitete ich aus dem Home-Office. Der Kontakt über E-Mails und Skype mit meinen Kollegen war okay, aber mir fehlte der direkte Austausch. Dann zog mein Arbeitgeber in einen barrierefreien Neubau. Damit begann für mich ein neuer Arbeitsalltag, nämlich vor Ort. Benötige ich heute Informationen oder habe eine Frage, fahre ich einfach zu dem jeweiligen Kollegen und spreche ihn an. Es spielt keine Rolle, wo dieser gerade ist, da ich mich komplett frei und selbstständig im Gebäude bewegen kann. Das ermöglichen mir Hilfsmittel wie automatische Türöffner oder mein iPad, mit dem ich selbstständig den Aufzug rufen kann.

Das große Los gezogen

Ich habe mit diesem Job das große Los gezogen. Ich kann kreativ arbeiten, habe viel Abwechslung, kann Hilfsmittel mit verbessern und dabei auch noch Mitmenschen helfen. Da kann ich meiner Meinung nach doch schon behaupten: „Es läuft… eehhhmmm rollt!“ Das ist bei mir alles „reine Kopfsache“.

Mein Beispiel zeigt, was möglich ist, wenn man statt auf mögliche Einschränkungen auf die Fähigkeiten eines Bewerbers schaut. Das unterstreicht auch das Inklusionsbarometer: Danach sehen 77 Prozent der befragten Unternehmen keine Leistungsunterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.

 

Ein Blogbeitrag von Dennis Winkens

 

Linktipps:

Mehr Infos zum Inklusionsbarometer Arbeit 2015 der Aktion Mensch finden Sie hier

Hier können Sie das Inklusionsbarometer Arbeit 2015 direkt herunterladen (PDF-Dokument)

Mehr zum Thema Inklusion am Arbeitsplatz bei der Aktion Mensch

Die Arbeitswelt von morgen. Ulrich Steilen über das Thema „Arbeitsleben und Unternehmensentwicklung“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

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